Die anhaltenden Versorgungsengpässe bei Grafik- und Arbeitsspeichern zwingen Halbleiterhersteller zu grundlegenden Anpassungen in ihren Lieferketten. Berichten zufolge erwägt Nvidia eine Abkehr von der bisherigen Praxis, Board-Partnern vollständige Kits aus Grafikprozessor und GDDR-Speicher bereitzustellen.
Stattdessen bereitet das Unternehmen laut Branchenberichten möglicherweise eine Umstellung vor, den Add-in-Card-Partnern lediglich nackte Silizium-Dies zu liefern. Damit reagiert der Chiphersteller auf die anhaltende GDDR-Knappheit und die drastisch gestiegenen DRAM-Kosten, die die gesamte Hardwarebranche unter Druck setzen.
Reaktionen auf Engpässe bei GDDR- und DRAM-Bausteinen
Hintergrund der Überlegungen ist eine ausgeprägte Verknappung im gesamten Speichermarkt. Nach Einschätzung von TrendForce steht dem Markt bis 2027 ein anhaltendes DRAM-Unterangebot bevor. Die Spotpreise für GDDR6-Speicher haben sich laut TrendForce von rund 2,5 auf 7,5 US-Dollar pro Gigabyte verdreifacht.
Für das vierte Quartal 2026 rechnet TrendForce mit einem weiteren Anstieg der Vertragspreise für PC-DRAM um 13 bis 18 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, während konventioneller DRAM um 10 bis 15 Prozent zulegen soll.
Auf dem Endkundenmarkt führen die Beschaffungsprobleme zu massiven Verwerfungen. Die Preise für 64-Gigabyte-DDR5-Kits lagen Ende Oktober 2026 bei 1.118 US-Dollar, was einem Zuwachs von 485 Prozent gegenüber dem Niveau von etwa 191 US-Dollar im Vorjahr entspricht. 32-Gigabyte-DDR5-Kits verteuerten sich im selben Zeitraum von circa 72 US-Dollar auf nahezu 450 US-Dollar.
DDR4-Chips stiegen um 286 Prozent von 12,18 US-Dollar im November 2025 auf 47,00 US-Dollar, während Samsung seinen DDR5-Vertragspreis im Laufe des Jahres 2026 auf über 19,50 US-Dollar pro Einheit mehr als verdoppelte.
Auswirkungen auf Grafikkarten-Hersteller und Endkundenpreise
Sollte Nvidia den Board-Partnern die Beschaffung der Speicherbausteine selbst überlassen, verlagert sich das Beschaffungsrisiko direkt auf die Hersteller von Grafikkarten.
Huang Jinqing, General Manager bei MSI, erwartet Preissteigerungen von 15 bis 30 Prozent bei Gaming-Produkten und beziffert das Angebotsdefizit bei Nvidia-Grafikprozessoren auf rund 20 Prozent im Jahr 2026. Zugleich prognostiziert er für den gesamten PC-Markt einen Rückgang um 10 bis 20 Prozent.
MSI reagierte mit langfristigen Lieferverträgen für Speicher und erhöhte wie zuvor ASUS die Produktion von DDR4-Mainboards. Auch Acer erwartet einen Anstieg der PC-Preise um rund 20 Prozent. Das Marktforschungsunternehmen Gartner kalkuliert mit 17 Prozent höheren PC-Preisen und rechnet bis 2027 mit einem Anstieg der Speicherkosten um rund 130 Prozent.
Im Grafikkartensegment zeigt sich der Druck bereits bei den aktuellen Modellen. Nvidia entfernte die GeForce RTX 5080 und RTX 5090 ohne offizielle Stellungnahme aus seinem US-Store.
Während die RTX 5070 Ti und RTX 5070 weiterhin gelistet, aber vergriffen sind, verlangen Händler für die im Januar 2025 mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 999 US-Dollar eingeführte RTX 5080 mit 16 Gigabyte bei Drittanbietern über 2.200 US-Dollar.
Im Oktober stiegen die durchschnittlichen Grafikkartenpreise nach Erhebungen von Hardware Unboxed um 10 Prozent, während die RTX 5090 um 32 Prozent gegenüber dem September zulegte.
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Engpässe bei High-Bandwidth-Memory und Rechenzentren
Die Speicherknappheit beschränkt sich nicht auf das Konsumentensegment, sondern betrifft insbesondere Hochleistungsspeicher für KI-Beschleuniger. TrendForce prognostiziert für 2027 zwar ein Wachstum der HBM-Bit-Auslieferungen um 50 bis 60 Prozent im Jahresvergleich, dieses verbleibe jedoch unter der realen Nachfrage, womit die Preismacht bei den Lieferanten verharre.
Branchenbeobachter halten 2027 weitere Preisanstiege bei HBM-Lieferverträgen um 70 bis 140 Prozent für möglich. Laut Schätzungen von Morgan Stanley wird Nvidia 2027 rund 37,3 Prozent der weltweiten HBM-Kapazitäten beanspruchen, gefolgt von Alphabet mit 36 Prozent und AMD mit 12,1 Prozent.
Nvidia-Finanzchefin Colette Kress verwies auf extreme Preisbedingungen bei Speicherbausteinen und rechnet mit einer Fortdauer der Engpässe bis zum Ende des Geschäftsjahres Anfang 2028. Im Quartal bis zum 26. Juli stiegen Nvidias Lieferverpflichtungen primär durch die Speicherbeschaffung, während die Bruttomarge von 75 Prozent laut Prognose im aktuellen Quartal auf 74 Prozent und im Januar-Quartal auf ein Tief von 71 bis 72 Prozent sinken könnte.
Infolge der Kostenentwicklung hat Nvidia Auftragsfertigern Preiserhöhungen von über 15 Prozent für Server angekündigt, die Anfang 2027 ausgeliefert werden sollen.
Technische Anpassungen der kommenden Chip-Generationen
Die anhaltenden Lieferengpässe haben unmittelbare Folgen für Nvidias Produktfahrplan. Bei der kommenden Vera-Rubin-Generation halbierte das Unternehmen laut TrendForce die Kapazität der LPDDR5X-basierten SOCAMM-Module bis 2027. Bereits für die GB300-Plattform war die Einführung dieser Module nach Berichten über Yield- und Wärmeprobleme verschoben worden; Nvidia kehrte vorerst zum Bianca-Board-Design zurück.
Zudem passte Nvidia die Spezifikationen für die Vera-Rubin-Architektur nach unten an. Dokumentationsänderungen im September zeigen, dass die HBM4-Bandbreite pro GPU um etwa 13 Prozent von zuvor geplanten 22 Terabyte pro Sekunde auf 19,2 Terabyte pro Sekunde gesenkt wurde, was einer Datenrate von rund 9,375 statt 10,75 Gigabit pro Sekunde pro Pin über acht HBM4-Stacks entspricht.
Auch die NVLink-6-Bandbreite sank von 3,6 auf 3,0 Terabyte pro Sekunde. Beim HGX Rubin NVL8 reduzierte sich die HBM4-Kapazität von 2,3 auf 2,0 Terabyte über sieben aktive Stacks.
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Während Nvidia-Vorstandschef Jensen Huang im nächsten Jahr eine Verdopplung der Chipverkäufe und ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht stellt, hält er ein Speicher-Überangebot vor 2029 für unwahrscheinlich. Um die Fertigungskapazitäten auszuweiten, kündigte das Unternehmen im Oktober 2026 Lieferantenverträge über die 2,5-fache Substratkapazität für die kommenden drei Jahre an.
Parallel baut der Fertigungspartner Amkor seine Kapazitäten für Advanced Packaging bis Ende 2028 um mehr als 300 Prozent aus, während eine spürbare Entspannung über die gesamte Lieferkette laut Branchenexperten wie Intel-CEO Lip-Bu Tan nicht vor 2028 zu erwarten ist.

