Österreichs KI-Strategie: Alexander Pröll soll bis 2027 einen Plan vorlegen

Eine österreichweite Umfrage zeigt verbreiteten KI-Einsatz, während viele Unternehmen unerlaubte Anwendungen technisch nicht überprüfen.

•

In Österreichs Arbeitswelt gewinnen KI-Assistenten rasant an Bedeutung, doch viele Beschäftigte setzen die Werkzeuge eigenmächtig ein. Laut einer Umfrage von Tieto Austria und TQS Research unter 1.000 Befragten in ganz Österreich greifen inzwischen 40 Prozent der Berufstätigen auf KI-Assistenten zurück.

Allerdings arbeiten lediglich 23 Prozent ausschließlich mit offiziell genehmigten Programmen, während 17 Prozent eine sogenannte Schatten-KI nutzen. Demnach verzichten 42 Prozent der österreichischen Berufstätigen bislang komplett auf Künstliche Intelligenz.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede: Im Burgenland liegt die Nutzung mit 66 Prozent besonders hoch, wobei 27 Prozent der dortigen Beschäftigten die Systeme ohne Wissen ihres Arbeitgebers verwenden. Salzburg und Kärnten verzeichnen dagegen eine Quote von jeweils 34 Prozent.

Arbeitgeber zögern bei technischen Kontrollen

Die Unternehmensleitungen reagieren unterschiedlich auf diese Entwicklung. Wie aus den Erhebungen hervorgeht, setzen 62 Prozent der KI-Verantwortlichen in größeren österreichischen Unternehmen auf klare Richtlinien und genehmigte Hilfsmittel. Gleichzeitig akzeptieren 19 Prozent bewusst ein Restrisiko, und nur 46 Prozent kontrollieren technisch, ob unerlaubte Anwendungen im Betriebsnetz laufen.

Auf politischer Ebene kündigt sich eine Neuausrichtung an. Österreichs Staatssekretär Alexander Pröll aus dem Kanzleramt soll bis zum ersten Halbjahr 2027 eine neue adaptive KI-Strategie ausarbeiten, nachdem Bundeskanzler Christian Stocker den Auftrag dazu erteilt hat. Das Vorhaben löst das bisherige Konzept AIM AT 2030 aus dem Jahr 2021 ab.

Anzeige

Wer sich mit dem Einsatz von KI-Systemen im Unternehmen befasst, muss die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen des EU AI Acts kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen für eine rechtssichere Anwendung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Pröll erklärte dazu, man befinde sich an einem Kipppunkt, und stufte Künstliche Intelligenz als größte Disruption der Gegenwart ein. Die geplante Strategie soll drei Schwerpunkte umfassen: ungenutzte Potenziale heben, die Ausbildung und den Schutz der Bürger gewährleisten sowie die staatliche Sicherheit und Handlungsfähigkeit sichern.

Zudem regte der Staatssekretär eine weltweite Regulierung unter Einbindung der USA und Chinas an. Auf dem Arbeitsmarkt rechne er nicht mit einem Stellenzuwachs; vielmehr könne KI künftige Personallücken durch Pensionierungswellen im öffentlichen Sektor ausgleichen.

Hohe Akzeptanz an Schulen und in der Kreativbranche

Die zunehmende Verbreitung von KI am Arbeitsplatz spiegelt sich auch in anderen Wirtschaftszweigen und Nachbarregionen wider. Beim Bayerischen Philologenverband zeigte eine Befragung unter Gymnasial- und Berufsoberschul-Lehrkräften, an der etwas mehr als 3.300 von rund 16.000 angeschriebenen Lehrern teilnahmen, dass 80 Prozent KI für ihre Aufgaben verwenden. Mehr als ein Drittel – konkret 37 Prozent – nutzt solche Werkzeuge mehrmals pro Woche, 15 Prozent sogar täglich.

Anzeige

Der unkontrollierte Einsatz von Software kann für Unternehmen neue rechtliche Risiken und Dokumentationspflichten nach sich ziehen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und welche konkreten Maßnahmen jetzt notwendig sind. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?

Hauptanwendungsgebiete sind die Aufgabenerstellung mit 62 Prozent sowie die Stundenplanung und das Erstellen von Texten mit jeweils 51 Prozent. Knapp 40 Prozent setzen KI direkt mit Schulklassen ein. Vier von fünf Nutzern bewerteten die Technologie als Arbeitserleichterung. Der Verbandsvorsitzende Michael Schwägerl mahnte vor diesem Hintergrund verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen sowie entsprechende Fortbildungen und Zeitbudgets an.

In der bayerischen Kultur- und Kreativwirtschaft, die 2022 laut Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht rund 3,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stellte, zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab.

Laut der im September veröffentlichten Studie „Smart Creativity“ der vbw verwenden rund 60 Prozent der befragten Firmen und Solo-Selbstständigen generative KI. Drei Viertel der Teilnehmer rechnen in den nächsten fünf Jahren mit einer spürbaren Zeitersparnis.

Mehr zum Thema bei Kurier: „Im Burgenland verwendet jeder Vierte heimlich KI im Job“