Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen prüfen das Potenzial von Smartwatches zur frühzeitigen Erkennung von Herzinsuffizienz sowie zur Vorhersage von Ohnmachtsanfällen. Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften zeigen, wie biometrische Sensordaten und Algorithmen künftig dazu beitragen könnten, kardiovaskuläre Verschlechterungen früher zu identifizieren und akute Anfälle rechtzeitig anzukündigen.
Risikovorhersage bei Herzinsuffizienz
In Kanada untersuchte die in Nature Medicine veröffentlichte TRUE-HF-Studie den Nutzen tragbarer Sensoren bei 217 Patienten mit Herzinsuffizienz. Die Teilnehmenden trugen eine Apple Watch zusammen mit einem kompatiblen iPhone. Dabei zeigte sich, dass die von der Smartwatch ermittelten Schätzungen der maximalen Sauerstoffaufnahme (pVO₂) stark mit etablierten Goldstandardmethoden übereinstimmten (r=0,85).
Darüber hinaus wiesen die Daten eine deutliche prognostische Relevanz auf: Ein Rückgang der geschätzten Sauerstoffaufnahme um jeweils 10 Prozent war mit einem 3,62-fach höheren Risiko für eine ungeplante Versorgung verknüpft, wozu sowohl ungeplante Klinikbesuche als auch stationäre Krankenhausaufnahmen zählten.
Vorhersage vasovagaler Synkopen
Parallel dazu befasst sich eine gemeinsame Untersuchung von Samsung und dem Chung-Ang University Gwangmyeong Hospital, die im European Heart Journal – Digital Health publiziert wurde, mit der Vorhersage vasovagaler Synkopen. Demnach erleben bis zu 40 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens eine solche Ohnmacht, wobei ein Drittel der Betroffenen unter wiederkehrenden Episoden leidet.
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Die Forschenden nutzten den PPG-Sensor der Galaxy Watch und kombinierten ihn mit einem Algorithmus auf Basis künstlicher Intelligenz. In frühen klinischen Tests sagte das System Ohnmachtsanfälle bis zu fünf Minuten im Voraus mit einer Genauigkeit von 84 Prozent voraus. Die Technologie befindet sich derzeit noch in der klinischen Prüfung, und Fachleute betonen, dass weitere Forschung zur Zuverlässigkeit der Vorhersage erforderlich ist.
Grenzen der Sensortechnik und Debatte um Versorgungswege
Trotz der Fortschritte betonen medizinische Berichte, dass integrierte EKG-Sensoren von Smartwatches lediglich Ein-Kanal-EKGs darstellen und keine vollwertige medizinische Diagnostik ersetzen.
Dass entsprechende Hinweise dennoch ernste Folgen abwenden können, zeigte der Fall des 39-jährigen Joseph Holycross: Ein Vorhofflimmern-Alarm seiner Samsung Galaxy Watch 4 Classic zog nach einwöchigen Untersuchungen eine offene Herzoperation nach sich.
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Behandelnde Ärzte warnten davor, dass ohne rechtzeitigen Eingriff ein Schlaganfall oder Herzinfarkt gedroht hätte; bei Vorhofflimmern besteht ein bis zu fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko.
In der Gesundheitspolitik stößt die praktische Integration solcher Technologien jedoch auf Hürden. Wie Dorothee Stamm vom Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) erklärte, benötige das Telemonitoring bei Herzinsuffizienz über klassische Methodenbewertungen derzeit rund 15 Jahre bis zu einem eingeschränkten Marktzugang.
Der Verband forderte daher einen eigenständigen Marktzugang und neue Vergütungswege für Telemonitoring und Smart Monitoring, flankiert von risikogerechten Evidenzanforderungen und einer gesicherten Vergütung des Datenmanagements.

