In Potsdam beraten sie derzeit über eine nationale Strategie gegen die zunehmende Professionalisierung von Online-Betrug und telefonischer Erpressung. Die Gespräche wurden am Freitag fortgesetzt.
Jeder vierte Verbraucher schon betroffen
Laut einer Schufa-Umfrage aus dem Frühjahr 2025 ist bereits jeder vierte Verbraucher in Deutschland Opfer von Internetbetrug geworden. 61 Prozent der Betroffenen erlitten einen direkten finanziellen Schaden. Allein 2025 verzeichneten die Verbraucherzentralen rund 10.000 Beschwerden über sogenannte Fake-Shops. In Thüringen belief sich der gemeldete Schaden durch solche Plattformen zuletzt auf etwa 600.000 Euro.
Angesichts der Professionalisierung von Internetbetrug und Fake-Shops ist der Schutz privater Daten wichtiger denn je. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Android-Smartphone mit 5 einfachen Maßnahmen vor Hacker-Angriffen und Datenmissbrauch absichern. 5 sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen entdecken
„Reine Aufklärung reicht nicht mehr“, sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Die Betrugsmaschen seien deutlich professioneller geworden. Kriminelle nutzen vermehrt künstliche Intelligenz, um Phishing-Mails im Namen von Ministerien zu versenden oder falsche Mitarbeiter von Verbraucherschutzorganisationen am Telefon vorzutäuschen.
Um die Erstellung betrügerischer Webseiten zu erschweren, fordern die Minister eine stärkere Identitätsprüfung bei der Vergabe von Domains.
KI-generierte Werbung als Köder
Aktuelle Ermittlungen zeigen: Kriminelle setzen verstärkt auf technologische Hilfsmittel, um Vertrauen zu gewinnen. In Altenburg verlor Mitte Mai ein 80-jähriger Mann rund 42.000 Euro. Die Täter nutzten eine KI-generierte Werbeanzeige mit dem Gesicht eines bekannten Politikers, um das Opfer auf eine betrügerische Investmentplattform zu locken. Per Fernzugriff auf den Computer des Seniors erlangten sie Zugang zu dessen Online-Banking. Die Polizei konnte etwa 28.000 Euro der Summe sichern.
Ähnliche Vorfälle häuften sich in den vergangenen Wochen. Ein 68-Jähriger aus dem österreichischen Flachgau verlor zwischen Mitte Mai und Mitte Juni knapp 25.000 Euro durch eine vermeintlich KI-gestützte Krypto-Anlage. Im Landkreis Greiz wurde ein 75-Jähriger Opfer von Anlagebetrug via Instagram – Schaden: über 25.000 Euro.
6 Prozent der Betrugsopfer verlieren Summen von über 10.000 Euro, während ein Großteil der Schäden zwischen 100 und 1.000 Euro liegt, so die Verbraucherschützer.
Ob Online-Banking oder soziale Medien – Cyberkriminelle nutzen immer raffiniertere Methoden, um Nutzer auszuspionieren. Erfahren Sie in diesem Gratis-PDF-Ratgeber, wie Sie gängige Sicherheitslücken schließen und Ihre Anwendungen endlich sicher nutzen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber jetzt herunterladen
Schockanrufe und Erpressung aus dem Gefängnis
Neben digitalem Betrug beschäftigen klassische Delikte die Justiz. In Augsburg begann am Freitag ein Prozess gegen einen 22-jährigen Häftling. Er soll im Mai 2025 aus dem Gefängnis heraus die Freundin eines Mitgefangenen telefonisch bedroht haben, um 1.500 Euro zu erpressen. Eine DNA-Spur an einem in seiner Zelle sichergestellten Mobiltelefon führte zu seiner Identifizierung.
In München meldete die Polizei für den 17. Juni zwei erfolgreiche Schockanrufe in den Stadtteilen Laim und Sendling-Westpark. Unbekannte erbeuteten bei Senioren Bargeld und Wertgegenstände im mittleren fünfstelligen Bereich. Die Täter täuschten vor, eine nahe Angehörige sei schwer erkrankt.
Neue Betrugswellen im Umlauf
Polizeibehörden in Frankenthal und Sachsen-Anhalt warnen vor neuen Wellen von Betrugsversuchen. In Sachsen-Anhalt kursieren derzeit gefälschte E-Mails zum Rundfunkbeitrag, die Empfänger zu Zahlungen auf spanische Konten auffordern.
Die Behörden raten: Bei unangeforderten Zahlungsaufforderungen oder dringenden Notlagenberichten am Telefon das Gespräch sofort beenden und die offizielle Notrufnummer der Polizei wählen.

