Die europäische Technologiebranche erlebt einen grundlegenden Wandel: Immer mehr Unternehmen verabschieden sich von eigenen IT-Lösungen und setzen auf cloudbasierte Identitäts- und Zugriffsverwaltung. Der Trend zu integrierten Sicherheitsplattformen verändert nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch den Arbeitsmarkt für IT-Spezialisten.
Versicherer setzen auf automatisierte Identitätsverwaltung
Ein Paradebeispiel für diesen Umbruch kommt aus Darmstadt: Die Haftpflichtkasse, ein Versicherer mit über 125 Jahren Geschichte, mehr als 2,4 Millionen aktiven Verträgen und einem Jahresbeitragsvolumen von über 260 Millionen Euro, hat ihre Eigenentwicklungen durch die Omida Identity Cloud ersetzt. Das Ziel: mehr Transparenz, automatisierte Abläufe und eine bessere Compliance bei der Verwaltung komplexer Vertragsportfolios.
Auch in der Gastronomie- und Hotellerie zeigt sich der Trend. Der US-Konzern Delaware North hat die Okta Identity Cloud eingeführt, um sein Identitätsmanagement zu zentralisieren. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Die Zahl unautorisierter Zugriffsversuche sank um 80 Prozent, auch die Zahl der Helpdesk-Tickets ging deutlich zurück.
Gefragte Experten: Wer Identitätssicherheit kann, hat beste Chancen
Der Umbruch befeuert die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften. Softwarefirmen wie Univention suchen derzeit händeringend Entwickler mit Linux-Erfahrung, die sich mit Python-Integrationen, Debian und Kubernetes auskennen. Gefragt sind Kenntnisse in Identitätsdiensten und Plattform-Engineering – etwa mit Tools wie GitLab CI, Docker und Helm.
Die Anforderungen an Identitätsspezialisten kombinieren zunehmend klassisches Backend-Engineering mit modernen Sicherheitsprotokollen. Konkret gefragt sind unter anderem:
- Identity-Protokolle: Sicheres Anwenden von SSO, OpenID Connect, SCIM und Session-Management – etwa bei DeepL in London.
- Integrationsschichten: OpenLDAP, JWT, OAuth2 und der ELK-Stack, wie sie die niederländische Industrie- und Handelskammer benötigt.
- Hybride Kompetenzen: Entwickler, die sowohl One Identity Manager, MS SQL und VB.NET als auch moderne Frameworks wie Vue.js und Angular JS beherrschen.
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Plattformen wachsen zusammen
Die Anbieter reagieren auf den Wunsch nach einheitlicher Verwaltung. ProMobi Technologies hat im August ein Update seiner Scalefusion-Plattform vorgestellt. Neu sind unter anderem Linux AppLocker zur Anwendungssteuerung und OneIdP mit Passkey-Unterstützung für mehr Authentifizierungssicherheit.
Die Integration von Okta-APIs und Partnerschaften mit Microsoft Intune zeigen: Der Trend geht zur geräteübergreifenden Verwaltung. IT-Teams können damit unterschiedlichste Hardware – vom Apple-TV bis zu Windows-Geräten – aus einer Hand steuern.
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Souveräne Clouds für Behörden und kritische Infrastruktur
Für öffentliche Einrichtungen und Betreiber kritischer Infrastrukturen steht ein anderes Thema im Vordergrund: digitale Souveränität. Secunet und Cloudflare haben angekündigt, gemeinsam Cloud-Lösungen zu entwickeln, die den strengen Kriterien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entsprechen.
Die Angebote richten sich an Regierungsbehörden und die Bundeswehr, die höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen müssen. Die Kooperation zeigt: Auch globale Cloud-Infrastrukturen lassen sich an nationale Regulierungen anpassen – ein Modell, das richtungsweisend für Hochsicherheitsbereiche sein dürfte.

