Der Grafikchip-Markt driftet auseinander: Während Verbraucher für neue Grafikkarten immer tiefer in die Tasche greifen müssen, brechen die Mietpreise für KI-Hardware in der Cloud ein. Diese paradoxe Entwicklung zeigt, wie die künstliche Intelligenz die gesamte Hardware-Lieferkette auf den Kopf stellt.
RTX 50-Serie: Preisexplosion beim Endkunden
Für PC-Bastler wird der Traum von einer leistungsstarken Grafikkarte immer teurer. Seit November 2025 sind die Preise im globalen Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Besonders hart trifft es Nvidias neueste RTX 50-Serie. Das Flaggschiff RTX 5090 hat sich weltweit um etwa 31 Prozent verteuert. In einigen Regionen wie den USA, Indien und Polen schossen die Preise sogar um 40 bis 50 Prozent in die Höhe.
Ursprünglich für rund 1.800 Euro angekündigt, kostet die RTX 5090 auf dem freien Markt mittlerweile zwischen 3.600 und 4.500 Euro. Auch die Hersteller von Custom-Modellen mit verbesserter Kühlung haben ihre Preise angepasst. Doch nicht nur die Top-Modelle sind betroffen. Die Mittelklasse-Karten RTX 5080 und RTX 5070 Ti legten in drei Monaten um 25 Prozent zu.
Was treibt diese Inflation an? Analysten machen zwei Faktoren aus: explodierende Speicherkosten und strategische Produktionsverschiebungen. Die Nachfrage nach GDDR7- und GDDR6-Speicher aus KI-Rechenzentren ist so hoch, dass dieser Baustein mittlerweile bis zu 80 Prozent der Materialkosten einer Grafikkarte ausmacht. Gleichzeitig berichten Quellen, dass Nvidia die Produktion von Mittelklasse-Karten wie der RTX 5070 Ti drosselt, um die knappen Speicherchips in profitablere KI-Beschleuniger wie die H100 zu stecken.
KI-Cloud: Mietpreise für H100 im freien Fall
Während Gamer immer mehr zahlen, erleben Unternehmen ein ganz anderes Phänomen. Die Mietpreise für Nvidias H100-Beschleuniger in der Cloud sind eingebrochen. Nach einem Höchststand von etwa 7 Euro pro Stunde Ende 2024 sind die On-Demand-Raten um 64 Prozent gefallen. Aktuell liegen sie zwischen 2,50 und 3,10 Euro. Einige kleinere, spezialisierte Anbieter verlangen im Spot-Markt sogar nur 0,90 bis 1,80 Euro.
Dieser Preisverfall ist eine Folge rascher Marktsättigung. Allein 2025 drängten über 300 neue Anbieter auf den GPU-Cloud-Markt, kauften Hardware und lösten einen aggressiven Preiskampf aus. Allerdings warnen Experten: Der Sturz der Mietpreise ist nicht gleichbedeutend mit einem Wertverfall der Hardware selbst. Neue H100-Einheiten kosten nach wie vor zwischen 24.000 und 36.000 Euro. Auf dem Gebrauchtmarkt bewegen sich die Preise je nach Alter und Zustand zwischen 6.300 und 22.500 Euro.
Ein weiterer Treiber ist die Einführung von Nvidias nächster Generation, der Blackwell-Architektur mit den B200- und B300-Modellen. Sie soll bei KI-Inferenz-Aufgaben eine 11- bis 15-fach höhere Leistung als der H100 bieten. Große Tech-Konzerne rüsten daher um, um langfristige Betriebskosten zu senken. Um die schnellen Produktzyklen finanziell zu bewältigen, haben viele die Abschreibungsdauer ihrer Hardware auf fünf oder sechs Jahre verlängert.
AMD und Intel wittern ihre Chance
Die extreme Volatilität bei Nvidia eröffnet Wettbewerbern wie AMD und Intel eine große Chance. Während Nvidias Einsteiger- und Mittelklasse-Karten immer teurer werden, bieten die Alternativen vergleichsweise stabile Preise – eine Zuflucht für Standard-Nutzer.
Intels Battlemage-Serie profitiert vom aktuellen Klima. Die Arc B580 mit 12 GB Speicher verteuerte sich global nur um 11 Prozent, die B570 sogar nur um 4 Prozent. In einigen Regionen wurden bestimmte Intel-Modelle sogar etwas günstiger – eine Seltenheit im Jahr 2026.
Auch AMDs Radeon RX 9000-Serie kommt besser durch die Speicherknappheit als der große Rivale. Die RX 9070-Modelle verteuerten sich global lediglich um 7 bis 8 Prozent. Marktexperten sehen den Grund klar: Während Nvidia den Sub-500-Euro-Markt effektiv aufgibt, um sich auf hochprofitabele KI-Hardware zu konzentrieren, erobern AMD und Intel die klassische Kundschaft, für die Gaming und lokale Anwendungsleistung im Vordergrund stehen.
Ausblick: Eine dauerhaft gespaltene Branche?
Für das restliche Jahr 2026 wird der Grafikprozessor-Markt voraussichtlich hochgradig segmentiert bleiben. Lieferkettenanalysten gehen davon aus, dass die Speicherknappheit mindestens bis ins zweite Quartal anhält. Eine Normalisierung der Verbraucherpreise ist also nicht in Sicht.
Im Cloud-Sektor könnte den niedrigen Mietpreisen für H100 bald ein fester Boden bereitet sein. Finanzmodelle zeigen, dass Anbieter ihre Betriebskosten nicht decken können, wenn die Stundensätze unter 1,50 Euro fallen. Beobachter erwarten daher eine Marktkonsolidierung, bei der kleinere, unprofitable Cloud-Betreiber ausscheiden. Das könnte das Angebot und die Preisdynamik langfristig stabilisieren.
Die Entwicklungen dieses Februars unterstreichen einen dauerhaften Wandel. Da KI-Workloads zum bestimmenden Treiber der Chip-Produktion werden, rückt das traditionelle Consumer-Computing immer weiter in den Hintergrund. Käufer aller Segmente müssen sich auf eine Landschaft einstellen, in der die Unternehmensnachfrage nach KI über Verfügbarkeit, Preis und technologischen Fortschritt der globalen Rechenressourcen entscheidet.




