OpenAI in der EU: Agentische KI erzeugt 55 Prozent der Unternehmenstokens

In EU-Unternehmenskonten entfielen 55 Prozent des ChatGPT-Outputs auf agentische Werkzeuge; zugleich bleibt Europas Anteil an globalen Spitzenanwendern gering.

•

Agentische Systeme übernehmen in europäischen Betrieben zunehmend die Führungsrolle bei der Nutzung künstlicher Intelligenz. Wie OpenAI Economic Research in dem am 14.10.2026 veröffentlichten Bericht „Europe’s Agentic Opportunity“ darlegt, entfielen zum Stichtag am 30.09.2026 insgesamt 55% der erzeugten Output-Tokens in ChatGPT-Enterprise- und ChatGPT-Business-Konten innerhalb der 27 EU-Staaten auf agentische Werkzeuge.

Innerhalb dieses Segments entfielen 34% auf das Programmierwerkzeug Codex und 21% auf ChatGPT Work. Das herkömmliche Standard-ChatGPT machte hingegen 45% des Volumens aus. Die zugrunde liegende Kennzahl erfasst die reine Menge des generierten Textes und stellt weder Nutzeranteile noch Aufgabenvolumina oder Wertschöpfungsanteile dar. Absolute Nutzerzahlen pro Land weist der Bericht nicht aus.

Hohe Zuwachsraten bei kleinen und mittleren Betrieben

Insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen verzeichnet der Einsatz agentischer Systeme eine deutliche Beschleunigung. Bei EU-KMU mit maximal 200 Nutzern vervielfachte sich die Zahl der wöchentlich aktiven Anwender von Codex und ChatGPT Work zwischen der ersten Mai-Woche und der Woche bis zum 05.10.2026 um das 8,1-Fache. Jedes einzelne EU-Land wies in diesem Zeitraum mindestens eine Verfünffachung auf.

An der Spitze der Zuwächse bei den KMU lag Belgien mit einem Anstieg um das 12,1-Fache, gefolgt von Italien mit dem 10,8-Fachen und Luxemburg mit dem 10,0-Fachen. OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar erklärte vor diesem Hintergrund, Europa befinde sich in einer neuen Ära der künstlichen Intelligenz. Laut den Daten generieren die aktivsten Nutzer über 300% mehr Output pro Kopf als der Durchschnitt.

Anzeige

Wer sich mit der Einführung agentischer KI-Systeme befasst, muss die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen der EU genau kennen. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen des AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

Großes Gefälle zwischen den EU-Mitgliedstaaten

Bei der Verteilung des agentischen Outputs zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern. Litauen verzeichnete mit einem Anteil von 85% an den OpenAI-Enterprise-Aktivitäten im September 2026 den höchsten Wert in der Union.

Dahinter folgen Zypern mit 81%, Ungarn mit 79% und Italien mit 65% auf Rang zehn. Deutschland belegt mit einem Anteil von 51% Platz 17 unter den 27 EU-Staaten. Am unteren Ende rangieren Spanien mit 30%, Österreich mit 26% und Slowenien mit 22%.

In Litauen verzeichnete der Anteil der Unternehmen mit KI-Einsatz im vergangenen Jahr mit einer Steigerung um das 2,5-Fache das schnellste Wachstum in der EU. Der litauische Wirtschaftsminister Edvinas Grikšas kündigte an, diese Spitzenposition in messbare Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu überführen. Das Land baut dazu das Kompetenzzentrum LitAI auf.

Anzeige

Während die KI-Integration in europäischen Unternehmen voranschreitet, stellt sich oft die Frage nach der Einstufung der genutzten Systeme. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche Anwendungen als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act jetzt herunterladen

Eine Analyse des litauischen Ministeriums stellt bei Erreichen des OECD-Spitzenniveaus bei digitalen Geschäften ein BIP-Wachstum von bis zu 17% über einen Zeitraum von zehn Jahren in Aussicht. Der Ökonom Titas Budreika verwies darauf, dass der Wert von 85% die fortgeschrittene Integration von KI in die Arbeitsabläufe belege.

Rückstand im globalen Spitzenbereich

Trotz der Zuwächse offenbart der Bericht eine Kluft im internationalen Vergleich. Die sogenannten Frontier-Firmen in der EU, definiert als die oberen 10% nach Output-Tokens pro aktivem Nutzer, erzeugen rund viermal so viele Tokens wie typische europäische Betriebe.

Außerhalb der EU liegende Frontier-Unternehmen generieren jedoch mehr als doppelt so viele Tokens pro Kopf wie ihre Pendants in der EU. Weltweit stellen Unternehmen aus der Europäischen Union lediglich rund 10% dieser global führenden Anwendergruppe, während Nordamerika auf einen Anteil von rund 65% kommt.

Ergänzende Daten der Europäischen Kommission aus einer Befragung von 12.826 Unternehmen zwischen dem 20.03. und 13.04.2026 zeigen, dass 42% der befragten Betriebe KI oder algorithmisches Management einsetzen, davon 12% umfassend und 30% experimentell.

Als wesentliche Hürden nannten die befragten Unternehmen Investitionskosten mit 50%, Rechtsunsicherheit mit 49% und fehlende Expertise mit 48%. Bei KI-gestützten Entscheidungen verbleibt laut der Erhebung in 90% der Fälle die Kontrolle beim Menschen, während nur 2% vollautomatisch ablaufen.