Online-Betrug: 82,6% Phishing-Mails von KI, 57 Mrd. Euro Schaden

14 Prozent der Verbraucher wurden Opfer von Online-Betrug. KI-generierte Phishing-Angriffe dominieren und verursachen Milliardenschäden in Europa.

Eine aktuelle Analyse des Sicherheitsunternehmens Bitdefender zeigt: 14 Prozent der Verbraucher sind bereits auf Online-Betrug hereingefallen. Die Täter haben längst alle Kommunikationswege im Visier – von SMS über WhatsApp bis zu Social Media.

Angriff auf allen Fronten

Die Sicherheitsforscher untersuchten über ein Jahr hinweg Milliarden von URLs und Nachrichten. Das Ergebnis ist alarmierend: 5,2 Prozent aller analysierten SMS-Nachrichten erwiesen sich als verdächtig. Auch der Telefonkanal ist stark betroffen – rund jede sechste Anruf wurde als unerwünscht eingestuft. Konkret: Von 150 Millionen analysierten Anrufen waren 23 Millionen unerwünscht.

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Besonders auffällig: Jüngere Menschen sind deutlich häufiger betroffen als ältere. Während nur 9,7 Prozent der Über-55-Jährigen angaben, betrogen worden zu sein, liegt die Quote bei den Unter-35-Jährigen bei erschreckenden 20 Prozent. Die Folgen reichen von Identitätsdiebstahl über finanzielle Verluste bis hin zur Preisgabe sensibler Daten, wie Bitdefender-Experte Ciprian Istrate betont.

KI macht Betrug kaum noch erkennbar

Die größte Veränderung der letzten Jahre: Künstliche Intelligenz revolutioniert die Betrugsmascherei. Eine Studie von Malwarebytes und der Global Anti-Scam Alliance (GASA) zeigt: 85 Prozent der Verbraucher in den USA, Großbritannien und dem DACH-Raum können Betrug nicht mehr von legitimen Inhalten unterscheiden – ein Anstieg von 19 Prozent im Vergleich zu 2025.

Die Zahlen sind atemberaubend: KI-gesteuerte Phishing-Angriffe sind bis zu 192-mal schneller als manuelle Versuche. Was früher 16 Stunden dauerte, erledigt die Maschine in fünf Minuten. Kein Wunder also, dass 82,6 Prozent aller Phishing-E-Mails inzwischen von KI generiert werden – ein massiver Anstieg seit 2023.

Die wirtschaftlichen Schäden in Europa sind enorm. Eine GASA-Studie mit 22.000 Teilnehmern aus 15 EU-Ländern schätzt die Gesamtverluste auf 57 Milliarden Euro in den letzten zwölf Monaten. Die Schweiz verzeichnet mit rund 6.000 Euro pro Opfer die höchsten Durchschnittsverluste. Doch nur drei Prozent der Geschädigten erstatten überhaupt Anzeige.

Großereignisse als Einfallstor

Cyberkriminelle nutzen zunehmend globale Events für ihre Zwecke. Im Vorfeld der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 registrierten Sicherheitsexperten von FortiGuard Labs über 13.000 verdächtige Domains – 8,8 Prozent davon waren bösartig oder zumindest fragwürdig. Die Betrüger locken mit gefälschten Tickets oder Jobangeboten, um an Zugangsdaten zu gelangen.

Parallel dazu verbreiten sich Schadprogramme über soziale Plattformen wie TikTok und Instagram Reels. Die Sicherheitsfirma ReversingLabs warnt vor einer neuen Masche: Angreifer posten Tutorial-Videos, die angeblich kostenlose Premium-Versionen von Spotify oder Microsoft Word versprechen. Die Nutzer werden aufgefordert, PowerShell-Befehle auszuführen – die dann den sogenannten Vidar-Infostealer installieren. Das Schadprogramm stiehlt Passwörter, Bankdaten und Browser-Cookies und wird im Darknet als Service für 300 Euro angeboten.

Banken unter Druck

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Die Kreditwirtschaft steht vor enormen Herausforderungen. Eine Umfrage von BioCatch unter 1.440 Führungskräften weltweit ergab: 76 Prozent der Banken berichten von steigenden Verlusten durch Betrug. Besonders betroffen ist Indien, wo 84 Prozent der Institute zunehmende Schäden melden.

Die Sicherheitsbranche reagiert mit speziellen Schutzlösungen. KnowBe4 hat etwa eine Sicherheitslösung für Microsoft Teams auf den Markt gebracht, die vor Social-Engineering-Angriffen schützen soll – Täter geben sich dabei oft als IT-Support-Mitarbeiter aus. Kaspersky wiederum entdeckte eine neue Technik, bei der Angreifer KI-Entwicklungsplattformen wie Tencent EdgeOne Pages nutzen, um blitzschnell Phishing-Seiten für Firmenzugangsdaten zu erstellen.

Die Botschaft der Sicherheitsexperten ist eindeutig: Finanzbetrug bleibt die dominierende Bedrohung auf allen digitalen Plattformen. Die Lösung liegt in einer Kombination aus technischer Überwachung und wachsamer Verbrauchersensibilisierung.