OpenAI will sein KI-Video-Tool Sora direkt in den Haupt-ChatGPT-Dienst einbauen – und erreicht damit fast eine Milliarde Nutzer. Die Strategieänderung folgt auf schwache Nutzung der separaten Sora-App.
Das berichtete das Fachmedium The Information am 11. März. Demnach plant das Unternehmen, seine fortsrittliche Videogenerierungstechnologie nahtlos in die Chat-Oberfläche zu integrieren. Nutzer könnten dann über einfache Textanfragen Videos erstellen, ohne zwischen Apps wechseln zu müssen. Der Schritt markiert eine entscheidende Expansion für ChatGPT hin zu einem echten multimodalen KI-Assistenten.
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Strategiewechsel nach Flop der Einzel-App
Ursprünglich hatte OpenAI Sora im September 2025 als eigenständige Mobile-App lanciert. Das Interface ähnelte TikTok, Nutzer konnten mit Textprompts kurze KI-Videos generieren, remixen und teilen – teils auch basierend auf urheberrechtlich geschütztem Material.
Doch die anfängliche Begeisterung verflog schnell. Analysen des Unternehmens Appfigures zeigten für Januar 2026 einen monatlichen Einbruch der Installationen um 45 Prozent. Bis zum ersten Quartal 2026 war die App aus den Top-100-Rankings des US-Apple-App-Stores verschwunden.
Der Grund liegt auf der Hand: Während ChatGPT hunderte Anwendungsfälle bietet, dient eine reine Video-App einem engen Zweck. Nutzer verbrachten deutlich weniger Zeit in Sora, exportierten ihre Kreationen oft direkt zu etablierten Netzwerken wie Instagram. Trotzdem will OpenAI die Standalone-App laut Berichten parallel weiterbetreiben.
ChatGPT wird zum Alleskönner
Die Integration ist ein logischer Schritt in der Evolution von ChatGPT. Sie folgt dem Muster der bereits vollzogenen DALL-E-Einbindung für Bilder. Der große Vorteil: die gewaltige existierende Nutzerbasis.
Aktuelle Daten zeigen rund 920 Millionen wöchentliche aktive Nutzer weltweit, dazu etwa 50 Millionen bezahlende Abonnenten. Für diese Masse an Lehrkräften, Marketern und Content-Schaffenden werden professionelle Videotools schlagartig zugänglich – direkt in ihrem gewohnten Arbeitsfluss.
ChatGPT mutiert so zum universellen Kreativ-Studio. Nutzer können eine Idee brainstormen, ein Skript generieren, Bilder erstellen und ein finales Video produzieren – alles in einer einzigen Umgebung. Ein klarer Wettbewerbsvorteil im Rennen um den ultimativen KI-Assistenten.
Hohe Kosten und neue Preismodelle
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Doch der Masseneinsatz von KI-Videogenerierung ist teuer. Die Technologie benötigt erheblich mehr Rechenleistung als Text- oder Bildverarbeitung. Die offizielle API-Preisliste für das zugrundeliegende Sora-2-Modell gibt einen Eindruck: 720p-Video kostet etwa 0,10 Euro pro Sekunde, Premium-Versionen können bis zu 0,70 Euro pro Sekunde erreichen.
Diese Kostenstruktur wird Auswirkungen auf ChatGPTs Abo-Modelle haben. Während Premium-Nutzer derzeit unbegrenzte Bild- und Text-Generierung erhalten, dürfte die Videofunktion strikte Limits bekommen. Erste Berichte deuten auf maximale Videolängen von zehn Sekunden und Auflösungsbeschränkungen für Abonnenten hin – ähnlich den Limits für frühe Tester.
Wettlauf um die multimodale Vorherrschaft
OpenAIs Konsolidierung spiegelt einen Branchentrend wider. Große Tech-Konzerne setzen zunehmend auf vereinheitlichte Plattformen statt auf fragmentierte App-Landschaften.
Alphabet hat seine Veo-3-Videotechnologie bereits direkt in Gemini integriert. Meta entwickelte mit Vibes ein eigenes Text-zu-Video-Modell, das zunächst als Konkurrenz zu Sora antrat – aber ähnliche Nutzungsprobleme zeigt.
Das Rennen um die multimodale KI ist in vollem Gang. Nach den Durchbrüchen bei Text und Bildern gilt die Beherrschung komplexer Multimedia-Produktion als nächste kritische Frontier. Die Integration in tägliche Workflows soll den praktischen Nutzen beweisen und die milliardenschweren Entwicklungskosten rechtfertigen.
Ausblick: Beta-Phase zuerst für Firmenkunden
Ein offizielles globales Startdatum für die Sora-Integration hat OpenAI noch nicht genannt. Die Tech-Community erwartet eine schrittweise Einführung, beginnend mit einer limitierten Beta-Phase für gewerbliche und Enterprise-Abonnenten.
Eines ist klar: Die Grenzen zwischen Text, Audio und Video verschwimmen. Plattformen wie ChatGPT entwickeln sich weit über ihre Ursprünge als Chatbots hinaus. Gelingt die Sora-Integration, könnte sie einen neuen Industriestandard für KI-Assistenten setzen – und die Art, wie digitale Medien konzipiert und produziert werden, grundlegend verändern.





