OpenAI revidiert seine Ausgabenprognose bis 2030 drastisch nach unten – und startet gleichzeitig eine Großoffensive in Indien. Der KI-Pionier steuert auf eine strategische Wende zu.
Das Unternehmen teilte Investoren mit, dass es nun ein Gesamtbudget von etwa 600 Milliarden Euro für Infrastrukturausgaben bis 2030 anpeilt. Das ist ein massiver Rückgang gegenüber der zuletzt diskutierten Summe von 1,4 Billionen Euro. Diese finanzielle Neujustierung erfolgt nur Tage nach der Bekanntgabe einer riesigen Partnerschaft mit dem indischen Tata-Konzern. Sie markiert eine der größten internationalen Verpflichtungen des Unternehmens.
Die Doppel-Entwicklung zeigt ein KI-Unternehmen, das seine spekulativsten Langfristambitionen zügelt, während es gleichzeitig strategische Milliardenwetten in Schlüsselmärkten platziert. Die Branche reift und ringt mit den immensen Kapitalanforderungen für die nächste KI-Generation.
Vom „Wachstum um jeden Preis“ zur nachhaltigen Strategie
Die Korrektur des Ausgabenziels auf 600 Milliarden Euro ist eine der bedeutendsten Infrastruktur-Prognoseanpassungen der Tech-Geschichte. Sie folgt wachsenden Bedenken von Investoren, ob der erwartete Umsatz die früher genannten Ausgaben rechtfertigen könnte.
Der neue Plan ist enger mit den aktualisierten Umsatzprojektionen verknüpft. Diese erwarten für 2030 einen Umsatz von über 280 Milliarden Euro, der fast gleichmäßig auf Consumer- und Enterprise-Dienste verteilt sein soll. Diese Rekalibrierung deutet auf einen Strategiewechsel hin: weg von der „Wachstum-um-jeden-Preis“-Mentalität, hin zu einem nachhaltigeren Finanzkurs. Dieser ist Grundlage für einen potenziellen Börsengang (IPO).
Bereits 2025 zeigte OpenAI finanzielle Disziplin: Der Umsatz lag mit 13,1 Milliarden Euro über dem 10-Milliarden-Ziel, während die Ausgaben mit 8 Milliarden Euro unter der Prognose blieben. Diese Bilanz prägte wohl die konservativere Langfristperspektive.
Indien-Offensive: Tata-Partnerschaft als Herzstück
Während die Gesamtprognose sinkt, expandiert OpenAI physisch massiv. Am 19. Februar startete das Unternehmen auf dem India AI Impact Summit 2026 seine „OpenAI for India“-Initiative. Herzstück ist die Partnerschaft mit dem Tata-Konzern.
OpenAI wird erster Anchor Client für das neue Rechenzentrumgeschäft „HyperVault“ von Tata Consultancy Services (TCS). Die erste Vereinbarung umfasst 100 Megawatt Kapazität – mit ehrgeizigen Plänen, langfristig auf bis zu 1 Gigawatt zu skalieren. Diese Hyperscale-Kapazität soll KI-Workloads der nächsten Generation antreiben und OpenAIs fortschrittlichste Modelle sicher in Indien betreiben. So werden Datenresidenz- und Compliance-Anforderungen für Unternehmens- und Regierungskunden erfüllt.
Die Zusammenarbeit beinhaltet auch den strategischen Einsatz von ChatGPT Enterprise bei der riesigen Tata-Belegschaft. Beginnend mit hunderttausenden TCS-Mitarbeitern. Zur Unterstützung plant OpenAI noch in diesem Jahr neue Büros in Mumbai und Bengaluru zu eröffnen.
Neue Allianzen und eine 30-Milliarden-Euro-Spritze von Nvidia
OpenAIs Infrastrukturstrategie entwickelt sich auch durch neue Partnerschaften weiter. Das ambitionierte „Stargate“-Projekt, ein Plan für ein riesiges KI-Rechenzentrumsnetzwerk, stieß laut Berichten bei Partner SoftBank auf Reibung. Kontroll- und Projektmanagementfragen veranlassen OpenAI, andere Wege für Rechenkapazität zu suchen.
Ein Wendepunkt in der Finanzierungsstrategie ist eine gemeldete 30-Milliarden-Euro-Beteiligung vom Chiphersteller Nvidia, die sich dem Abschluss nähert. Dies markiert einen bedeutenden Wandel von einem Hardware-Liefervertrag hin zu direkter Beteiligung. Es unterstreicht die vertiefende Abhängigkeit zwischen führenden KI-Entwicklern und Hardware-Anbietern.
Diese Investition ist Teil einer größeren Finanzierungsrunde, die über 100 Milliarden Euro umfassen könnte. Weitere strategische Investoren wie SoftBank und Amazon könnten sich beteiligen. Die Bewertung OpenAIs läge dann bei über 830 Milliarden Euro.
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Blaupause für die globale KI-Zukunft
Die gleichzeitige Zurücknahme der Langfristausgaben und die aggressive Indien-Investition markieren eine neue Phase im KI-Wettlauf. Die Branche bewegt sich weg von spekulativen astronomischen Zahlen hin zu konkreten, strategisch fundierten Infrastrukturprojekten. Diese sind an klare Marktchancen und Umsatzziele gekoppelt.
Der Fokus auf souveräne KI-Fähigkeiten in Indien unterstreicht einen globalen Trend: Datenresidenz und lokale Infrastruktur werden für Unternehmen und Regierungen immer entscheidender.
Die Priorität OpenAIs liegt nun auf dem Aufbau der Indien-Infrastruktur bei gleichzeitiger Kontrolle der globalen Rechenkosten. Die Tata-Partnerschaft könnte zur Blaupause für Expansionen in anderen internationalen Schlüsselmärkten werden. Während das Unternehmen weiter Kapital beschafft und einen Börsengang vorbereitet, steht sein Balanceakt aus milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen und einem klaren Profitabilitätspfad unter scharfer Beobachtung. Das korrigierte 600-Milliarden-Ziel bleibt eine monumentale Summe – es zeigt aber auch ein pragmatisches Bekenntnis zu den finanziellen Realitäten einer nachhaltigen KI-Zukunft.





