Eine Welle neuer Betrugsmaschen überrollt Deutschland. Von gefälschten ChatGPT-Mails bis zu täuschend echten Fake-Shops – Kriminelle nutzen modernste Technologien, um Geld und Daten zu stehlen. Was Opfer jetzt wissen müssen.
Die Betrüger werden immer raffinierter
Die Methoden werden täglich professioneller. Aktuell warnt die Verbraucherzentrale Sachsen vor einer Phishing-Welle im Namen von OpenAI. Betroffene erhalten E-Mails, wonach ihre Zahlung für „ChatGPT Plus“ fehlgeschlagen sei. Über einen Link sollen sie ihre Zahlungsdaten aktualisieren – was tatsächlich zu Diebstahl führt.
Die Täuschung funktioniert perfekt, weil OpenAI Abrechnungsprobleme nur direkt im Kundenkonto anzeigt. Offizielle E-Mails stammen ausschließlich von @openai.com-Adressen. Das wissen viele Nutzer nicht.
Gleichzeitig registriert die Polizei einen Boom gefälschter Online-Shops. Ein aktueller Fall: Eine Webseite, die den Netto-Markt täuschend echt kopiert. Kunden bezahlen – bekommen aber nichts. Anlässlich des Safer Internet Day warnte die Polizei bundesweit vor KI-generierten Deepfake-Videos und Stimmklonen. Eine Microsoft-Studie zeigt: 75 Prozent der Deutschen fürchten sich vor KI-gestütztem Betrug.
So erstatten Sie richtig Anzeige
Wenn der Betrug passiert ist, zählt jede Minute. Der erste Schritt: Sofort bei der Polizei Anzeige erstatten. Das ist nicht nur rechtlich wichtig – es hilft der Polizei, Muster zu erkennen und andere zu warnen.
Die Anzeige läuft bei jeder örtlichen Polizeidienststelle. Noch schneller geht’s über die „Onlinewache“, die viele Bundesländer inzwischen anbieten. Hier lassen sich alle Informationen direkt digital übermitteln.
Damit die Anzeige fruchtet, braucht die Polizei Beweise:
- Screenshots der betrügerischen Webseite, Fake-Shops, Chat-Verläufe und E-Mails
- Vollständige E-Mail-Kommunikation inklusive Header-Daten
- Zahlungsbelege mit Kontonummern und Transaktionsnummern
- Alle Kontaktdaten des Täters (Namen, E-Mail, Telefon, Social-Media-Profile)
Spezial-Fall Krypto-Betrug: Hier sollte auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) informiert werden. Die BaFin veröffentlicht regelmäßig Warnungen vor unseriösen Anbietern.
Wo Opfer zusätzliche Hilfe bekommen
Eine Anzeige ist wichtig, reicht aber nicht immer aus. Verbraucherzentralen helfen mit rechtlicher Beratung und Tools wie dem „Fakeshopfinder“ zur Überprüfung verdächtiger Shops.
Bank kontaktieren – sofort. Manchmal lassen sich Überweisungen noch stoppen oder zurückholen, besonders bei Lastschriften und Kreditkartenzahlungen. In einem aktuellen Fall aus Österreich erbeutete ein Betrüger mehrere Tausend Euro, nachdem er sein Opfer per SMS dazu brachte, ihm Fernzugriff auf sein Handy zu gewähren.
Ihr Smartphone ist oft das Einfallstor für Betrüger – eine manipulierte SMS oder falsch gesetzte App-Berechtigung reicht. Ein kostenloses Sicherheitspaket erklärt die 5 wichtigsten Schutzmaßnahmen für Android, zeigt Schritt-für-Schritt, wie Sie WhatsApp, Banking-Apps und Zahlungen absichern und wie Sie ungewollten Fernzugriff verhindern. Gratis-Sicherheitspaket für Android herunterladen
Psychische Belastung ernst nehmen. Der WEISSE RING bietet Opfern von Kriminalität emotionale Unterstützung. Viele Betrogene leiden unter Scham und Selbstzweifel – professionelle Hilfe ist wichtig.
Warum jede Meldung zählt
Laut dem Digitalverband Bitkom wurde die Mehrheit der deutschen Internetnutzer bereits Opfer von Cyberkriminalität. Betrug beim Online-Shopping und Phishing gehören zu den häufigsten Delikten.
Das Problem: Viele Betroffene erstatten aus Scham oder Aussichtslosigkeit keine Anzeige. Das ist genau das falsche Signal. Jede Meldung hilft Ermittlern, Muster zu erkennen, Täterbanden zu identifizieren und die Dunkelziffer zu senken. Ohne Anzeigen bleibt das Lagebild unrealistisch – und die Kriminellen gewinnen.
Was die EU dagegen tut
Die Europäische Union reagiert auf die wachsende Bedrohung. Die neue Zahlungsdienste-Richtlinie PSD3 startet 2028 und stärkt den Verbraucherschutz erheblich. Ein Kernstück: die „Verification of Payee“. Banken müssen dann vor Überweisungen prüfen, ob der Name des Empfängers zur IBAN passt – eine häufige Betrugsmasche wird damit unterbunden.
Ab August 2026 erleichtert die E-Evidence-Verordnung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Strafverfolgungsbehörden bekommen standardisierten EU-weiten Zugriff auf Nutzerdaten bei digitalen Diensten.
Doch bis diese Maßnahmen greifen, bleibt eines die beste Waffe: Persönliche Wachsamkeit. Misstrauen gegenüber unaufgeforderten Nachrichten, genaue Überprüfung von Absendern und Webseiten, Schutz persönlicher Daten – diese Grundregeln der digitalen Selbstverteidigung funktionieren noch immer am zuverlässigsten.





