OpenAI hat vertraulich einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC angemeldet. Der Schritt markiert den vorläufigen Höhepunkt einer massiven Neuausrichtung des KI-Unternehmens auf Enterprise-Dienste.
Bereits Anfang der Woche hatte CEO Sam Altman intern angekündigt, dass ein Börsengang innerhalb des nächsten Jahres erwartet wird. Der am 11. Juni 2026 eingereichte Antrag bestätigt diesen Kurs nun offiziell. OpenAI bewegt sich damit in einem hochkompetitiven Umfeld: Der größte Rivale Anthropic reichte bereits am 1. Juni seine eigenen IPO-Unterlagen ein. Die Marktbewertungen beider Firmen sind noch im Fluss, Analysten taxieren Anthropic auf rund 965 Milliarden Euro, OpenAI liegt zwischen 852 Milliarden und einer Billion Euro.
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Zukauf für die Unternehmens-Infrastruktur
Um seine Position im Firmenkundengeschäft zu stärken, hat OpenAI die Cloud-Plattform Ona übernommen. Das Unternehmen spezialisiert sich auf persistente Umgebungen für KI-Agenten. Das Ona-Team soll künftig an Codex arbeiten, OpenAIs Entwicklerplattform, deren wöchentliche Nutzerzahl seit Jahresbeginn um 400 Prozent auf über fünf Millionen gestiegen ist.
Der Zukauf ist Teil einer klaren Vertikalisierungsstrategie: Der KI-Entwickler holt Infrastruktur und Laufzeitumgebungen ins eigene Haus. Mit Onas Technologie soll Codex komplexere, länger laufende Aufgaben bewältigen können. Das Enterprise-Geschäft macht inzwischen rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes von OpenAI aus.
KI-Agenten kaufen selbstständig ein
Ebenfalls am 11. Juni gab OpenAI eine Partnerschaft mit Visa bekannt. Gemeinsam wollen die Unternehmen „agentic commerce“-Lösungen entwickeln. Visas globales Zahlungsnetzwerk und seine Tokenisierungstechnologie werden direkt in ChatGPT und Codex integriert. Das Ziel: KI-Agenten sollen eigenständig Einkäufe im Namen ihrer Nutzer tätigen können.
Das System ist mit Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet: Nutzer können Ausgabengrenzen festlegen, Händlerkategorien einschränken und Transaktionen genehmigungspflichtig machen. Die Partnerschaft folgt auf die Einstellung von OpenAIs eigenem Zahlungsprojekt „Instant Checkout“. Mit Visas Infrastruktur – das Netzwerk wickelt jährlich über 300 Milliarden Transaktionen ab – will OpenAI eine sichere Umgebung für KI-gesteuerte Einkäufe und Unternehmensbeschaffung schaffen.
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Altman reist nach Südkorea
Am 14. und 15. Juni reist Sam Altman nach Südkorea. Im Mittelpunkt steht das „Stargate“-Projekt, eine 500-Milliarden-Euro-Initiative, die enorme Mengen an Hochleistungsspeicher benötigt. OpenAI benötigt eigenen Angaben zufolge rund 900.000 High-Performance-DRAM-Einheiten pro Monat.
Altman wird am 15. Juni eine Präsentation zur KI-Produktivität auf dem Samsung-Campus in Suwon halten. Geplant sind Gespräche mit Samsungs Führungsspitze über Chip-Lieferketten sowie Treffen mit den Chefs der koreanischen Tech-Giganten Kakao und Naver. Mit Kakao dürfte es um die Integration von ChatGPT in den Messaging-Dienst KakaoTalk gehen, mit Naver um Cloud-Infrastruktur.
Strategischer Kontrast zu Apple und Google
OpenAIs Fokus auf das Firmenkundengeschäft steht im deutlichen Gegensatz zu den Strategien seiner Wettbewerber. Während Apple und Google auf ihren Entwicklerkonferenzen WWDC und I/O die Integration von KI in Verbraucherprodukte und persönliche Assistenten in den Vordergrund stellten, positioniert sich OpenAI zunehmend als Infrastruktur- und Produktivitätsanbieter für Unternehmen.
Ein weiteres Indiz für diese strategische Neuausrichtung: Für Ende Juni 2026 wird ein neues KI-Modell mit dem Codenamen 5.6 erwartet. Und Samsung öffnete am 12. Juni die Nutzung von ChatGPT für seine Mitarbeiter – ein klares Signal für die wachsende Akzeptanz der Plattform in der industriellen Fertigung.

