Online-Betrug: 1.800 neue Fake-Shops pro Monat in Deutschland

Verbraucherschutzminister verlangen schnellere Abschaltung betrügerischer Angebote. Monatlich werden 1.800 neue Fake-Shops entdeckt.

Auf ihrer Konferenz in Potsdam forderten die Ressortchefs am Freitag einstimmig einen nationalen Aktionsplan unter Federführung des Bundes. Ziel: Betrügerische Online-Angebote sollen deutlich schneller abgeschaltet werden.

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Verfahren zu langsam und komplex

Hanka Mittelstädt (SPD), Vorsitzende der Konferenz, kritisierte die aktuellen Verfahren als zu langwierig. Das Problem: Polizei, Justiz und Cybersicherheitsbehörden teilen sich die Zuständigkeiten. Kriminelle können so oft zu lange agieren. Die Minister fordern deshalb eine bessere Koordinierung. Geprüft werden soll auch, ob .de-Domains schneller abgeschaltet und Werbeanzeigen für betrügerische Shops aus Suchmaschinen entfernt werden können. Als Vorbild gilt das belgische „Notice and Action“-Modell.

1.800 neue Fake-Shops pro Monat

Die Dringlichkeit zeigt der „Fake-Shop-Finder“ der Verbraucherzentralen. Er entdeckt monatlich rund 1.800 neue betrügerische Verkaufsseiten. Eine Schufa-Umfrage aus dem Frühjahr 2025 ergab: Jeder vierte Bundesbürger wurde bereits Opfer von Online-Betrug. 61 Prozent der Betroffenen erlitten finanzielle Schäden. Allein bei den Verbraucherzentralen gingen im vergangenen Jahr etwa 10.000 Beschwerden ein.

Gefahr auf Secondhand-Plattformen

Besonders betroffen ist der Handel auf Secondhand-Plattformen. Die Polizei warnt vor einer Masche: Täter versenden gefälschte E-Mails über angebliche Verkäufe. Die Opfer landen auf Phishing-Seiten und geben Bankdaten oder Ausweisdokumente preis. In Nordrhein-Westfalen meldeten die Behörden in den vergangenen Wochen mehrere Fälle mit Schäden im vierstelligen Bereich. Eine betroffene Person gab versehentlich eine Zahlung von 690 Euro frei, eine andere verlor ihre Kreditkartendaten.

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iPhone-Besitzer im Visier

Neben klassischen Fake-Shops rücken mobile Geräte in den Fokus der Kriminellen. Sicherheitsforscher von Infoblox Threat Intel identifizierten über 10.000 betrügerische Domains. Sie zielen speziell auf Besitzer gestohlener iPhones ab. Mit Smishing-Texten und gefälschten Apple-Seiten versuchen die Täter, an Passcodes zu gelangen. Der Datenverkehr auf solchen Smishing-Seiten stieg 2025 um 350 Prozent.

Auch die Reisebranche ist betroffen. Im Mai häuften sich Angriffe, bei denen Kriminelle echte Buchungsdaten nutzen. Unter dem Vorwand einer Kreditkarten-Verifizierung locken sie Reisende auf gefälschte Zahlungsseiten.

Milliardenverluste in Europa

Die wirtschaftlichen Schäden sind enorm. Laut einer Studie der Global Anti-Scam Alliance (GASA) verloren Europäer 2025 insgesamt 49,1 Milliarden Euro durch digitale Betrugsmaschen. In Deutschland gaben 66 Prozent der Befragten an, bereits Scam-Versuche erlebt zu haben. Die durchschnittliche Schadenssumme pro Betroffenem liegt bei etwa 2.600 Euro.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät zu präventiven Schutzmaßnahmen: starke Passwörter, Passkeys und Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA). Bei unaufgeforderten Nachrichten – etwa zu angeblichen Gewinnen oder Kontoproblemen – sollten Verbraucher äußerst skeptisch sein. Im Verdachtsfall hilft der Anruf bei der Hausbank und eine Anzeige bei der Polizei.