OnlyOffice Docs 9.4: Endlich keine Nutzer-Beschränkung mehr

OnlyOffice hebt in Version 9.4 das 20-Nutzer-Limit der Community Edition auf und stellt auf ein effizienteres Ein-Prozess-Modell um.

Die lettische Softwareschmiede OnlyOffice hat Version 9.4 ihrer Bürosuite veröffentlicht – und räumt mit einer der größten Hürden für kleinere Teams auf.

Seit dem 19. Mai ist das Update verfügbar. Im Kern geht es um zwei Dinge: Die komplette Abschaffung des 20-Simultanverbindungs-Limits in der Community Edition und eine grundlegende Überarbeitung der Software-Architektur. Bisher durften in der kostenlosen Version maximal 20 Nutzer gleichzeitig an Dokumenten arbeiten – eine künstliche Grenze, die vor allem kleine Unternehmen und Selbstständige ausbremste. Diese Beschränkung ist nun Geschichte.

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Schlanker, schneller, unabhängiger

Die Entwickler haben die Suite auf ein Ein-Prozess-Modell umgestellt. Das klingt technisch, hat aber handfeste Vorteile: OnlyOffice kommt künftig ohne zusätzliche Dienste wie RabbitMQ oder separate Datenbanksysteme aus. Die Installation wird einfacher, der Ressourcenverbrauch sinkt – ein Segen für alle, die die Software auf eigener Infrastruktur betreiben.

Gleichzeitig hat das Unternehmen seine Lizenz- und Markenpolitik präzisiert. OnlyOffice bleibt unter der AGPLv3-Lizenz verfügbar, führt aber eine separate Markenrichtlinie ein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Im Hintergrund brodelt es in der Open-Source-Welt. Ein Zusammenschluss von neun europäischen Unternehmen – darunter IONOS, Nextcloud und Proton – hat mit „Euro-Office“ einen eigenen Ableger von OnlyOffice angekündigt. Die Partnerschaft mit Nextcloud ist daraufhin beendet worden. Die Free Software Foundation stellt jedoch klar: Die AGPLv3 erlaubt solche Abspaltungen.

Neue Werkzeuge fürs Büro

Neben den strukturellen Änderungen liefert Version 9.4 eine Reihe neuer Funktionen. Der Texteditor bekommt einen „Dark-Document“-Modus, der die Augen bei langen Arbeitssessions schonen soll. Horizontale Linien und ein verbessertes Formular-Management mit gezielter Zuweisung an Empfänger runden das Paket ab.

Das Präsentationsmodul wurde deutlich aufgewertet: 25 neue Folien-Designs und 20 zusätzliche Übergänge stehen zur Auswahl. Ein neuer „Chart Design“-Reiter erleichtert die Arbeit mit Diagrammen – keine lästige Suche in Untermenüs mehr.

Für Unternehmen, die OnlyOffice in bestehende Systeme einbinden, gibt es erweiterte WOPI-Einstellungen (Web Application Open Platform Interface). Das macht die Integration in Content-Management-Systeme und File-Sharing-Plattformen deutlich einfacher. Die Kompatibilität mit den Microsoft-Formaten DOCX, XLSX und PPTX bleibt selbstverständlich erhalten.

Der Markt gibt die Richtung vor

Die Veröffentlichung fällt in eine Zeit, in der die Konkurrenz mächtig aufrüstet. Microsoft hat Anfang Mai umfangreiche KI-Funktionen für sein 365-Ökosystem angekündigt – inklusive KI-Agenten in Excel, die angeblich bis zu 30 Prozent Zeitersparnis bringen sollen. Der Haken: Die Preise für Microsoft 365 Business Basic steigen zum 1. Juli um 16 Prozent.

Auch Sicherheitslücken bei den US-Riesen treiben Nutzer in die Arme der Open-Source-Alternative. Mitte Mai wurde eine kritische Schwachstelle in Microsoft Outlook (CVE-2026-45803) entdeckt, die einen außerplanmäßigen Patch erforderte. Eine weitere Lücke in Exchange OWA (CVE-2026-42897) wird aktiv ausgenutzt – besonders betroffen sind Industrieunternehmen.

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Google wiederum setzt auf KI-native Tools: „Docs Live“ für sprachgesteuerte Texterstellung und „Gemini Spark“ als Assistenten für die Workspace-Umgebung wurden auf der I/O-Konferenz Ende Mai vorgestellt.

Der europäische Weg

OnlyOffice setzt bewusst auf andere Stärken: Architektur-Effizienz und Datenhoheit. Das kommt bei europäischen Institutionen gut an. Der Start von Euro-Office ist für den Sommer 2026 geplant – ein Projekt, das europäischen Verwaltungen eine echte Alternative zu amerikanischen Bürosuiten bieten soll. Das französische Bildungsministerium hat bereits 330.000 Mitarbeiter auf Nextcloud migriert, das langfristige Ziel liegt bei 1,2 Millionen Nutzern.

Der Kampf um die Büro-Software der Zukunft wird nicht mehr allein über Funktionen entschieden. Lizenzmodelle und der Standort der Datenverarbeitung werden zum entscheidenden Faktor. OnlyOffice positioniert sich mit Version 9.4 als schlanke, leistungsfähige Basis – auch für die europäischen Ableger, die auf dieser Technologie aufbauen.

Ausblick

Die zweite Jahreshälfte 2026 verspricht Spannung: Microsofts Preiserhöhung im Juli, der Start von Euro-Office im Sommer – und dazwischen eine wachsende Zahl von IT-Entscheidern, die nach nachhaltigen, transparenten Lösungen suchen. OnlyOffice setzt auf Performance und einfache Bereitstellung statt auf KI-Glamour. Ein strategisch kluger Zug in einem Markt, der zunehmend zwischen Innovation und Souveränität abwägen muss.