Das KI-Unternehmen OpenAI hat die Vergütungen in seinem Bug-Bounty-Programm drastisch angehoben. Bei Schwachstellen in den Einstufungen Medium, High und Critical steigen die Mittelwerte der ausgezahlten Prämien im Schnitt um mehr als das Vierfache. Mit der Neuausrichtung reagiert das Unternehmen auf gestiegene Anforderungen an die IT-Sicherheit seiner Systeme.
Kritische Sicherheitslücken in den Kernangeboten ChatGPT, Codex sowie der API-Plattform werden ab dem 2. November 2026 mit einer Basisprämie von bis zu 30.000 US-Dollar honoriert.
Über die Plattform Bugcrowd gliedern sich die Basisauszahlungen für ChatGPT nun in 10.000 bis 30.000 US-Dollar für P1-Funde, 3.000 bis 7.000 US-Dollar für P2 sowie 1.500 bis 3.000 US-Dollar für P3. Für außergewöhnliche kritische Entdeckungen liegt die Basissumme bei bis zu 100.000 US-Dollar. Werden sämtliche Spitzen-Multiplikatoren kombiniert, sind Auszahlungen von bis zu 172.000 US-Dollar möglich.
Multiplikatoren und Treuestufen ergänzen das System
Die tatsächliche Auszahlungshöhe wird künftig durch mehrere Stellschrauben beeinflusst. Für einen belastbaren technischen Machbarkeitsnachweis greift ein Qualitäts-Multiplikator von bis zu 1,15x, während schwache Berichte zu einem Abschlag von bis zu 0,85x führen können.
Zudem führt OpenAI ein fünfstufiges Treueprogramm ein: Bronze (3 Punkte, plus 5 Prozent), Silver (10 Punkte, plus 7,5 Prozent), Gold (20 Punkte, plus 10 Prozent) und die Stufe 31337 (30 Punkte, plus 15 Prozent).
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Für gemeldete Schwachstellen vergibt das Programm zehn Punkte (P1), vier Punkte (P2) oder einen Punkt (P3), während ein Fehlalarm mit einem Minuspunkt sanktioniert wird. Ergänzend können zeitlich begrenzte Kampagnen für neue Features Boni von bis zu 1,30x freischalten.
Anhand konkreter Rechenmodelle verdeutlicht OpenAI die Auswirkungen der Anpassung: Eine Entdeckung mittlerer Schwere bei ChatGPT steigt von 750 auf 2.415 US-Dollar inklusive Qualitätsbonus und Bronze-Status. Eine P1-Übernahme eines Kontos ohne Nutzerinteraktion klettert von 6.500 auf 51.577 US-Dollar, sofern Qualitätsbonus, Sonderkampagne und die höchste Treuestufe greifen.
Eine außergewöhnliche Kompromittierung von Sicherheitsgrenzen kann von der 100.000-Dollar-Basis auf 171.925 US-Dollar steigen. Bereits eingereichte, noch nicht abgerechnete Meldungen erhalten die neuen Sätze. Zudem wird für Prämien, die in den 30 Tagen vor der Neuerung ausgezahlt wurden, die Differenz aus Basis und Treuebonus nachgezahlt.
Reine Fragen der Modellsicherheit wie Jailbreaks oder Halluzinationen bleiben weiterhin aus diesem Programm ausgeschlossen und verbleiben in einem separaten Sicherheitsbereich auf Bugcrowd.
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Das Hauptprogramm war im April 2023 mit Spannen von 200 bis 20.000 US-Dollar gestartet; im März 2025 wurde die Spitze für Ausnahmefunde auf 100.000 US-Dollar gesetzt. Über die vergangenen drei Monate lag die durchschnittliche Auszahlung auf Bugcrowd bei 484,39 US-Dollar.
Verstärkte Zusammenarbeit mit externen Spezialisten
Flankierend zur Prämienerhöhung kündigte OpenAI einen internen Sicherheits-Sprint mit der Partnerfirma Cathedral an, die von vier früheren Regierungsmitarbeitern gegründet wurde. Deren Sicherheitsforscher sollen künftig gemeinsam mit internen Kräften auf Basis von OpenAIs Modellen nach Lücken suchen.
Cathedral-CEO Gavin Kliger erklärte, das KI-Unternehmen setze mit solchen Kooperationen ein wichtiges Branchenbeispiel, während OpenAI betonte, dass traditionelle Methoden der Cyber-Abwehr allein nicht mehr genügen.
Im vorangegangenen internen Sicherheitslauf setzte OpenAI 25 Prozent der Produkt-Ingenieure – über 250 Personen in mehr als 100 Servicebereichen – zusammen mit Codex ein. Dabei wurden 53 dringende oder hochpriorisierte Probleme am ersten Tag geschlossen. 19,5 Prozent der Funde ließen sich zur Laufzeit reproduzieren, die Fehlalarm-Rate lag bei 0,81 Prozent und der Anteil von Duplikaten bei 37 Prozent.
Nachprüfungen ergaben jedoch auch, dass einzelne zusammengeführte Patches nicht auf allen ausgelieferten Systemen angekommen waren. Weitere Einblicke plant das OpenAI-Sicherheitsteam bei einem Auftritt auf der Sicherheitskonferenz PROMPT2PWN am 20. und 21. November 2026 in Oakland.

