Die Bundesregierung bereitet eine weitreichende strategische Partnerschaft mit dem US-Chiphersteller Nvidia vor. Bundeskanzler Merz und Nvidia-Chef Jensen Huang wollen die Kooperation am Montag, den 19.10.2026, in Berlin offiziell verkünden. Huang tritt an diesem Tag als Stargast auf dem Investitionsgipfel „Invest in Germany“ auf.
Die geplante Zusammenarbeit verfolgt im Kern zwei strategische Ziele: Sie soll das Fundament für sogenannte physische Künstliche Intelligenz legen – insbesondere für das Training von Robotern sowie für autonome Fahrzeuge – und zugleich international konkurrenzfähige KI-Modelle für die Industrie hervorbringen.
Neben Sprachmodellen aus Nvidias Nemotron-Familie sollen dabei auch Cosmos-Modelle zum Einsatz kommen, um Industrie und Mittelstand bei der Entwicklung und Implementierung neuer Systeme zu unterstützen.
Dreistellige Millionensumme als staatliche Anschubfinanzierung
Für das Vorhaben plant die Bundesregierung eine staatliche Anschubfinanzierung in dreistelliger Millionenhöhe ein. Die Gelder könnten aus Mitteln der Hightech-Agenda des Bundes bereitgestellt werden. Vorgesehen ist, mit diesen Mitteln vor allem Rechenkapazitäten einzukaufen und das Training neuer KI-Modelle zu finanzieren. Geplant ist unter anderem, Kapazitäten auf der von der Deutschen Telekom betriebenen „Industrial AI Cloud“ anzumieten.
Nvidia wiederum beabsichtigt, einen eigenen Beitrag zur Kooperation zu leisten. Der Konzern will dafür spezialisierte Ingenieure abstellen und Rechenchips bereitstellen. Zudem planen rund ein Dutzend deutscher Unternehmen eine Beteiligung an der Initiative, darunter Siemens, Audi sowie Black Forest Labs.
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Digitalminister Karsten Wildberger betonte vor diesem Hintergrund, das Potenzial zur Steigerung der Wertschöpfung in der deutschen Industrie durch solche Technologien sei gewaltig. Gleichzeitig verwies der Minister auf die bestehende europäische Abhängigkeit bei der Versorgung mit Halbleitern: Europa benötige Rechenchips, verfüge auf diesem Feld jedoch über keine eigenen Kapazitäten.
Anknüpfung an bestehende Infrastrukturprojekte
Strukturell soll die neue Vereinbarung auf dem Projekt SOOFI (Sovereign Open Source Foundation Models) aufbauen, das im Vorjahr in Deutschland initiiert wurde. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hatte Soofi bereits mit 20 Millionen Euro gefördert und dabei das Training des ersten Modells auf der Industrial AI Cloud der Deutschen Telekom finanziert.
Nvidia kooperiert bereits mit der Deutschen Telekom und Siemens. Für die bestehende Industrial AI Cloud stellt der US-Konzern 10.000 Blackwell-Chips bereit; Telekom-Chef Timotheus Höttges kündigte bereits eine Verdoppelung dieses Kontingents an.
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Die Bundesregierung hatte bereits im Vormonat bekräftigt, am Ausbau der KI-Kapazitäten festzuhalten, um die europäische digitale Souveränität zu stärken, lehnte eine offizielle Stellungnahme zur neuen Vereinbarung vorab jedoch ab. Auch eine Sprecherin von Nvidia wollte die bevorstehenden Ankündigungen im Vorfeld nicht kommentieren.
Am Rande des Gipfeltreffens ist für Montagabend zudem ein persönlicher Austausch geplant: Merz und Huang kommen bei einem Empfang im Kraftwerk Berlin zunächst zu einem privaten Gespräch zusammen, bevor ein weiteres Treffen gemeinsam mit Mercedes-Chef Ola Källenius folgt. An der Nasdaq notierte die Nvidia-Aktie zum Zeitpunkt der Berichte bei 216,720 US-Dollar.

