Das US-Justizministerium (DOJ) hat eine Untersuchung gegen den Halbleiterkonzern Nvidia eingeleitet. Im Zentrum der Ermittlungen steht die Frage, ob eine im Dezember des vergangenen Jahres getroffene Vereinbarung mit dem KI-Chip-Startup Groq so strukturiert wurde, dass sie die gesetzlich vorgeschriebene Fusionskontrolle umgeht. Berichten zufolge wurde Nvidia bereits eine formelle Informationsanfrage, eine sogenannte Civil Investigative Demand, zugestellt.
Vorwurf der Umgehung der Antitrust-Prüfung
Die Wettbewerbshüter untersuchen laut mehreren Berichten vom 9. und 10. September 2026, ob Nvidia den Lizenzdeal mit Groq im Wert von schätzungsweise 17 Mrd. US-Dollar bis 20 Mrd. US-Dollar bewusst so gestaltete, dass eine Überprüfung nach dem Hart-Scott-Rodino-Gesetz vermieden wurde. Dieser Betrag entspricht etwa 22,7 Bio. Won. Üblicherweise unterliegen Transaktionen dieser Größenordnung einer intensiven Prüfung durch die Kartellbehörden.
Im Rahmen der Vereinbarung aus dem Dezember 2025 erhielt Nvidia eine nicht-exklusive Lizenz für die Chiptechnologie von Groq, insbesondere für deren LPU-Inferenzchips (Language Processing Units).
Zeitgleich wechselten zentrale Führungskräfte des Startups zu Nvidia, darunter der Gründer Jonathan Ross sowie der Chief Operating Officer Sunny Madra. Groq blieb jedoch nominell als eigenständiges Unternehmen unter der Leitung des neuen CEO Simon Edwards bestehen und betreibt weiterhin seine GroqCloud-Plattform.
Struktur der Transaktion im Fokus
Die Ermittler prüfen nun, ob es sich bei dieser Kombination aus Lizenzvereinbarung und der Einstellung von Schlüsselpersonal – in Fachkreisen als „Acqui-hire“ bezeichnet – faktisch um eine Übernahme handelt, die dem DOJ hätte gemeldet werden müssen.
Das DOJ prüft, ob Nvidias Lizenzdeal mit Groq bewusst so strukturiert wurde, dass die Fusionskontrolle umgangen wird — eine Civil Investigative Demand wurde bereits zugestellt. Wer ähnliche Acqui-hire-Modelle plant, sollte die Meldepflichten kennen. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Rechtslage ein und liefert eine Checkliste für Fusionskontrollmeldungen. Kostenlosen M&A-Compliance-Leitfaden anfordern
Nvidia-Sprecher John Rizzo verteidigte den Deal gegen die Vorwürfe. Während Experten mögliche Geldstrafen für nicht ausgeschlossen halten, gilt eine Rückabwicklung der Transaktion zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich.
Groq selbst wurde vor Abschluss der Vereinbarung mit rund 6,9 Mrd. US-Dollar bis 7 Mrd. US-Dollar bewertet. Trotz der engen personellen und technischen Verflechtung mit Nvidia plant das Startup laut Unterlagen aus dem August eine eigene Finanzierungsrunde in Höhe von 350 Mio. US-Dollar, an der sich Nvidia beteiligen soll. Zu den weiteren Investoren zählen Unternehmen wie Samsung, BlackRock und 1789 Capital.
Breiterer Trend bei Technologie-Giganten
Die Untersuchung findet vor dem Hintergrund einer massiven Marktdominanz von Nvidia statt, dessen Marktkapitalisierung zuletzt mit etwa 5,4 Bio. US-Dollar beziffert wurde. Nvidia hat in der jüngeren Vergangenheit insgesamt rund 27 Mrd. US-Dollar in drei vergleichbare Deals investiert, darunter Beteiligungen an Enfabrica mit einem Volumen von etwa 900 Mio. US-Dollar und Poolside im Wert von 7 Mrd. US-Dollar.
Nvidia hat laut Berichten rund 27 Mrd. US-Dollar in drei vergleichbare Deals investiert — von Enfabrica bis Poolside. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 5,4 Bio. US-Dollar rückt die Frage in den Fokus, ob solche Beteiligungen den Wettbewerb im KI-Chip-Markt einschränken. Unsere Analyse zeigt, welche Strukturen die Behörden jetzt verstärkt prüfen. Analyse zur Acqui-hire-Rechtslage jetzt sichern
Branchenbeobachter sehen in dem Vorgehen des US-Justizministeriums eine Reaktion auf eine neue Strategie großer Technologiekonzerne. Ähnliche Strukturen, bei denen Startups offiziell eigenständig bleiben, während wichtige Patente lizenziert und Spitzenkräfte übernommen werden, wurden in der letzten Zeit auch bei Kooperationen von Microsoft mit Inflection, Amazon mit Adept sowie Google mit Character.AI beobachtet. Die Behörden prüfen nun verstärkt, ob diese „Lizenz-statt-Kauf“-Modelle den Wettbewerb im Bereich der künstlichen Intelligenz einschränken.
Bislang handelt es sich bei dem Verfahren gegen Nvidia um eine Informationsanfrage; eine formelle Anklage oder ein Urteil liegen nicht vor. Das Unternehmen ist nun aufgefordert, umfassende Dokumente zur Struktur und zum Zustandekommen des Groq-Deals vorzulegen.

