Taipeh geht mit Haftbefehl gegen Smartphone-Chef Pete Lau vor – ein neuer Höhepunkt im Tech-Konflikt mit China. Die Staatsanwaltschaft wirft dem OnePlus-Gründer vor, mit einem Netzwerk aus Scheinfirmen über 70 taiwanische Ingenieure illegal abgeworben zu haben. Das Verfahren unterstreicht Taiwans entschlossenen Schutz seines Technologiesektors.
Vorwurf: Unerlaubte Forschungseinheit für Smartphone-Entwicklung
Die Anklage aus dem Bezirk Shilin konzentriert sich auf einen mutmaßlichen Verstoß gegen das Cross-Strait-Gesetz. Dieses regelt die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Taiwan und dem chinesischen Festland und verlangt für Niederlassungen und Einstellungen eine offizielle Genehmigung. Laut Ermittlern umging Lau diese Vorgaben systematisch.
Über eine zunächst in Hongkong als „OnePlus Hong Kong“ registrierte, später in „Sonic Sky Consultancy“ umbenannte Firma sollen zwischen August 2015 und Januar 2021 umgerechnet rund 72,9 Millionen Euro nach Taiwan geflossen sein. Das Geld diente angeblich der Finanzierung von Gehältern, Büromieten und Equipment für eine lokale Zweigstelle. Diese gab sich als Beratungsunternehmen aus, arbeitete nach Angaben der Behörden aber ausschließlich an Software-Entwicklung, Tests und Verifikation für OnePlus und dessen Mutterkonzern Oppo.
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Taiwanische Mitarbeiter angeklagt – Lau außer Reichweite
Während sich Pete Lau, der auch Chief Product Officer bei Oppo ist, vermutlich in China aufhält und damit außerhalb der taiwanischen Jurisdiktion, hat die Justiz vor Ort zugeschlagen. Zwei taiwanische Staatsbürger mit den Nachnamen Lin und Cheng wurden angeklagt.
Lin soll als Forschungs- und Entwicklungsleiter der Taiwan-Zweigstelle das Ingenieursteam unter Laus direkter Anweisung geführt haben. Cheng war als offiziell Verantwortlicher der Scheinfirma eingetragen. Die Staatsanwaltschaft betont, die Einheit habe keinerlei eigene Kunden gehabt – ein klarer Hinweis auf eine unerlaubte Tochtergesellschaft.
Schutzwall um den Tech-Standort Taiwan
Der Fall ist kein Einzelfall, sondern Teil einer verschärften Strategie. Taipeh fürchtet um seine technologische Souveränität und sieht die unkontrollierte Abwerbung von Spitzenkräften als Sicherheitsrisiko. In den vergangenen Jahren gab es bereits Razzien gegen mutmaßliche illegale Forschungszentren chinesischer Firmen, vor allem in den Schlüsselbranchen Halbleiter und Chipdesign.
Die Strafverfolgung gegen einen CEO von internationalem Rang sendet eine deutliche Botschaft: Auch Führungskräfte werden persönlich zur Rechenschaft gezogen. „Taiwan schützt sein wertvollstes Gut: das Humankapital in der Hochtechnologie“, kommentiert ein Branchenbeobachter.
Begrenzte operative, aber potenziell hohe reputative Folgen
OnePlus hat in einer ersten Stellungnahme betont, der Geschäftsbetrieb sei nicht betroffen. Die unmittelbaren operativen Auswirkungen dürften tatsächlich gering sein. Langfristig könnte der Imageschaden jedoch erheblich sein, besonders in Märkten, die sensibel auf geopolitische Spannungen reagieren.
Rechtlich bleibt die Lage komplex. Da es kein Auslieferungsabkommen zwischen Taiwan und China gibt, ist eine Verhaftung Laus unwahrscheinlich. Der Haftbefehl verbietet ihm aber die Einreise nach Taiwan und könnte Geschäftsreisen in andere Länder erschweren. Der Prozess gegen die beiden taiwanischen Beschuldigten wird voraussichtlich weitere Details ans Licht bringen.
Für die gesamte Tech-Branche ist der Fall eine Warnung. Unternehmen mit grenzüberschreitenden Aktivitäten zwischen China und Taiwan müssen mit immer schärferen Compliance-Prüfungen rechnen. Der Trend zur strikten Trennung von Personal und Strukturen in den beiden Rechtsgebieten wird sich wohl beschleunigen.
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