Online-Marktplätze: 591 Betrugsfälle mit manipulierten Versandetiketten

Auf Schweizer Online-Marktplätzen nutzen Betrüger manipulierte Versandetiketten, um Käufer zu täuschen. Die Fallzahlen steigen deutlich.

Auf den führenden Schweizer Online-Marktplätzen Ricardo und Tutti zeichnet sich eine neue Form des Internetbetrugs ab. Marktbeobachter warnen aktuell vor einer Masche, bei der Käufer den Verkäufern vorgedruckte Versandetiketten aufdrängen, um die Kontrolle über den Logistikprozess zu übernehmen. Das Fachmagazin Beobachter wies kürzlich auf die Risiken dieser Vorgehensweise hin, die private Anbieter zunehmend in die Defensive drängt.

Manipulierte Versandunterlagen und psychischer Druck

Die Masche folgt einem spezifischen Muster, das Experten als besonders perfide einstufen. Ein prominentes Beispiel für diesen Modus Operandi ist der Fall des 75-jährigen Hans-Peter Korn. Der Rentner aus der Schweiz bot ein Tablet auf dem Portal Ricardo.ch zum Verkauf an. Nach dem Abschluss des Geschäfts drängte die vermeintliche Käuferin auf einen sofortigen Versand und übermittelte dem Verkäufer ungefragt ein bereits ausgefülltes Versandetikett.

Bei genauerer Prüfung solcher Dokumente zeigen sich oft Unregelmäßigkeiten, die für Laien schwer zu erkennen sind. Im Fall des Schweizers fehlte sein eigener Name als Absender auf dem Etikett. Branchenbeobachter berichten zudem von Fällen, in denen Betrüger manipulierte Barcodes oder falsche Absenderangaben verwenden. Diese Manipulationen dienen offenbar dazu, den Sendungsverlauf zu verschleiern oder die Zustellung an den tatsächlichen Käufer später abzustreiten.

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Zusätzlich zum technischen Betrug setzen die Täter auf psychische Einschüchterung. Falls Verkäufer zögern oder die bereitgestellten Etiketten hinterfragen, reagieren die Gegenseiten oft aggressiv. Im geschilderten Fall habe die Käuferin umgehend mit rechtlichen Schritten durch einen Anwalt sowie dem Einschalten der Polizei gedroht, um den Verkäufer zur schnellen Aufgabe des Pakets zu bewegen.

Deutlicher Anstieg der Meldungen bei Behörden

Die Dimension des Problems spiegelt sich auch in den aktuellen Zahlen der Sicherheitsbehörden wider. Das Schweizer Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) verzeichnete im Zeitraum zwischen dem 1. Januar und dem 12. Juli 2026 insgesamt 1.727 Meldungen zu verschiedenen Vorfällen. Ein erheblicher Teil davon steht in direktem Zusammenhang mit dem E-Commerce: Allein 591 Meldungen bezogen sich auf Vorfälle bei Online-Verkäufen.

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Die betroffenen Plattformen reagieren auf die Entwicklung. Ricardo meldete ebenfalls einen ähnlichen Vorfall und sensibilisiert Nutzer für die Gefahren durch externe Versandinstruktionen. Experten raten privaten Verkäufern grundsätzlich dazu, den Versandprozess selbst zu steuern und ausschließlich eigene Etiketten zu verwenden, bei denen die Absenderadresse korrekt hinterlegt ist.

Sicherheitsanalysten betonen, dass der Verzicht auf die eigene Kontrolle beim Versand das Risiko birgt, den Versicherungsschutz der Post oder des Plattformbetreibers zu verlieren. Wenn der Verkäufer nicht zweifelsfrei als Absender dokumentiert ist, wird der Nachweis einer ordnungsgemäßen Übergabe der Ware im Streitfall erheblich erschwert. Die aktuellen Warnungen unterstreichen die Notwendigkeit für Nutzer von Portalen wie Tutti und Ricardo, bei ungewöhnlichen Forderungen seitens der Käufer – insbesondere bei der Bereitstellung eigener Versanddokumente – äußerst wachsam zu sein.