OpenAI unterstützt mit einem Millionenbetrag externe Forscher im Kampf für sichere Künstliche Intelligenz. Die Förderung fließt in einen globalen Fonds unter britischer Führung.
Der KI-Pionier OpenAI stellt 7,5 Millionen Euro für unabhängige Sicherheitsforschung bereit. Das Geld geht an „The Alignment Project“, einen globalen Fonds des UK AI Security Institute (UK AISI). Die am Donnerstag bekanntgegebene Summe soll Wissenschaftler weltweit unterstützen, die an der Absicherung immer mächtigerer KI-Systeme arbeiten. Es ist ein strategischer Schwenk: Statt alles intern zu lösen, setzt das Unternehmen nun auf dezentrale Expertise.
Ein Ökosystem für KI-Sicherheit schaffen
Die Förderung wird vom unabhängigen Vermittler Renaissance Philanthropy verwaltet. Sie erhöht das Gesamtvolumen des Alignment Project auf über 32 Millionen Euro. Der Fonds vergibt Zuschüsse zwischen 60.000 und 1,2 Millionen Euro an einzelne Projekte. Ausgewählte Forscher erhalten optional auch Zugang zu Rechenleistung und Expertenberatung.
OpenAI betont, dass die Sicherheit einer potenziellen Künstlichen Allgemeinen Intelligenz (AGI) zu komplex für ein einzelnes Unternehmen sei. Man brauche einen diversen, unabhängigen Forschungsverbund. Externe Wissenschaftler könnten „konzeptionelle Ansätze“ entwickeln, die in den großen Tech-Laboren oft übersehen werden – dort stehe häufig die Skalierung im Vordergrund.
Interdisziplinärer Ansatz als Schlüssel
Das Besondere an der Initiative ist ihre thematische Breite. Statt sich nur auf maschinelles Lernen zu konzentrieren, sucht der Fonds gezielt nach Expertise aus anderen Feldern:
- Komplexitätstheorie: Um die theoretischen Grenzen von KI-Systemen zu verstehen.
- Spieltheorie und Ökonomie: Um das Verhalten von KI-Agenten in komplexen Umgebungen zu analysieren.
- Kognitionswissenschaft: Um künstliche und menschliche Denkprozesse vergleichbar zu machen.
- Kryptographie: Um das Verhalten von KI mathematisch überprüfbar und Modelle gegen Manipulationen zu sichern.
Dieser Ansatz zielt auf Robustheit. Sicherheitsmechanismen sollen nicht nur empirisch funktionieren, sondern mathematisch fundiert sein. OpenAI betont, dass die Vergabeentscheidungen allein beim UK AISI liegen – die Forschung bleibt unabhängig von Unternehmensinteressen.
Das Paradox der Frontier Labs
Die Ankündigung beleuchtet ein Dilemma der Branche. Frontier Labs wie OpenAI, Google DeepMind oder Anthropic verfügen über einzigartige Infrastruktur für bestimmte Sicherheitsforschung. Doch diese Konzentration kann zu einem Einheitsbrei der Ideen führen, bei dem sich Lösungen nur auf die eigenen Modelle beziehen.
OpenAI räumt dies ein. Zwar seien eigene Labore für rechenintensive Forschung unverzichtbar. Das Feld profitiere aber enorm von „nachhaltigen Investitionen in unabhängige, explorative Forschung“. Ein externes Ökosystem könne Ideen hervorbringen, die in Konzernlaboren aufgrund von Kommerzdruck oder Gruppendenken untergehen.
Die Förderung passt zur Philosophie der „iterativen Bereitstellung“. Dabei werden KI-Systeme schrittweise veröffentlicht, um Sicherheitsprobleme in der Praxis zu finden und zu beheben. Eine starke externe Forschungsgemeinschaft soll diesen Feedback-Kreis verbessern.
Großbritannien als globaler Sicherheits-Hub
Die Finanzspritze unterstreicht die wachsende Rolle Großbritanniens in der KI-Sicherheitsgovernance. Das UK AISI treibt die internationale Zusammenarbeit voran. Berichten zufolge unterstützt auch Microsoft die Initiative. Dieses öffentlich-private Partnerschaftsmodell könnte zum Blaupause für die Bewältigung des „Kontrollproblems“ werden – der technischen Herausforderung, supers intelligente Systeme zu überwachen.
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Die Verwaltung der Gelder durch eine unabhängige Stiftung sorgt für Neutralität. So kann OpenAI das Ökosystem unterstützen, ohne die Forschung direkt zu steuern. Die akademische Integrität bleibt gewahrt.
Marathon statt Sprint
Die Branche entwickelt rasant autonome Agenten und Reasoning-Modelle. Der Bedarf an neuen Sicherheitstechniken wächst schneller als das Angebot. Die 7,5 Millionen Euro sollen 2026 eine neue Welle akademischer Forschung anschieben.
Die Ergebnisse könnten entscheidend sein. Entwickeln unabhängige Forscher skalierbare Überwachungsmethoden oder mathematische Sicherheitsgarantien, fließen diese in die nächste Modell-Generation ein. Zeigen sich hingegen fundamentale Schwächen heutiger Architekturen, müssten Unternehmen wie OpenAI ihre Strategie grundlegend ändern.
Die Botschaft ist klar: Der Weg zu einer sicheren AGI ist kein Solo-Sprint, sondern ein kollaborativer Marathon. OpenAI wettet darauf, dass der nächste Durchbruch nicht im Konzernhauptquartier, sondern in einem universitären Labor gelingt.





