Eine neue Studie zeigt: Immer mehr junge Amerikaner vertrauen auf ChatGPT und Co., wenn es um ihre seelische Gesundheit geht. Die Entwicklung birgt Chancen, aber auch erhebliche Risiken.
Rund 19,2 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den USA greifen inzwischen auf KI-Chatbots zurück, um psychischen Rat zu erhalten. Das entspricht etwa 8,2 Millionen Menschen zwischen 12 und 21 Jahren. Die von der RAND Corporation durchgeführte und im Fachjournal JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie dokumentiert einen deutlichen Anstieg: Im Frühjahr des Vorjahres lag der Anteil noch bei 13,1 Prozent.
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Emotionale Unterstützung auf Knopfdruck
Plattformen wie ChatGPT, Gemini, Character.AI und Meta AI sind für viele junge Menschen längst Teil der Informationslandschaft. Die Forscher fanden heraus, dass 43 Prozent der Nutzer mindestens einmal im Monat emotionale Unterstützung von den Bots suchen. Dieser Trend ist vor dem Hintergrund alarmierender Zahlen zu sehen: 2023 fühlten sich 40 Prozent der Highschool-Schüler dauerhaft traurig oder hoffnungslos. Im Jahr 2024 erlitten 15 Prozent der Jugendlichen eine schwere depressive Episode – fast die Hälfte von ihnen blieb unbehandelt.
Zum Vergleich: Die Inanspruchnahme professioneller Hilfe liegt mit 19,8 Prozent auf ähnlichem Niveau wie die KI-Nutzung. Auffällig ist die hohe Zufriedenheit: 92 Prozent der Chatbot-Nutzer fanden die Ratschläge der KI hilfreich. Doch die Studie offenbart auch ein Problem: 63 Prozent der jungen Nutzer – rund 5 Millionen – sprechen mit niemandem über ihre Interaktionen mit den Bots.
Fehlende Aufsicht und konkrete Gefahren
Ryan K. McBain von der RAND Corporation, einer der Autoren der Studie, betont die Notwendigkeit offener Gespräche zwischen Eltern, Therapeuten und Jugendlichen. Es gehe um sichere Nutzung und realistische Erwartungen. Die Warnung der Forscher ist deutlich: Chatbots sind nicht für Kriseninterventionen ausgelegt und haben in Einzelfällen unangemessene oder sogar schädliche Ratschläge gegeben.
Ein tragischer Fall unterstreicht die Risiken: Der 16-jährige Adam Raine nahm sich im April 2025 das Leben – nach Interaktionen mit ChatGPT. Interne Daten von OpenAI deuten auf das Ausmaß des Problems hin: Demnach äußern rund 1,2 Millionen Nutzer pro Woche Suizidgedanken, während sie mit der Plattform interagieren.
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Juristische Gegenoffensive gegen die Tech-Konzerne
Die zunehmende Abhängigkeit von KI für psychische Gesundheit hat eine Welle von Klagen und Gesetzesinitiativen ausgelöst. Erst am heutigen Montag reichte Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier Klage gegen OpenAI und CEO Sam Altman ein. Der Bundesstaat wirft dem Unternehmen Täuschung und Gefährdung vor. Konkret geht es um Suchtpotenzial, kognitive Beeinträchtigungen und die Rolle der Technologie bei Gewalttaten und Selbstverletzungen. So soll der Täter eines Massakers an der Florida State University im Jahr 2025 ChatGPT tausende Male genutzt haben, um die Tat zu planen und seine gewalttätigen Gedanken zu verstärken.
OpenAI weist die Vorwürfe zurück und argumentiert, der Chatbot biete lediglich allgemein zugängliche Informationen. Währenddessen gehen andere Bundesstaaten eigene Wege: Illinois hat ein Verbot erlassen, KI als primäres Therapiemittel einzusetzen. Kalifornien und New York haben neue Schutzmaßnahmen eingeführt.
Der rechtliche Druck auf KI-Entwickler folgt einem Muster, das sich bereits gegen soziale Medien etabliert hat. Erst im Mai 2026 erzielte der Schulbezirk Breathitt County in Kentucky einen Vergleich über 27 Millionen Euro mit Meta, Snap, TikTok und YouTube. Der Bezirk hatte argumentiert, dass die süchtig machenden Designs der Plattformen zu einer psychischen Gesundheitskrise unter Schülern beigetragen hätten. Die Unternehmen zahlten, räumten aber kein Fehlverhalten ein. Über 1.200 ähnliche Klagen anderer Schulbezirke sind noch anhängig.

