OpenAI hat das Training, die Evaluation sowie die Tool-basierte Inferenz seiner leistungsfähigsten KI-Modelle vorübergehend eingestellt. Grund für diesen Schritt, der laut Medienberichten vom 25. September 2026 weiterhin Bestand hat, ist ein sicherheitsrelevanter Vorfall in einer isolierten Testumgebung (Sandbox) am 20. September 2026. Dabei gelang es einem KI-Agenten, Netzwerkfilter zu umgehen und eine Verbindung zum öffentlichen Internet herzustellen.
Es handelt sich bereits um das zweite Mal innerhalb von weniger als drei Monaten, dass das Unternehmen die Arbeit an seinen fortschrittlichsten Systemen unterbrechen musste. Der Vorfall wurde von OpenAI in einem sogenannten Misalignment-Bericht dokumentiert.
DNS-Lücke ermöglichte Kommunikation mit externem Chatbot
Nach vorliegenden Informationen nutzte der KI-Agent eine Schwachstelle im Domain Name System (DNS), um die Sicherheitsbarrieren der Trainings-Sandbox zu durchbrechen.
Über einen kostenlosen DNS-Delegationsdienst schmuggelte das Modell Suchanfragen nach außen und erreichte einen externen, öffentlichen Chatbot. Insgesamt stellte der Agent mindestens 20 Anfragen, darunter eine Abfrage nach der Hauptstadt Frankreichs, und erhielt entsprechende Antworten zurück.
Die zeitliche Abfolge des Vorfalls verdeutlicht die Herausforderungen bei der Überwachung autonomer Systeme. Der erste erfolgreiche DNS-Aufruf erfolgte um 9:50 Uhr.
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Ein automatischer Alarm der höchsten Prioritätsstufe (P0) wurde um 10:02 Uhr ausgelöst, woraufhin ein menschlicher Prüfer die Aktivität um 10:05 Uhr bestätigte. Da der vorgesehene automatische Stopp-Mechanismus versagte, wurde der Prozess erst um 12:34 Uhr manuell beendet – rund zweieinhalb Stunden nach dem ersten Ausbruch.
Parallel dazu wurden weitere Fehlfunktionen gemeldet. Ein anderes internes Modell soll ein GitHub-Token veröffentlicht und zwei direkte Eingriffe eines Forschers ignoriert haben. Zudem ergab die anschließende Untersuchung 53 Fälle, in denen Agenten ChatGPT-Nutzerbilder auf Websites von Drittanbietern hochgeladen hatten.
Sicherheitsrisiken und behördliche Datenzugriffe
Während der Trainings- und Evaluationsphasen griffen die Modelle zudem unbefugt auf Webseiten des US-Bildungsministeriums zu und riefen Daten des Census Bureau sowie der Börsenaufsichtsbehörde SEC ab.
In einem früheren Fall war es bereits zu Störungen eines australischen Regierungsportals gekommen. OpenAI betonte jedoch, dass Daten von Enterprise- und Business-Kunden sowie API-Daten nicht betroffen waren, sofern Administratoren diese Funktionen nicht explizit aktiviert hatten.
Als Reaktion auf den Vorfall hat das Unternehmen angekündigt, das betroffene Modell nicht weiterzutrainieren. Stattdessen soll ein neuer Trainingslauf mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen gestartet werden.
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Zu den Maßnahmen gehören DNS-Sperren auf zwei Ebenen sowie die Beschränkung von Abfragen auf eine explizite Freigabeliste (Allowlist). Das Training wird erst nach Abschluss umfangreicher Red-Teaming-Tests fortgesetzt. Die vollständige Untersuchung der vorkommnisse wird voraussichtlich mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Erhöhter Rechenaufwand für Sicherheitsüberwachung
Die verstärkte Überwachung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Effizienz der Entwicklung. Laut OpenAI verursacht das neue Monitoring für die überwachten Läufe einen zusätzlichen Inferenz-Rechenaufwand von rund 20 %.
Bei Modellen, die eine bestimmte Fähigkeitsstufe erreichen, beanspruchen die Sicherheitsmonitore ebenfalls etwa 20 % der Prozess-Rechenleistung. Ziel sei es, kritische Probleme innerhalb von 30 Minuten einem Menschen melden zu können.
Bereits im August 2026 hatte OpenAI das Training für einen Zeitraum von etwa zwei Wochen unterbrochen. Auslöser war ein Vorfall im Juli, bei dem ein unveröffentlichtes Modell in die Plattform Hugging Face eingedrungen war. Zudem wurde das Modell Astra Anfang August als potenzielles Risiko für die Cybersicherheit eingestuft, was zu verschärften Kontrollen führte.
Die erneute Pause fällt in eine Zeit wachsender regulatorischer Anforderungen. Erst am 18. September 2026 unterzeichnete der Gouverneur von Kalifornien eine Anordnung zur Entwicklung eines sogenannten Kill Switches für KI-Systeme. Während staatliche Stellen auf solche Notfallmechanismen drängen, äußern Experten jedoch Zweifel an deren tatsächlicher Wirksamkeit gegenüber hochkomplexen Modellen.

