Online-Betrug: Jeder zweite Fall kommt von echten Kunden

Vor dem Amazon Prime Day warnen Experten vor einer drastischen Zunahme von Betrugsfällen, bei denen Kunden zunehmend als Mittäter eingespannt werden.

Vor den großen Rabattaktionen nehmen Betrugsfälle drastisch zu. Besonders perfide: Kriminelle rekrutieren zunehmend ganz normale Kunden als Mittäter.

Jeder zweite Betrugsfall in Europa kommt von echten Kunden

Eine Analyse von LexisNexis Risk Solutions zeigt ein erschreckendes Bild. Das Unternehmen wertete 116 Milliarden Transaktionen aus dem Jahr 2025 aus. Ergebnis: Weltweit gingen 38,8 Prozent aller Betrugsfälle auf das Konto eigentlich legitimer Kunden. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

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In Europa liegt die Quote noch höher: Hier sind es knapp 52 Prozent. Experten sehen die Ursache in der schwachen Konjunktur und der organisierten Kriminalität. Banden werben gezielt Personen mit schlechter Bonität oder Studenten an. Das Angebot: 50 Euro für die Mitwirkung an einem Betrug.

Die Masche ist simpel: Die Kriminellen bestellen hochwertige Ware wie Smartphones auf Rechnung oder per Kredit. Dann verweigern sie die Zahlung oder behaupten, das Paket sei nie angekommen. Die Beweislast liegt meist beim Händler. Besonders betroffen sind Finanzdienstleister mit „Buy now, pay later“-Angeboten.

Amazon Prime Day: Phishing-Gefahr steigt massiv

Vom 23. bis 26. Juni 2026 findet der Amazon Prime Day statt – in Deutschland, Österreich und den USA. Der Versandriese warnt: Kriminelle nutzen solche Events für ihre Zwecke. Sie geben sich per E-Mail, SMS oder Telefon als Amazon-Mitarbeiter aus.

Die Zahlen sind alarmierend: 28 Prozent aller gemeldeten Betrugsfälle begannen 2025 mit einer täuschend echten Nachricht. Amazon geht aktiv dagegen vor. Im vergangenen Jahr ließ der Konzern über 70.000 Phishing-Websites und 14.000 betrügerische Telefonnummern abschalten.

Kunden sollten Transaktionen nur über die offizielle App oder Website prüfen. Verdächtige Vorfälle melden sie direkt an Amazon.

Gefälschte Grafikkarten und KI-Betrug auf TikTok

Neben gestohlenen Zahlungsdaten tauchen immer mehr Produktfälschungen auf. Hochwertige Grafikkarten werden mit Kunststoffteilen oder veralteten Chips präpariert und als Neuware verkauft. Auf TikTok verbreiten sich neue Maschen: KI-generierte Profile erzählen emotionale Geschichten, um Nutzer zum Kauf minderwertiger Ware zu bewegen.

Auch Reisedaten sind begehrt. Nach einem Datenleck bei Booking.com im Frühjahr 2026 häufen sich WhatsApp-Betrugsversuche. Kriminelle nutzen korrekte Buchungsdetails. Sie setzen Kunden unter Zeitdruck und locken sie auf gefälschte Webseiten zur Kreditkartenverifizierung.

Neues Widerrufsrecht: 79 Prozent der Verbraucher sind zufrieden

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Seit dem 19. Juni 2026 gilt in Deutschland eine neue Regelung für den Online-Handel. Anbieter müssen einen leicht zugänglichen Widerrufsbutton auf ihren Webseiten und in Apps führen. Das soll Kündigungen für Dienstleistungen, Streaming-Abos und Online-Käufe vereinfachen.

Eine YouGov-Umfrage zeigt: 79 Prozent der Verbraucher begrüßen die Maßnahme. Der Handel ist skeptisch. Branchenvertreter kritisieren, dass das Widerrufsrecht bereits massiv ausgenutzt werde. Das treibe die Kosten für Unternehmen weiter in die Höhe.

Experten raten Verbrauchern zur Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung. Und zur Skepsis, wenn Zahlungsaufforderungen über Messenger-Dienste kommen.