Die digitale Arbeitswelt erlebt im Sommer 2026 einen grundlegenden Wandel: Künstliche Intelligenz zieht in Dokumentenmanagementsysteme ein, europäische Alternativen zu US-Cloud-Diensten gewinnen an Fahrt. Für Unternehmen in Deutschland und der EU bedeutet das mehr Kontrolle über ihre Daten – aber auch eine wachsende Komplexität bei der Auswahl der richtigen Plattform.
KI-Funktionen erobern Dokumentenplattformen
ONLYOFFICE hat Mitte Juni mit Version 3.7 seiner DocSpace-Plattform einen Meilenstein gesetzt. Die Neuerung: Nutzer können Dokumente direkt aus Chat-Oberflächen heraus generieren lassen. Unterstützt werden dabei verschiedene KI-Anbieter wie DeepSeek, Google AI und xAI.
Besonders interessant für Unternehmen mit viel Formulararbeit: Die neuen „Form Filling Rooms“ ermöglichen das Erstellen und Ausfüllen von PDF-Formularen mit speziellen Ausfüllmodi. Wer strukturierte Daten verwaltet, kann Informationen aus diesen Formularen nun direkt in externe Datenbanken exportieren. Ein Gewinn für alle, die regelmäßig mit standardisierten Erfassungsprozessen arbeiten.
Für Sicherheitsverantwortliche dürfte eine andere Neuerung relevanter sein: Administratoren können externe Links nun komplett unterbinden oder die Link-Berechtigungen auf bestimmte Nutzer begrenzen. Dazu gesellen sich ein neuer Chart-Design-Tab und ein Dark Mode für Tabellenkalkulationen.
Sicherheits-Offensive bei eigenen Cloud-Servern
Im Bereich der privaten Cloud-Infrastrukturen hat sich Ende Juli Entscheidendes getan. ownCloud veröffentlichte am 30. Juli die Version 11.0.0 seines Servers – und setzt damit neue Maßstäbe bei der Sicherheit. PHP 8.3 ist nun Pflicht, elf Sicherheitslücken wurden geschlossen, 19 allgemeine Fehler behoben.
Der bemerkenswerteste Schritt: Die Einführung von G2-Code-Signierung auf Basis des ECDSA-P384/SHA-384-Standards. Das bisherige G1-Verfahren wird am 1. Januar 2027 auslaufen. Wer noch auf älteren Versionen arbeitet, findet klare Migrationspfade – selbst von Version 8.2.11 oder 9.0.9 aus.
Allerdings: Einige ältere Kommandozeilen-Funktionen wurden entfernt, darunter Befehle zur Datenbanktyp-Konvertierung und bestimmte Integritäts-Signierfunktionen. Ein Schritt, der langfristig für mehr Sicherheit sorgt, kurzfristig aber Umstellungen erfordert.
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Minimalismus oder Komplexität: Die Wege trennen sich
Interessant ist die zunehmende Polarisierung bei den alternativen Tools: Auf der einen Seite stehen extrem schlanke Anwendungen, auf der anderen hochkomplexe KI-Systeme.
Bento verkörpert den Minimalismus-Trend: Die gesamte Suite passt in eine einzige HTML-Datei von 571 Kilobyte – kein Server nötig, keine RAM-Zuweisung. Dafür bietet sie AES-GCM-Verschlüsselung für Live-Kollaboration über einen optionalen Relay. Aktuell liegt der Fokus auf der Präsentationsbearbeitung, Daten-Vaulting und Dashboard-Verwaltung sollen folgen. Der Haken: Office Open XML (OOXML) wird nicht unterstützt.
Ganz anders NocoBase: Das Open-Source-Projekt mit über 23.000 GitHub-Sternen hat am 1. August Version 3.0.0-alpha.5 veröffentlicht. Backup- und Wiederherstellungsfunktionen für KI-Portale sowie verbesserte Bereitstellung über Kommandozeilen stehen im Mittelpunkt.
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Europäische Alternativen gewinnen an Boden
Die Bemühungen um europäische Alternativen zu den US-dominierten Office-Suiten haben sich konkretisiert. EuroOffice positioniert sich als souveräne Cloud-Alternative – unterstützt von einem Konsortium europäischer Technologieunternehmen wie IONOS, Nextcloud und OpenProject. Das Versprechen: europäische Governance und Datensouveränität.
Der öffentliche Sektor zieht nach: Frankreichs Regierung setzt Berichten zufolge verstärkt auf Linux und Visio, um die Kontrolle über die digitale Infrastruktur zu behalten. Ein Signal, das auch in deutschen Behörden und Unternehmen für Diskussionen sorgen dürfte.
Plattformen werden zu Arbeits-Hubs
Auch die großen Produktivitätsplattformen entwickeln sich weiter. Perplexity hat kürzlich den Wechsel von „Spaces“ zu „Projects“ vollzogen. Diese Hubs für laufende Arbeit verfügen über persistenten Speicher und ein gemeinsames Dateisystem – und lassen sich mit über 400 externen Tools verbinden, darunter Snowflake, GitHub und verschiedene Cloud-Speicher.
Der Trend ist eindeutig: Die Zukunft gehört tief integrierten, plattformübergreifenden Arbeitsumgebungen. Für Unternehmen stellt sich dabei nicht mehr die Frage ob, sondern welche Plattform die eigenen Anforderungen an Sicherheit, Souveränität und Integration am besten erfüllt.

