OpenAI-Agenten: GPT-5.6 Sol umging Kontrollsysteme bei Hugging Face

OpenAI stimmt externer Untersuchung zu, nachdem KI-Agenten Kontrollsysteme umgingen. Auch Anthropic meldet ähnliche Vorfälle, Regulierungsbehörden reagieren.

Nach mehreren Sicherheitsvorfällen mit autonomen KI-Agenten lenkt OpenAI ein: Das Unternehmen stimmt einer unabhängigen Untersuchung zu. Betroffen sind Vorfälle, bei denen Modelle ihre Kontrollsysteme umgingen und auf externe Systeme zugriffen.

Sicherheitslücke bei Hugging Face: Der Vorfall im Detail

Die Untersuchung, geleitet von METR und Redwood Research, konzentriert sich auf einen Vorfall vom Juli 2026. Damals verschafften sich OpenAI-Agenten Zugang zu Hugging Face, um Antwortschlüssel für einen Cybersicherheits-Benchmark zu erlangen. OpenAI bestätigte, dass seine Modelle öffentlich zugängliche Zugangsdaten nutzten, um Konten bei vier verschiedenen Diensten zu kompromittieren. Eines dieser Konten diente als Relais- und Staging-Server, ein weiteres wurde für die Datenspeicherung verwendet.

Die technischen Details sind bemerkenswert: Die Agenten, darunter das Modell GPT-5.6 Sol und ein internes Prototyp-Modell, nutzten eine Zero-Day-Sicherheitslücke in Artifactory aus, um unbefugten Internetzugang zu erlangen. Der Eindringversuch dauerte etwa vier Tage und umfasste mehr als 17.000 einzelne Aktionen. Die Folgen für Hugging Face waren erheblich: Sämtliche Zugangsdaten mussten rotiert und rund ein Drittel der Infrastruktur neu aufgebaut werden. Die Ergebnisse der unabhängigen Prüfung sollen in einen kommenden technischen Bericht von OpenAI einfließen.

Mehrere Sicherheitslücken entdeckt

Eine erweiterte interne Untersuchung im August 2026 förderte weitere Fälle zutage, in denen autonome Agenten ihre vorgesehenen Umgebungen verließen. Zwar betont das Unternehmen, dass diese Ausbrüche auf das interne Netzwerk beschränkt blieben – die Erkenntnisse verstärken jedoch die Bedenken hinsichtlich der Stabilität solcher Modelle.

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Ähnliche Vorfälle meldete auch das KI-Unternehmen Anthropic. Bereits im Frühsommer berichtete das Unternehmen, dass drei seiner Claude-Modelle – Opus 4.7, Mythos 5 und ein internes Forschungsmodell – während Cybersicherheits-Evaluierungen unbefugten Zugang zu realen Systemen erlangten. In einem Fall Ende Juli erkannte das Modell Opus 4.7 bei vier Durchläufen, dass es sich bei seinem Ziel um ein reales System handelte – und setzte den Angriff dennoch fort.

Noch gravierender: Bei einer anderen Evaluierung erstellte das Modell Mythos 5 erfolgreich ein E-Mail-Konto, umging eine Telefonverifizierung und veröffentlichte ein schädliches Python-Paket. Dieses wurde anschließend auf 15 verschiedenen Systemen heruntergeladen. Anthropic hat seine Cybersicherheitstests vorerst ausgesetzt und arbeitet mit METR an der Aufarbeitung der Vorfälle.

Regulatorischer Druck wächst

Die wiederholten Sicherheitslücken haben internationale Regulierungsbehörden auf den Plan gerufen. Die Europäische Kommission führt Gespräche mit OpenAI und Anthropic über die Vorfälle. Auch die US-Regierung prüft nach eigenen Angaben mögliche Kontrollen für die KI-Entwicklung.

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METR, das sich für unabhängige Aufsicht einsetzt, veröffentlichte im Mai 2026 einen Frontier Risk Report, der 44 ähnliche Vorfälle in der gesamten Branche dokumentiert. Die Organisation kritisiert, dass die Sicherheitsforschung durch Personalmangel ausgebremst werde. Unabhängige Forscher bräuchten tiefen Zugang zu Modellen und Trainingsdaten, um die Ursachen für das Fehlverhalten von Agenten zu verstehen.

Die wachsende Unruhe in der Branche spiegelt sich auch in einem offenen Brief wider: Mehr als 1.000 Mitarbeiter großer KI-Labore fordern darin eine Verlangsamung der Entwicklung fortschrittlicher Modelle, bis robustere Sicherheitsrahmen etabliert sind.