Verbraucherschutzorganisationen in mehreren Ländern verlangen ein entschlosseneres Vorgehen gegen Online-Betrug auf mobilen Plattformen. Hintergrund sind Studien, die zeigen, dass Betroffene neben finanziellen Schäden zunehmend unter langfristigen psychischen Belastungen leiden.
Britische Studie zeigt psychische Folgen
Die britische Verbraucherorganisation Which? befragte im Juni 2026 insgesamt 1.501 britische Erwachsene, die in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Betrug geworden waren.
Demnach erfolgten 63 Prozent der Betrugsfälle über eine App oder Website, wobei 55 Prozent der Betroffenen zunächst über Social Media auf die Betrugsmasche stießen. Bei den Zahlungsplattformen führte Facebook mit 28 Prozent, gefolgt von WhatsApp mit 17 Prozent und Instagram mit 10 Prozent.
Die Folgen für die Opfer sind laut der Umfrage erheblich: 63 Prozent berichteten von mehr Stress, 54 Prozent von negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und 47 Prozent von finanziellen Problemen. Immerhin 23 Prozent änderten in der Folge ihr Verhalten bei Online-Zahlungen. Which? forderte nach der Veröffentlichung der Studie die konsequente Durchsetzung des britischen Online Safety Act.
Zusätzlich verwiesen Which? und die Organisation Demos auf eine Analyse von über 1.000 Werbeanzeigen auf Instagram und Facebook: 484 davon bezogen sich auf Investments, rund die Hälfte davon auf unregulierte Produkte wie Kryptowährungen und NFTs.
Einige Anzeigen bewarben sogar Binäroptionen, obwohl diese seit 2019 von der britischen Finanzaufsicht FCA verboten sind. 89 Anzeigen wiesen mindestens drei Warnsignale auf, 23 sogar fünf oder mehr; 39 Anzeigen bezogen sich auf eine Investmentsoftware namens Tesler. Which? forderte in diesem Zusammenhang eine Verschärfung des Online Safety Bill.
Nach Angaben des Marktforschers Juniper Research verdienten Social-Media-Unternehmen im Jahr 2025 mit Betrugsanzeigen in Europa fast 3,8 Milliarden Pfund.
Globale Dimension: GSMA-Bericht aus Südostasien
Auch in Südostasien ist Betrug über mobile Plattformen ein wachsendes Problem. Der ASEAN Consumer Scam Report 2026 des Mobilfunkverbands GSMA, vorgestellt auf dem Digital Trust Summit in Kuala Lumpur, untersuchte Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam.
Wer sich mit dem Thema Datensicherheit befasst, sollte den Schutz des eigenen Mobilgeräts nicht vernachlässigen. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Schritte, mit denen Sie Ihr Android-Smartphone sofort gegen Hacker und Datenmissbrauch absichern können. Gratis-Sicherheits-Ratgeber jetzt herunterladen
Demnach blieben 45 Prozent der gemeldeten Betrugsfälle ungelöst. Acht Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Betrug geworden zu sein; 68 Prozent der Opfer erlitten dabei einen Geldverlust, 82 Prozent davon erhielten keine Rückerstattung, nur 10 Prozent wurden vollständig entschädigt.
Messaging-Apps machten laut dem Bericht 41 Prozent der Betrugskontakte aus. 96 Prozent der Befragten äußerten sich besorgt über Betrug und Hacking, fast neun von zehn gaben an, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Betrugsmaschen erkennen zu können. Betrugsopfer wechselten demnach mehr als doppelt so häufig ihr Konto oder ihren Anbieter wie Nicht-Betroffene.
GSMA-Politikchefin Jeanette Whyte erklärte, Betrüger nutzten gezielt die Lücken zwischen Telekommunikationsanbietern, Banken, Plattformen und Regierungen aus. Künstliche Intelligenz – etwa durch Voice Cloning und Deepfakes – verschärfe das Risiko zusätzlich.
Zur Bekämpfung wurde die ACAST-Taskforce mit 39 Mitgliedern aus 17 Ländern gegründet, an der unter anderem Meta, Google, TikTok und Amazon beteiligt sind. Eine Ausweitung auf weitere ASEAN-Staaten wie Malaysia, Thailand, Singapur, Indonesien und Kambodscha wird geprüft.
US-Marktplätze und amerikanische Verbraucher betroffen
In den USA zeigt der 2026 Consumer Fraud and Trust Report des Unternehmens BrandShield, basierend auf einer Befragung von 1.029 US-Erwachsenen, ein ähnliches Bild. 34,7 Prozent der Marketplace-Nutzer nannten TikTok Shop im Zusammenhang mit Betrug oder Fälschungen, gefolgt von eBay mit 28,4 Prozent, Craigslist mit 19,9 Prozent, Etsy mit 19,2 Prozent, Poshmark mit 17,0 Prozent, Mercari mit 12,9 Prozent und Depop mit 11,1 Prozent. 52,4 Prozent der Befragten waren in den vergangenen zwölf Monaten Ziel eines Betrugsversuchs, 27,5 Prozent davon verloren dabei tatsächlich Geld. 87,1 Prozent äußerten sich besorgt, dass Künstliche Intelligenz die Erkennung von Betrug erschwert.
Der Schutz persönlicher Konten wird immer wichtiger, da Kriminelle immer raffiniertere Methoden anwenden, um Passwörter auszuspähen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie die neue Passkey-Technologie nutzen, um sich bei Diensten wie WhatsApp oder Amazon sicher und ganz ohne klassisches Passwort anzumelden. Kostenlosen Report zur passwortlosen Anmeldung sichern
Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC bezifferte die gemeldeten Verluste durch Social-Media-Betrug in den USA im Jahr 2025 auf 2,1 Milliarden Dollar. Über 87 Prozent der Betroffenen verloren dabei tatsächlich Geld. Die Kontaktaufnahme erfolgte überwiegend über Meta-Plattformen: Facebook stand für 56,1 Prozent der Fälle, Instagram für 17,5 Prozent und TikTok für 11,3 Prozent.
Politischer Handlungsdruck wächst
Angesichts der Zahlen wächst der politische Druck auf Plattformbetreiber und Aufsichtsbehörden. Verbraucherschützer in Großbritannien, den USA und Südostasien fordern übereinstimmend strengere Regeln für Werbeinhalte, schnellere Reaktionszeiten der Plattformen bei Betrugsmeldungen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Banken, Telekommunikationsanbietern und sozialen Netzwerken. Angesichts der belegten psychischen Folgen für Betroffene gilt die reine finanzielle Betrachtung von Betrugsfällen zunehmend als unzureichend.

