Im Zentrum der Ermittlungen: die marktbeherrschende Stellung des Chipriesen im Bereich Künstlicher Intelligenz.
Die Wettbewerbshüter in Paris arbeiten an einer sogenannten „Mitteilung der Beschwerdepunkte“ – dem letzten Schritt vor einer offiziellen Anklageerhebung. Bereits im September 2023 hatte die Behörde Razzien durchgeführt. Besonders kritisch sehen die Ermittler Nvidias CUDA-Software-Ökosystem, das die Konkurrenz seit Jahren massiv behindert. Der US-Konzern kontrolliert rund 86 Prozent des KI-Rechenzentrumsmarktes und 90 Prozent des Marktes für diskrete Grafikprozessoren.
Preisschere bei Grafikkarten öffnet sich
Der Grafikkartenmarkt zeigt derzeit ein seltsames Bild: Während die Preise für Spitzenmodelle explodieren, fallen sie in anderen Segmenten.
Die RTX 5090 – Nvidias aktuelles Flaggschiff – kostet auf großen Handelsplattformen rund 4.329 Euro. Zum Vergleich: Bei ihrer Markteinführung lag die unverbindliche Preisempfehlung bei knapp 2.000 Euro. Grund für den Preisschock ist eine globale Speicherkrise. Der VRAM (Grafikspeicher) macht inzwischen über 80 Prozent der Herstellungskosten einer GPU aus. KI-Rechenzentren schlucken rund 70 Prozent der weltweiten Speicherproduktion.
Ganz anders sieht es bei der Miete von KI-Hardware aus. Die Stundentarife für Nvidias H100-Beschleuniger sind um 40 Prozent gefallen – von 3,30 auf 2,00 Euro. Im Mittelsegment verschärft sich der Wettbewerb: AMDs RX 9070 GRE kostet jetzt nur noch 499 Euro – ein direkter Angriff auf Nvidias Midrange-Modelle.
Keine neuen Gaming-Chips bis 2028
Erstmals seit fast 30 Jahren überspringt Nvidia einen kompletten Produktzyklus bei Gaming-Grafikkarten. Für den Rest des Jahres 2026 sind keine neuen Consumer-GPUs geplant. Die RTX-60-Serie könnte sogar erst 2028 erscheinen. Der Grund: Gaming macht nur noch 7,5 Prozent des Nvidia-Umsatzes aus. Das Rechenzentrumsgeschäft ist der klare Wachstumstreiber.
Trotz der Pause bei Consumer-Hardware arbeitet Nvidia an der nächsten Generation: Die Vera-Rubin-Architektur soll noch 2026 kommen und die Leistung im Vergleich zu aktuellen Modellen verdoppeln bis verdreifachen. Auch das CPU-Geschäft läuft – mit einem angestrebten Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro.
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Cloud-Riesen schmieden eigene Pläne
Nvidias Dominanz bröckelt an mehreren Fronten. Große Cloud-Anbieter entwickeln zunehmend eigene Chips. Alphabet (Google) hat seine Investitionen massiv ausgeweitet – Prognosen für 2026 liegen bei 190 Milliarden Euro. Googles TPU-Chips (Tensor Processing Units) gelten als ernstzunehmende Alternative und sollen KI-Berechnungen bis zu 30 Prozent günstiger machen als Nvidia-Hardware. Ein Joint Venture zwischen Google und Blackstone plant, bis 2027 eine TPU-Kapazität von 500 Megawatt aufzubauen.
Parallel dazu entsteht ein neues Finanzierungsmodell für KI-Infrastruktur: sogenannte „Neoclouds“ wie CoreWeave und Nebius. Diese Unternehmen stellen Nvidia-GPU-Cluster zur Verfügung und haben Milliardenzusagen von Tech-Giganten erhalten. Microsoft hat rund 60 Milliarden Euro zugesagt, Meta sogar bis zu 122 Milliarden Euro.
Nvidia selbst stützt das Ökosystem mit Investitionen von jeweils zwei Milliarden Euro in CoreWeave und Nebius. Die Kehrseite: CoreWeave erwirtschaftete im ersten Quartal 2026 zwar einen Umsatz von 2,08 Milliarden Euro, trug aber Schulden von 24,86 Milliarden Euro. Die Kapitalintensität des KI-Booms ist enorm.
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Rekordumsätze, aber nervöse Anleger
Nvidias Geschäftszahlen bleiben beeindruckend. Im ersten Quartal 2026 meldete der Konzern einen Umsatz von 81,6 Milliarden Euro – ein Plus von 85 Prozent im Jahresvergleich. Allein das Rechenzentrumsgeschäft spülte 75,2 Milliarden Euro in die Kassen, ein Anstieg um 92 Prozent.
Dennoch reagieren Anleger zunehmend nervös. Im November 2025 fiel die Aktie um neun Prozent, nachdem eine KI-gestützte Analyse des dritten Quartals Auffälligkeiten entdeckt hatte: Die Außenstandsdauer der Forderungen (DSO) war auf 53,3 Tage gestiegen, die Lagerbestände um 32 Prozent gewachsen. Bis zum 10. Juli 2026 erholte sich der Kurs jedoch wieder auf 210,96 Euro – ein Börsenwert-Zuwachs von fast 393 Milliarden Euro binnen zwei Tagen.
Analysten beobachten derweil, dass Nvidias Kurs-Gewinn-Verhältnis auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gefallen ist – trotz der Expansion in neue Geschäftsfelder wie Netzwerktechnik und optische Verbindungen. Die Frage ist nur: Reicht das, um die Kartellwächter in Paris zu besänftigen?

