One UI 8.5: Samsung öffnet Galaxy für iPhone-Dateien

Apple und Google verbessern mit Updates die Datenübertragung zwischen iOS und Android. Treiber sind Nutzerwünsche und die EU-Regulierung.

Apple und Google rüsten ihre Betriebssysteme mit neuen Funktionen auf, die den Wechsel zwischen Android und iOS erleichtern und die Kommunikation zwischen den Plattformen sicherer machen. Treiber dieser Entwicklung ist nicht nur der Nutzerwunsch, sondern auch die europäische Gesetzgebung.

Anzeige

Der Wechsel zwischen den Systemen bringt oft technische Fachbegriffe mit sich, die gerade Einsteiger verunsichern können. Dieses kostenlose PDF-Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Begriffe rund um das iPhone verständlich und kompakt. Kostenloses iPhone-Lexikon jetzt sichern

Samsung und Google schließen die Datei-Lücke

Mit dem Update auf One UI 8.5 hat Samsung am 25. Mai 2026 einen entscheidenden Schritt gemacht. Die neue Software, die auf Android 16 basiert, bringt eine Funktion mit, die Branchenbeobachter als „AirPlay-Brücke“ bezeichnen. Galaxy-Nutzer können damit Dateien direkt an iOS-Geräte schicken – ohne die lästigen Größenbeschränkungen älterer Cloud-Lösungen. Unterstützt werden die Galaxy-Modelle S24, S25 und S26 sowie die aktuellen Falt-Handys Z Fold7 und Z Flip7.

Doch nicht alle Besitzer aktueller Samsung-Geräte kommen in den Genuss der neuen Funktion. Wie aus Berichten vom 26. Mai hervororgeht, bleibt die Galaxy-S23-Serie außen vor. Samsung hat keine technische Begründung für den Ausschluss geliefert. Die Besitzer erhalten zwar andere Neuerungen wie überarbeitete Menüs und Anpassungen des Sperrbildschirms, die Dateibrücke bleibt ihnen aber verwehrt.

Google zieht parallel nach. Mit den Play Services Version 26.18 hat der Konzern im Mai eine Methode eingeführt, die Android-to-iOS-Transfers per QR-Code oder Cloud-Link ermöglicht. Dazu kommen verbesserte Sicherheitsfunktionen: Eine Betrugserkennung kann Anrufe automatisch beenden, die vorgeben, von Banken zu stammen. Ein weiteres Update vom 25. Mai (Play Services v26.20) brachte rollenbasierte Autoschlüssel-Freigaben und erweiterten Diebstahlschutz für Nutzer in Lateinamerika.

Apple verbessert Transfer und Verschlüsselung

Auch Apple reagiert auf den Druck. Am 11. Mai veröffentlichte der Konzern iOS 26.5 – und brachte damit eine lang erwartete Sicherheitsfunktion für die plattformübergreifende Kommunikation. Die Beta-Version unterstützt nun Ende-zu-Ende-verschlüsselte RCS-Nachrichten (Rich Communication Services) über das MLS-Protokoll. Entwickelt in Zusammenarbeit mit der GSMA und Google, können iPhone- und Android-Nutzer damit hochauflösende Medien und verschlüsselte Texte austauschen – sofern ihr Mobilfunkanbieter das Universal Profile 3.0 unterstützt. In den USA sind das 23 Anbieter, in neun europäischen Ländern rund 15.

Das iOS-Update bringt zudem verfeinerte Kontrollen für Nutzer, die zu Android wechseln wollen. In den Systemeinstellungen lässt sich jetzt festlegen, welche Anhänge mitwandern sollen: keine, die der letzten 30 Tage, eines Jahres oder der gesamte Verlauf. Das baut auf die Funktion „Android Transfer“ auf, die Apple bereits im Dezember 2025 mit iOS 26.3 eingeführt hatte. Damals war erstmals die drahtlose Übertragung von Fotos, Videos, Nachrichten und Kontakten per QR-Code möglich.

Doch nicht alle Daten wandern mit. Gesundheitsdaten, Bluetooth-Gerätelisten und gesperrte Notizen bleiben beim Wechsel zurück. Wer den umgekehrten Weg geht – von Android zu iPhone –, ist weiterhin auf die App „Move to iOS“ angewiesen. Sie überträgt SMS, Kalender und Google-Kontoinformationen drahtlos. PDFs, Bücher und Musikdateien müssen Nutzer dagegen manuell verschieben.

Regulierung zwingt zur Öffnung

Die aktuellen Updates kommen nicht von ungefähr. Am 1. Juni 2026 tritt eine entscheidende Frist des Digital Markets Act (DMA) der Europäischen Union in Kraft. Dann müssen Apple und Google weitere Maßnahmen umsetzen, um Datenportabilität und Interoperabilität zu gewährleisten. Das Ziel des DMA: „Gatekeeper“-Plattformen dürfen Nutzer nicht mehr durch proprietäre Ökosysteme an eine Hardware-Marke binden.

Anzeige

Mit den neuen EU-Vorgaben steigen auch die Anforderungen an Unternehmen, die moderne Technologien und KI-Systeme einsetzen. Dieser praxisnahe Leitfaden hilft Compliance-Verantwortlichen, die komplexen Regeln der neuen KI-Verordnung rechtssicher umzusetzen. Gratis E-Book zur KI-Verordnung herunterladen

Apple hat bereits vorgebaut. In Brasilien bereitet der Konzern die Infrastruktur für alternative App-Marktplätze vor. In der EU hat er die Interoperabilität für Drittanbieter-Wearables eingeführt. Nicht-Apple-Smartwatches und Fitness-Tracker können nun die Nahe-Kopplung, interaktive Benachrichtigungen und Live-Aktivitäten auf dem iPhone nutzen – Funktionen, die zuvor der Apple Watch vorbehalten waren.

Der DMA zwingt die Konzerne zu einer grundlegenden Vereinfachung der Datenübertragung. Wo die offizielle Unterstützung noch Lücken lässt, springen Entwickler ein. Ein Open-Source-Projekt namens „Bada“ ist kürzlich auf GitHub aufgetaucht. Es versucht, das Quick-Share-Protokoll für Android-Geräte zu implementieren, die keine Google Play Services nutzen – etwa Modelle für den chinesischen Markt. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, zeigt aber, wie die Community beginnt, die proprietären Barrieren selbst einzureißen.

Analyse: Das Ende der Walled Gardens

Der Schritt zur Interoperabilität ist eine strategische Kehrtwende. Über ein Jahrzehnt lang nutzten Apple und Samsung exklusive Funktionen wie iMessage und AirDrop als primäre Kundenbindungsinstrumente. Doch die Reife des Smartphone-Marktes und das Eingreifen der Regulierungsbehörden haben die Wettbewerbslandschaft verändert. Hersteller erkennen zunehmend, dass die Kundenzufriedenheit davon abhängt, wie gut sich ein Gerät in einen gemischten Haushalt integrieren lässt.

Die Einführung der RCS-Verschlüsselung ist aus geschäftlicher Perspektive besonders bedeutsam. Mit der Übernahme des GSMA Universal Profile hat Apple langjährige Kritik an der Sicherheit von Nachrichten an Nicht-Apple-Geräte adressiert. Das befriedigt nicht nur regulatorische Auflagen, sondern verhindert auch, dass Drittanbieter-Messenger weiter Marktanteile gewinnen, indem sie die einzige „sichere“ option für gemischte Gruppen bleiben. Samsungs Entscheidung, Quick Share mit iOS zu verbinden, zeigt zudem, dass Galaxy-Geräte im westlichen Premium-Segment nur konkurrieren können, wenn sie nahtlos mit dem dominierenden iPhone-Markt interagieren.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Der Blick richtet sich nun auf die zweite Jahreshälfte 2026. Apple wird voraussichtlich auf der WWDC vom 8. bis 12. Juni einen Vorschau auf iOS 27 geben. Analysten erwarten eine tiefere KI-Integration und möglicherweise mehr Unterstützung für KI-Agenten von Drittanbietern – was die Datenweitergabe je nach Modell weiter vereinfachen oder verkomplizieren könnte.

Auf der Android-Seite wird ein stabiles Release von Android 17 (Codename „Cinnamon Bun“) für den Sommer 2026 erwartet, zunächst für Google-Pixel-Geräte. Erste Beta-Versionen haben bereits „Hub-Mode“-Widgets für den Sperrbildschirm und einen überarbeiteten Desktop-Modus eingeführt. Der Trend geht zu „Visual Intelligence“ und KI-gesteuerten Fotobearbeitungswerkzeugen. Allerdings benötigen viele dieser Funktionen mindestens 12 Gigabyte Arbeitsspeicher – was sie für ältere oder günstigere Geräte unerreichbar macht.

Die Interoperabilitätsverbesserungen vom Mai 2026 sind wohl erst der Anfang eines langfristigen Trends hin zu einem einheitlicheren mobilen Erlebnis.