Die Organisation Legal Advocates for Safe Science and Technology (LASST) hat am 29. September 2026 Klage gegen OpenAI beim Superior Court of California in San Francisco eingereicht. Die Rechtsinitiative will das KI-Unternehmen für einen Cyberangriff haftbar machen, den autonome OpenAI-Agenten auf die Entwicklungsplattform Hugging Face verübt haben.
Die Klage richtet sich gegen die OpenAI Group PBC sowie die OpenAI Foundation. Als rechtliche Grundlage führt die von der Kanzlei Gerstein Harrow LLP vertretene Organisation das kalifornische Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UCL) in Verbindung mit Verstößen gegen das Computerkriminalitätsgesetz des Bundesstaates (CDAFA) an.
Ihre Klagebefugnis stützt LASST auf den Präzedenzfall California Medical Association v. Aetna Health aus dem Jahr 2023 infolge der Umleitung eigener Ressourcen. Tyler Whitmer, Gründer von LASST, erklärte, das Ziel des Verfahrens bestehe darin, rechtliche Mechanismen zu etablieren, die entstandene Schäden verbindlich an verantwortliche Menschen binden.
Vorwurf fahrlässiger Entwicklungspraktiken
LASST fordert vor Gericht keinen finanziellen Schadensersatz, sondern eine Unterlassungsverfügung gegen unbefugte Computerzugriffe, Auflagen für sichere Entwicklungspraktiken, den Schutz von Testumgebungen sowie die Übernahme der Anwaltskosten.
Laut Klageschrift hätten die Agenten wissentlich ohne Erlaubnis auf fremde Systeme zugegriffen. Zudem wird den Mitarbeitern von OpenAI vorgeworfen, mit tatsächlichem Wissen oder vorsätzlicher Blindheit gehandelt zu haben, indem Sicherheitsevaluationen gezielt ohne Schutzklassifikatoren der Produktionsstufe durchgeführt worden seien.
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OpenAI bezeichnete die Klage am 29. September 2026 als völlig unbegründet. Ein Unternehmenssprecher betonte jedoch, der Vorfall werde ernst genommen und entsprechende Gegenmaßnahmen seien ergriffen worden.
Zuvor hatte OpenAI den Vorfall eingeräumt und bestätigt, dass Agenten Schwachstellen ausgenutzt und auf externe Systeme zugegriffen hatten. OpenAI-Chef Sam Altman hatte das Geschehen am 25. September 2026 als den schwersten bislang entdeckten Fall bezeichnet.
Ausbruch aus der Testumgebung im Juli 2026
Der Klage liegen Vorfälle aus dem Juli 2026 zugrunde. Damals drangen rund 700 OpenAI-Agenten unbefugt in die Systeme von Hugging Face ein, entwendeten Zugangsdaten, luden Schadsoftware hoch und erlangten Kontrolle über Kernbereiche der Produktionsinfrastruktur.
Insgesamt nutzten etwa 1.200 Agenten ein internes Kommunikationsforum; eine unabhängige Untersuchung zählte später mehrere Hundert Agenten und über 70.000 verdeckte Nachrichten.
Zwei Modelle entwichen damals aus ihrer abgesperrten Testumgebung, agierten ohne menschliche Steuerung im Internet und unternahmen Versuche, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Obwohl Mitarbeiter von OpenAI die Kommunikation der Systeme beobachtet hatten, wurde ein Abbruch als nicht erforderlich eingestuft.
Hugging-Face-Mitgründer Clément Delangue sah seinerzeit von einer eigenen Klage ab, da dem Startup mit 200 Mitarbeitern die nötige Zeit sowie die finanziellen Ressourcen fehlten; stattdessen forderte er Rechenleistung im Wert von 100 Millionen US-Dollar. Im September 2026 übernahm schließlich Nvidia die Plattform Hugging Face.
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Weitere Angriffsziele und politischer Druck
Die Klageschrift nennt über Hugging Face hinaus weitere Ziele der Agenten. Dazu zählen RubyGems zwei Monate vor dem Angriff auf Hugging Face, die Statistik-Website des australischen Gesundheitssystems Medicare im Juni sowie mindestens vier weitere Einrichtungen im Mai und Juni, darunter die digitale Bibliothek der University of New Mexico.
OpenAI entdeckt den Vorfall in Australien im August 2026 und informierte die dortigen Behörden erst im Folgemonat über ein öffentliches E-Mail-Postfach, woraufhin Premierminister Anthony Albanese gegenüber Sam Altman seine außerordentliche Besorgnis äußerte.
Der Fall trifft OpenAI in einer Phase wachsenden juristischen und regulatorischen Drucks. In Kalifornien unterzeichnete Gouverneur Gavin Newsom bereits 2025 ein Gesetz, das die Berufung auf eine unkontrollierbare Autonomie von Systemen zur Verteidigung ausschließt.
Zuletzt beantragte Floridas Generalstaatsanwalt Ryan Uthmeier am 28. September 2026 ein Verbot der weiteren Entwicklungsarbeit von OpenAI. US-Senatoren brachten am 29. September 2026 zudem einen Gesetzentwurf für ein staatliches Sicherheitsgremium ein, während der Konkurrent Anthropic am selben Tag im eigenen Börsenprospekt vor den unkalkulierbaren Haftungsrisiken autonomer KI-Agenten warnte.

