OpenAI peilt trotz massiver Bedenken von Investoren den größten Börsengang aller Zeiten für Ende 2026 an. Hintergrund ist ein erbitterter Wettlauf mit dem Konkurrenten Anthropic um die Gunst des Aktienmarktes.
Die Vorbereitungen für den historischen Schritt laufen auf Hochtouren. Bereits Anfang März bestätigte das Unternehmen die Beauftragung der Top-Anwaltskanzleien Cooley sowie Wachtell, Lipton, Rosen & Katz. Dies ist ein klares Signal, dass die vorbereitenden Gespräche mit den Börsenaufsichtsbehörden bereits begonnen haben. Laut einem Bericht des Wall Street Journal vom 8. März treibt vor allem der Konkurrenzdruck das Tempo. Die OpenAI-Führung fürchtet, dass der Rivale Anthropic noch in diesem Jahr an die Börse gehen und so die Erstzugriffsvorteile abschöpfen könnte.
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Investoren zeigen sich angesichts der Bewertung zurückhaltend
Doch während das Unternehmen vorprescht, reagieren institutionelle Anleger verhalten. Erste Soundings führender Investmentbanken in dieser Woche offenbarten tiefe Skepsis. Der größte Stolperstein ist die schiere Höhe der Bewertung. OpenAI schließt derzeit eine Finanzierungsrunde zu einer Bewertung von 840 bis 850 Milliarden US-Dollar ab. Gemessen am prognostizierten Umsatz für 2026 entspräche dies einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von etwa 28.
Zum Vergleich: Der KI-Hardware-Champion Nvidia notiert bei einem KUV von rund 12. Diese massive Prämie beunruhigt die potenziellen Aktionäre. Hinzu kommt die lange Durststrecke bis zur Profitabilität. Unternehmensprognosen zufolge wird OpenAI mindestens bis 2030 Verluste schreiben. Diese anhaltend hohen Ausgaben werfen die Frage auf, ob nach dem Börsengang weitere Kapitalerhöhungen nötig werden – was die Anteile der Erstinvestoren verwässern würde.
Rekord-Finanzierung von 110 Milliarden Dollar als Fundament
Der Gang an die Börse baut auf einer beispiellosen Kapitalspritze auf. Ende Februar 2026 bestätigte OpenAI den Abschluss einer 110-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde. Angeführt wurde sie von Amazon mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar, gefolgt von Nvidia und SoftBank mit je 30 Milliarden.
Das Kapital ist strategisch gebunden. Die Vereinbarungen sichern OpenAI unter anderem exklusiven Zugang zu 2 Gigawatt Rechenleistung auf Nvidias kommenden Vera-Rubin-Systemen sowie erweiterte Cloud-Kapazitäten über Amazon Web Services. Diese Infrastruktur soll das massive Wachstum stemmen: Das Unternehmen meldete zuletzt 900 Millionen wöchentliche Nutzer und 9 Millionen zahlende Geschäftskunden. Der annualisierte Umsatzlauf liegt inzwischen über 25 Milliarden Dollar.
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Wettlauf mit Anthropic wird zum Lackmustest für die ganze Branche
Der geplante Börsengang wird zum Stresstest für die gesamte generative KI-Branche. Bisher wurde das explosive Wachstum durch risikobereites Privatkapital finanziert. Die Börse verlangt nun nachweisbar profitable Geschäftsmodelle, die dem Quartalsdruck standhalten.
Das Duell zwischen OpenAI und Anthropic verdeutlicht diesen Wandel. Während OpenAI bei Umsatz und Nutzerreichweite führt, punktet Anthropic bei institutionellen Anlegern mit effizienteren Kostenstrukturen und einem potenziell schnelleren Weg zur Profitabilität. OpenAI setzt dagegen auf pure Größe. Die Unternehmensprognosen gehen davon aus, dass die Entwicklung einer Künstlichen Allgemeinen Intelligenz (AGI) bis 2030 bis zu 600 Milliarden Dollar an Rechenausgaben erfordern wird. Nur der immense Liquiditätspool der globalen Aktienmärkte kann diese Summe aufbringen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob OpenAI die Investoren von seiner langfristigen Roadmap überzeugen kann. Sollte der Widerstand gegen die 850-Milliarden-Dollar-Bewertung anhalten, müsste das Unternehmen seine Preisvorstellungen möglicherweise korrigieren – ein Schock für seine prominenten Privatinvestoren.





