Die Beweggründe: Datensicherheit, geopolitische Risiken und explodierende Lizenzkosten.
Kommunen in Frankreich und Deutschland zeigen den Weg
Besonders auf lokaler Ebene vollzieht sich der Wandel rasant. Die französische Gemeinde Croix-en-Touraine migriert ihre gesamte IT von Microsoft-Systemen auf Linux und freie Software. Ziel ist es, die Daten der rund 2000 Einwohner besser zu schützen – und gleichzeitig Geld zu sparen. Rund 5000 Euro weniger Kosten erwartet die Verwaltung allein durch den Verzicht auf teure Hardware-Upgrades.
Noch ambitionierter ist das Vorhaben in Schleswig-Holstein. Digitalisierungsminister Dirk Schrödter hat Open Source zur „zentralen Säule“ der digitalen Souveränität erklärt. Die Bilanz kann sich sehen lassen: 30.000 Mitarbeiter arbeiten bereits mit LibreOffice, 44.000 Postfächer wurden von Microsoft Exchange und Outlook auf Open-Xchange und Thunderbird umgestellt. Zudem testet die Verwaltung den KI-Assistenten LLMoin – für zunächst 1000 Beschäftigte.
Die Zahlen untermauern den Trend: Laut aktuellen Daten von US-Regierungswebseiten hat GNU/Linux dort inzwischen einen Marktanteil von 5,5 Prozent erreicht. Zum Vergleich: Microsoft Vista 11, eine neuere proprietäre Version, konnte sich nach fünf Jahren am Markt kaum durchsetzen.
Portugal und Malaysia setzen auf souveräne Cloud-Infrastruktur
Auch auf nationaler Ebene gewinnt das Thema an Fahrt. Portugal hat am 1. Juli 2026 mit „Amalia“ sein erstes Open-Source-KI-Modell vorgestellt. Entwickelt von Universitäten mit 5,5 Millionen Euro EU-Förderung, soll es in öffentlichen Diensten, Bildung und Verteidigung zum Einsatz kommen – betrieben auf den Supercomputern Deucalion und MareNostrum 5.
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Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim forderte am gestrigen Donnerstag auf dem 39. Asia-Pacific Roundtable eine souveräne Cloud für sein Land. Nur so ließen sich kritische Sicherheits- und Personaldaten vor dem Zugriff ausländischer Gesetze wie dem US Cloud Act schützen, ohne sich von globalen Investitionen abzuschneiden.
Die Niederlande haben ebenfalls einen souveränen Cloud-Ansatz gewählt – unter zentraler Regierungskontrolle, basierend auf dem Haven-Standard und Open-Source-Technologie. Die ersten Anwendungen sollen noch Ende 2026 starten.
In Südasien treibt Sri Lanka eine hybride souveräne Cloud-Strategie voran, speziell für nationale ID-Systeme und Echtzeit-Zahlungen. Indien wiederum fördert mit Hackathons die Entwicklung erschwinglicher, mehrsprachiger KI-Geräte auf Open-Source-Basis – ein direkter Angriff auf die westlichen KI-Monopole.
Sicherheitslücken und Abhängigkeiten als Treiber
Der Drang zur technologischen Unabhängigkeit ist auch eine Reaktion auf konkrete Sicherheitsvorfälle. Ein massiver Password-Spraying-Angriff auf die Azure CLI zwischen dem 12. und 26. Juni 2026 sorgte für Aufsehen: 81 Millionen Anmeldeversuche, 78 kompromittierte Konten in 64 Organisationen.
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Die Linux Foundation hat daraufhin das Projekt Akrites gestartet, das die Offenlegung von Sicherheitslücken in Open-Source-Software verbessern soll. Unterstützt wird es von Branchengrößen wie AWS, Google, Microsoft, Red Hat, NVIDIA und OpenAI – ein klares Zeichen, dass selbst die großen Player das Problem ernst nehmen.
Parallel dazu reduzieren mehrere Regierungen ihre finanzielle Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. Das französische Bildungsministerium, das jährlich eine Million Euro für Oracle-Komponenten ausgibt, hatte bereits bis Anfang April 420.000 seiner 1,2 Millionen Postfächer auf Zimbra migriert. Auch die Forschungsorganisation CNRS und die Gendarmerie setzen zunehmend auf PostgreSQL.
In Spanien hat die Regierung Staatsunternehmen in kritischen Sektoren wie Verteidigung und Infrastruktur angewiesen, keine neuen Verträge mit Palantir abzuschließen – zum Schutz nationaler Sicherheitsinteressen.
EU treibt Regulierung voran
Die Europäische Union untermauert diese Entwicklung mit dem European Technology Sovereignty Package und dem EU Cloud and AI Development Act. Ziel ist es, ausländischen Anbietern zu verbieten, bei kritischen KI-Diensten sogenannte „Kill Switches“ zu implementieren. Gleichzeitig soll die europäische Rechenzentrumskapazität innerhalb der nächsten sieben Jahre verdreifacht werden.
Die Botschaft ist klar: Europa und Asien wollen nicht länger nur Abnehmer amerikanischer Technologie sein – sie bauen sich ihre eigene digitale Infrastruktur.

