Nvidia reagiert auf die globale Speicherkrise und verlagert die Produktion seiner neuen GeForce RTX 50-Serie. Der Fokus liegt nun verstärkt auf Mainstream-Modellen mit nur 8GB Grafikspeicher (VRAM). Das berichten Branchenkenner. Hintergrund sind explodierende Kosten und knappe Lieferungen des schnellen GDDR7-Speichers. Während die beliebten Einstiegsmodelle so in Stückzahl produziert werden können, dürften leistungsstärkere Karten mit mehr Speicher knapp und teuer bleiben.
Strategischer Schwenk in der Speicherkrise
Im Kern der Strategie steht die Hochfahrung der Produktion von GeForce RTX 5060 8GB und RTX 5060 Ti 8GB. Für jede geplante 16GB-Karte sollen künftig zwei 8GB-Modelle vom Band laufen. Dieser Schachzug ist eine direkte Antwort auf die angespannte Lage am globalen Speichermarkt, die die gesamte Tech-Branche trifft. Die geringeren Speicheranforderungen erlauben es Nvidia und seinen Partnern, eine höhere Ausstoßmenge zu erreichen – besonders wichtig im umkämpften Preissegment.
Die Kehrseite der Medaille: Die Verfügbarkeit der High-End-Modelle leidet. Die Auslieferungen der RTX 5060 Ti 16GB und RTX 5070 Ti 16GB werden gedrosselt. Die Folge sind voraussichtlich Engpässe und massive Preisaufschläge. In einigen Märkten sind diese Effekte bereits spürbar; die RTX 5070 Ti und RTX 5080 kosten teilweise 10 bis 20 Prozent über der unverbindlichen Preisempfehlung (UVB). Das Flaggschiff RTX 5090 mit 32GB GDDR7 wird kaum unter 3.000 Euro zu haben sein.
Gamer-Kritik und schwierige Wahl
Die Konzentration auf 8GB-Speicher bei Mainstream-Karten ist ein Reizthema für PC-Spieler. Seit Jahren kritisieren sie diese Konfiguration als unzureichend für moderne Spiele in hohen Auflösungen und Details. Diese Debatte war bereits bei der Vorgänger-Generation, der RTX 40-Serie, heftig geführt worden. Zwar bietet der neue GDDR7-Speicher eine deutlich höhere Bandbreite, doch die reine Kapazität von 8GB gilt vielen als potenzieller Flaschenhals für künftige Spieletitel.
Für Verbraucher entsteht ein Dilemma: Die bessere Verfügbarkeit der 8GB-Modelle mag kurzfristig die Preise im Einstiegssegment stabilisieren. Wer jedoch auf Zukunftssicherheit mit mehr Speicher setzen möchte, muss mit geringerem Angebot und höheren Kosten für 16GB-Karten rechnen. Die Entscheidung wird zu einem Abwägen zwischen kurzfristigem Preisvorteil und langfristigen Performance-Einschränkungen.
Wettbewerbsvakuum und AI-Dominanz
Nvidias strategische Anpassung spiegelt auch die aktuelle Wettbewerbssituation wider. Der Hauptkonkurrent AMD wird voraussichtlich erst 2027 mit neuen High-End-Grafikkarten für Gamer auf den Markt kommen. Dieses Wettbewerbsvakuum könnte ein Grund sein, warum der Druck sinkt, speicherstärkere Konfigurationen in der gesamten Produktpalette durchzusetzen. Es erklärt auch Gerüchte um eine mögliche, nun auf unbestimmte Zeit verschobene „SUPER“-Auffrischung der RTX 50-Serie.
Ein weiterer gewichtiger Faktor ist Nvidias gespaltene Ausrichtung. Das lukrative KI-Servergeschäft konkurriert mit dem Consumer-Markt um die knappen Speicherkomponenten. Die immense Profitabilität der KI-Hardware gibt einen starken Anreiz, Ressourcen in diese Sparte zu lenken. Entscheidungen für die GeForce-Serie werden so stets von den wirtschaftlichen Realitäten des gesamten Technologie-Marktes beeinflusst.
Ausblick: Ein Markt der Kompromisse
Für das Jahr 2026 zeichnet sich am Grafikkartenmarkt ein Bild der Kompromisse ab. Im Mainstream-Segment werden die 8GB-Optionen der RTX 50-Serie wohl leichter verfügbar und bezahlbar sein. Leistungshungrige Spieler und Enthusiasten hingegen müssen sich auf längere Sicht mit limitierter Verfügbarkeit und Premium-Preisen für Modelle mit mehr Speicher abfinden.
Die Speicherkrise zeigt keine unmittelbaren Anzeichen einer Entspannung. Weitere Komponentenpreissteigerungen sind laut Branchenberichten nicht ausgeschlossen. Diese Rahmenbedingungen werden die Produktstrategien der Hersteller weiter prägen. Für Gamer und PC-Bastler bedeutet das: Die kommenden Monate erfordern eine sorgfältige Abwägung von Performance-Bedarf, Budget und langfristigem Nutzen – in einem Markt, der von den Zwängen der Angebotsseite dominiert wird.





