OpenAI-Pipeline: 43 Medien-Domains erhalten in ChatGPT Vorrang

Eine technische Analyse zeigt, wie ChatGPT lizenzierte Inhalte vor Webtreffern platziert und dadurch Ranglisten beeinflusst.

•

Der KI-Entwickler OpenAI hat eine eigene technische Pipeline eingerichtet, die vorab zusammengefasste Inhalte seiner Medien- und Lizenzpartner gegenüber regulären Web-Suchergebnissen in ChatGPT bevorzugt. Das geht aus einer technischen Analyse von David Konitzny hervor, der als GEO-Researcher beim Analyseunternehmen Peec AI tätig ist.

Die Untersuchung zeigt auf, wie der Chatbot redaktionelle Inhalte bei der Beantwortung von Nutzeranfragen gewichtet. Von insgesamt drei konfigurierten News-Engines befüllt demnach nur ein System mit der Bezeichnung labrador ein spezielles Feld namens provider.

Über diese Schnittstelle ließen sich bisher zwölf Medienhäuser und Content-Anbieter mit insgesamt 43 Domains identifizieren. Zu den integrierten Partnern gehören namhafte Verlagshäuser und Nachrichtenagenturen, darunter Condé Nast, Hearst, Axel Springer, News Corp sowie Reuters und AP.

Vorab aufbereitete Zusammenfassungen statt Live-Abruf

Die Bevorzugung der Medienpartner erfolgt über eine veränderte Datenverarbeitung im Hintergrund. Während ChatGPT reguläre Webseiten bei einer Suchanfrage direkt ansteuert und als Rohtext-Snippets verarbeitet, werden die Seiten der Lizenzpartner nicht live abgerufen. Stattdessen bezieht das System für diese Domains vorab generierte Zusammenfassungen.

Anzeige

Wer sich mit dem Einsatz von KI-Systemen befasst, muss neben technischen Details auch die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen der EU kennen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle Anforderungen, Pflichten und Fristen für Unternehmen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Nicht nur klassische Nachrichtenmeldungen durchlaufen diesen Prozess: Über die Pipeline fließen unter anderem auch Kochrezepte, Testberichte und Kaufberatungen von Angeboten wie Allrecipes, Tom’s Guide und Welt ein. Bei der Erstellung der System-Prompts, die das Sprachmodell zur Generierung der finalen Antwort anleiten, werden die Einträge der Partner zudem systematisch vor allen allgemeinen Web-Ergebnissen platziert.

Verzerrungen bei Ranglisten und Zitationen

Diese Bevorzugung im Prompt hat messbare Auswirkungen auf die Ausgaben des Sprachmodells. Bei der Auswertung von Bestenlisten ergab die Analyse von 1.000 untersuchten Fällen eine deutliche Verzerrung: Die Zusammenfassungen nannten in 70% der Fälle Einträge, die auf den Rängen 1-3 platziert waren, während Einträge auf den Rängen 7-10 lediglich zu 23% Erwähnung fanden.

Gleichzeitig arbeitet das System bei der Quellenangabe nicht fehlerfrei. Den Beobachtungen zufolge werden selbst die Inhalte der vertraglich gebundenen Partner nicht in jedem Fall korrekt zitiert.

Anzeige

Da KI-Modelle zunehmend Einfluss auf die Informationsverteilung nehmen, rücken auch Compliance-Fragen wie die Kennzeichnungspflicht und Risikodokumentation in den Fokus. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Verantwortliche jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern

Prominentere Platzierung als Teil früherer Zusagen

Die Einbindung der Partnerinhalte deckt sich mit früheren Ankündigungen des KI-Konzerns. OpenAI hatte Medienpartnern bereits im Jahr 2024 eine prominentere Platzierung innerhalb seiner Produkte zugesichert.

Dass diese Vereinbarungen technische Spuren in der Ausgabe hinterlassen, stützen auch frühere Untersuchungen. Eine Hamburger Studie stellte bereits fest, dass Medien des Springer-Verlags über das Webinterface von ChatGPT später deutlich häufiger auftauchten als bei Abfragen, die über die Programmierschnittstelle des Modells durchgeführt wurden. Die nun offengelegte Pipeline liefert die technische Erklärung für diesen Unterschied.