Trotz rasantem Nutzerwachstum und einem geplanten Börsengang in diesem Jahr kämpft die Firma mit massiven Verlusten und technischen Problemen.
Finanzielle Schieflage trotz Milliardenbewertung
Bereits Anfang Juni reichte OpenAI vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Der Börsengang soll im vierten Quartal 2026 entweder an der Nasdaq oder der New Yorker Börse erfolgen. Dem vorausgegangen war eine Finanzierungsrunde im April, die das Unternehmen mit rund 852 Milliarden Euro bewertete.
Die Zahlen für 2026 zeigen jedoch eine dramatische Kluft zwischen Einnahmen und Ausgaben. Während OpenAI einen Umsatz von 30 Milliarden Euro anpeilt, erwartet das Unternehmen gleichzeitig einen Verlust von rund 14 Milliarden Euro. Allein im ersten Quartal 2026 verbrannte OpenAI 3,7 Milliarden Euro – mehr als die Hälfte seiner Quartalseinnahmen. Einen positiven Cashflow erwartet das Management frühestens im Jahr 2030.
Um die Einnahmen zu diversifizieren, präsentierte OpenAI im Juni auf dem Cannes Lions Festival eine neue Werbestrategie. Unter der Leitung des ehemaligen Meta-Managers Dave Dugan prognostiziert das Unternehmen Werbeeinnahmen von 2,4 Milliarden Euro für 2026. Grundlage: Rund 20 Prozent aller Anfragen auf der Plattform haben kommerzielles Interesse.
Technische Pannen und neue Modelle
Die technische Stabilität bereitet Sorgen. Am 28. Juni 2026 musste das Codex-Team von OpenAI einen „Krisenstab“ einberufen. Grund war ein unerwartet schneller Verbrauch der Nutzungslimits – möglicherweise ausgelöst durch fehlerhafte Betrugserkennungssysteme. Das Unternehmen setzte daraufhin die Nutzerkontingente für den Programmierassistenten zurück. Codex hatte Anfang Juni bereits über 5 Millionen wöchentliche Nutzer erreicht, und fast 98 Prozent der OpenAI-Mitarbeiter nutzen das Tool intern.
Nur zwei Tage zuvor, am 26. Juni, startete OpenAI eine limitierte Vorschau seiner neuen GPT-5.6-Modellstrategie. Die umfasst drei Stufen:
- Sol: Das Flaggschiff-Modell für anspruchsvolle Reasoning-Aufgaben
- Terra: Bietet Leistung der Vorgängergeneration zu geringeren Kosten
- Luna: Optimiert auf Geschwindigkeit und Erschwinglichkeit
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Das Sol-Modell wird zunächst über Partner wie Cerebras verfügbar gemacht. OpenAI beansprucht Spitzenwerte bei Benchmarks für Genomik und Cybersicherheit.
Wettbewerb: ChatGPT führt, aber Konkurrenz holt auf
ChatGPT bleibt das Maß der Dinge in der Verbraucherwelt. Daten von Anfang des Jahres zeigen: 44 Prozent der US-Amerikaner nutzen ChatGPT, verglichen mit 24 Prozent für Google Gemini. Die Plattform verzeichnet zwischen 900 und 905 Millionen wöchentliche Nutzer.
Doch im Unternehmensgeschäft wird die Luft dünner. Während OpenAI mit seinen API- und Verbraucherabonnements hohe Umsätze erzielt, hat Konkurrent Anthropic Berichten zufolge einen annualisierten Umsatz zwischen 40 und 50 Milliarden Euro erreicht – getrieben durch Firmenkunden. Im ersten Quartal 2026 hielt Anthropic 31,4 Prozent der Umsätze mit großen Sprachmodellen, OpenAI kam auf 29 Prozent. Noch deutlicher wird der Unterschied beim Umsatz pro Nutzer: Anthropic erzielt 33,30 Euro, OpenAI nur 2,20 Euro.
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Partnerschaften und juristische Fronten
OpenAI baut seine Unternehmenskooperationen weiter aus. Zuletzt weitete das Unternehmen seine Partnerschaft mit HP aus. Der Computerhersteller integriert OpenAI-Technologie in seine internen Abläufe, Softwareentwicklung und Kundenbetreuung.
Das Wachstum wird jedoch zunehmend von rechtlichen Auseinandersetzungen begleitet. Eine kürzlich in New York eingereichte Klage von 35 Verlagen, die rund 400 Lokalzeitungen vertreten, wirft OpenAI und Microsoft das unerlaubte Auslesen von Bezahlinhalten vor. Es ist der 26. Rechtsstreit dieser Art gegen OpenAI. Parallel dazu zeigen Umfragen breite Unterstützung für strengere KI-Regulierung: Eine Mehrheit der amerikanischen Wähler beider großer Parteien fordert Sicherheitstests und verbindliche „Kill-Schalter“ für fortschrittliche KI-Systeme.

