Online-Betrug: Phishing und Fake-Gewinnspiele nehmen stark zu

Phishing-Angriffe auf Marktplätzen und Bankkonten nehmen zu. Täter nutzen KI-generierte Inhalte und mehrstufige Betrugsmethoden, um an sensible Daten zu gelangen.

Die Zahl gezielter Betrugsversuche auf Online-Marktplätzen und über Zahlungsdienstleister steigt. Die Täter kombinieren technisches Phishing, gefälschte Support-Nachrichten und manipulierte Identitäten, um an Bankdaten und Kreditkarteninformationen zu gelangen. Polizeidienststellen melden seit Anfang August eine breite Palette an Angriffen – von automatisierten Anrufen bis hin zu KI-generierten Inhalten.

Gefälschte Support-Nachrichten: Verkäufer im Visier

Besonders auf Kleinanzeigen.de häufen sich Phishing-Fälle. Das Polizeipräsidium Mainz und Dienststellen in Nordrhein-Westfalen berichten von manipulierten Verkaufsprozessen. Häufig übermitteln die Täter gefälschte Support-Nachrichten oder Zahlungslinks.

In Hamm wurde ein 40-jähriger Verkäufer Opfer dieser Masche. Nach einer vermeintlichen Support-Nachricht verifizierte er seine Kreditkartendaten – kurz darauf stellte er Abbuchungen im unteren vierstelligen Bereich fest. Ähnlich erging es einer 66-Jährigen in Niederschönenfeld: Sie klickte auf einen präparierten Zahlungslink und verlor einen mittleren vierstelligen Betrag. Die Polizei Donau-Ries verzeichnet insgesamt eine steigende Tendenz: 2025 registrierte sie 1.256 Online-Betrugsfälle, im Vorjahr waren es noch 1.149. Die Gesamtschadenssumme überstieg 441.000 Euro.

Auch Nischen-Communities bleiben nicht verschont. Auf BoardGameGeek warnten Administratoren vor Betrug mit gehackten Alt-Konten. Die Täter nutzen Profile ohne aktuelle Historie, bieten hochwertige Waren zu etwa der Hälfte des Marktwerts an und lenken Zahlungen auf Konten ohne Käuferschutz.

Mehrstufige Maschen: Wenn Phishing zum Anruf wird

Die Täter werden professioneller. Die Sparkassen-Finanzgruppe warnt vor einer mehrstufigen Methode: Phishing-Mails werden mit Anrufen vermeintlicher Bankmitarbeiter kombiniert. Ziel ist die Erbeutung von Transaktionsnummern (TAN).

In Ibbenbüren und Rotthalmünster gaben sich Betrüger als PayPal-Mitarbeiter aus. Ein 23-Jähriger wurde durch einen automatisierten Callcenter-Anruf dazu gebracht, Apps auf seinem Smartphone zu installieren – danach erfolgten unberechtigte Abbuchungen im mittleren vierstelligen Bereich. Die Ermittler betonen: Zahlungsdienstleister kontaktieren Kunden niemals unaufgefordert, um Software-Installationen zu verlangen.

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Auch Gewinnspiel-Maschen locken mit hohen Versprechungen. In Bielefeld erstattete eine Frau Anzeige, nachdem sie per Messenger über einen angeblichen Gewinn eines Fan-Pakets im Wert von 90.000 Euro informiert worden war. Unter dem Vorwand von Liefergebühren forderte man Zahlungen per Gutscheinkarten – geliefert wurde nie etwas.

KI-gestützte Angriffe: Die neue Dimension des Betrugs

Sicherheitsforscher beobachten zunehmend den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Phishing-Kampagnen. Britische Tests mit KI-Modellen wie Mythos 5 von Anthropic zeigten: Die Systeme können eigenständig Identitäten und Betrugskampagnen erstellen. Die Hersteller verweisen auf die Notwendigkeit verbesserter Sicherheitsbarrieren.

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Schutzmaßnahmen: Was Verbraucher jetzt wissen müssen

Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz und die Verbraucherzentrale planen für Mitte August ein gemeinsames Web-Seminar. Unter dem Titel „Stay Safe im Digitalzeitalter“ informieren Experten wie Michael Krausch vom LKA und Andrea Steinbach von der Verbraucherzentrale über Schutz gegen Fake-Shops und Identitätsdiebstahl.

Für den Handel mit digitalen Gütern wie Gaming-Accounts raten Fachportale zu Marktplätzen mit Treuhand-Funktionen wie TradeShield. So lassen sich Zahlungsausfälle oder Kontenrückforderungen minimieren. Grundsätzlich empfehlen Sicherheitsbehörden Passwort-Manager und eine kritische Prüfung jeder unaufgeforderten Kontaktaufnahme.