ONLYOFFICE 9.4 und Euro-Office: Europas Antwort auf Microsoft

ONLYOFFICE 9.4 und Euro-Office drängen auf den Markt, während GMX einen datenschutzkonformen KI-Assistenten startet.

Europäische Anbieter forcieren den Ausbau datenschutzfreundlicher Bürosoftware – und setzen damit Microsoft und Google zunehmend unter Druck.

Der Markt für digitale Produktivität durchläuft einen grundlegenden Wandel. Während US-Konzerne ihre Office-Suiten immer tiefer mit generativer KI verzahnen, positionieren sich europäische Alternativen als Hüter der digitalen Souveränität. Das Ziel: Datenverarbeitung auf europäischen Servern statt in US-amerikanischen Clouds.

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ONLYOFFICE 9.4: Keine Grenzen mehr für Teams

Am 19. Mai 2026 veröffentlichte ONLYOFFICE die Version 9.4 seiner kollaborativen Bürosoftware. Der wichtigste Schritt: Die bisherige Beschränkung auf 20 gleichzeitige Verbindungen in der Community Edition fällt weg. Größere Teams können die Open-Source-Lösung nun ohne sofortige Enterprise-Lizenz nutzen.

Die Architektur wurde unter der aktualisierten AGPLv3-Lizenz auf einen einzigen Prozess vereinfacht. Abhängigkeiten von externen Datenbanken und Messaging-Systemen wie RabbitMQ gehören der Vergangenheit an.

Auch die Funktionen wachsen: Tabellenkalkulationen erhalten einen Dark Mode, Präsentationen profitieren von 25 neuen Designs und 20 Übergängen. Dokumentenersteller freuen sich über horizontale Trennlinien und einen eigenen Reiter für Diagrammdesign. Digitale Formulare lassen sich nun gezielt Empfängern zuweisen – inklusive verbesserter Statusverfolgung.

Euro-Office: Die Cloud aus deutscher Hand

Parallel dazu gewinnt Euro-Office an Fahrt – eine Cloud-Suite unter Führung von Ionos und Nextcloud. Seit Sommer 2025 allgemein verfügbar, basiert sie auf einem Fork von ONLYOFFICE und läuft ausschließlich in Ionos-Rechenzentren in Europa. Alle Dokumentenverarbeitungen unterliegen damit der DSGVO.

Doch der Weg zur vollständigen Microsoft-365-Alternative ist steinig. Eine Studie der Stadt Zürich und der Berner Fachhochschule untersuchte die OpenDesk-Plattform des Zentrums für digitale Souveränität (ZenDiS). Das Ergebnis: Open-Source-Lösungen erfüllen viele Kernaufgaben, ersetzen Microsoft 365 aber noch nicht vollständig. Defizite gibt es bei externer Telefonie, nativen Apps und Low-Code-Automatisierung. Dennoch setzen Bundesländer wie Schleswig-Holstein verstärkt auf Open-Source-Infrastruktur.

GMX startet KI-Assistenten – datenschutzkonform

Am 21. Mai 2026 launchte der deutsche E-Mail-Anbieter GMX eine Beta seines generativen KI-Assistenten. Der entscheidende Unterschied zu Google oder Microsoft: Alle KI-Interaktionen laufen auf deutschen Servern mit Open-Source-Modellen. E-Mails zusammenfassen, Antworten entwerfen oder Texte übersetzen – ohne dass Daten die heimische Jurisdiktion verlassen oder zum Training externer Modelle genutzt werden.

GMX verzeichnet einen deutlichen Zulauf von Nutzern, die sich Sorgen um US-Datenzugriffsrechte machen. Das Unternehmen vergleicht den trend mit der Post-Snowden-Welle 2013. Während Google Gemini bereits seit Anfang 2026 in Gmail integriert hat, setzt GMX auf aktive Nutzerzustimmung und lokale Datenhoheit.

LibreOffice und Thunderbird: Wartung für die Basis

Neben den großen Neuerungen erhalten die grundlegenden Werkzeuge wichtige Updates. Am 22. Mai 2026 erschien LibreOffice 6.2.4 mit zahlreichen Fehlerbehebungen. Für Unternehmen empfiehlt sich weiterhin die Langzeitunterstützungsversion 6.1.6.

Der E-Mail-Client Thunderbird erreichte am 20. Mai Version 151.0. Der Fokus lag auf modernisierter Authentifizierung durch verbessertes OAuth und der Schließung von 29 Sicherheitslücken – vier davon mit hohem Risiko. Besonders relevant: Nutzer von Exchange Web Services können nun OAuth-Anbieterdetails überschreiben – eine technische Notwendigkeit in hybriden Umgebungen mit Microsoft-Servern und privaten Clients.

Microsofts Gegenkurs: KI um jeden Preis?

Während Europa auf Datenschutz setzt, treibt Microsoft die KI-Integration voran. Am 21. Mai 2026 kündigte der Konzern die ChatGPT-Integration in PowerPoint an. Nutzer können Folien per Sprachbefehl generieren und bearbeiten. Auch Excel erhält einen „Agent Mode“, der angeblich bis zu 30 Prozent Zeit bei komplexen Aufgaben spart.

Doch die schnelle Integration hat ihren Preis. Ein schwerwiegender Bug in Outlook Version 2604 verhindert die Anzeige von Bildern und Signaturen – stattdessen erscheint ein rotes Kreuz. Zudem entdeckten Sicherheitsforscher die Zero-Day-Lücke „YellowKey“ (CVE-2026-45585), die BitLocker-Verschlüsselung umgehen soll.

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Ausblick: Preiserhöhungen treiben den Wechsel

Ab dem 1. Juli 2026 erhöht Microsoft die Preise für seine 365-Business-Abonnements. Business Basic steigt um 16 Prozent auf 7 Euro pro Nutzer, Business Standard um 12 Prozent auf 14 Euro. Gleichzeitig läuft am 30. Juni 2026 die Funktion Teams Live Events aus.

Diese Kostensteigerungen könnten Organisationen zum Umdenken bewegen. Web.de will noch in diesem Jahr einen eigenen KI-Assistenten nach dem GMX-Vorbild starten. Und während ONLYOFFICE technische Hürden wie Verbindungslimits abbaut, verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von der reinen Feature-Liste hin zu einer Frage: Was ist wichtiger – maximale Automatisierung oder nachweislicher Datenschutz?

Die Entwicklung regionaler Infrastruktur durch Initiativen wie Gaia-X deutet darauf hin: Der Trend zur digitalen Souveränität ist keine vorübergehende Mode, sondern eine strategische Neuausrichtung des europäischen Technologiesektors.