OpenAI räumt Trainingspanne bei GPT-5 ein

Ein Trainingsfehler bei GPT-5-Modellen wirft Fragen auf. OpenAI betont die Sicherheit, während FTC und Kanada ermitteln.

Ein technischer Fehler im Training der neuesten KI-Modelle hat Sicherheitsdebatten neu entfacht. OpenAI bestätigte am Samstag, dass frühere Versionen der GPT-5-Serie unbeabsichtigt unautorisierten Bewertungsprozessen ausgesetzt waren. Das Unternehmen betont, dass die Sicherheit und Überwachbarkeit der Systeme nicht beeinträchtigt seien.

Die Panne ereignete sich während der sogenannten „Reinforcement-Learning“-Phase, einem zentralen Schritt, bei dem KI-Modelle durch schrittweises logisches Denken – die „Chain-of-Thought“-Methode – komplexe Probleme lösen lernen. Laut OpenAI wurden mehrere frühe Versionen der GPT-5-Reihe während eines bestimmten Trainingszyklus versehentlich einer begrenzten Bewertung dieser Denkprozesse ausgesetzt. Interne Prüfungen hätten jedoch keine Hinweise auf eine Verschlechterung der Sicherheitskontrollen ergeben.

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Die heikle Welt der „denkenden“ Modelle

Der Vorfall fällt in eine phase intensiver Entwicklung. OpenAI hatte zuvor von inkrementellen Post-Training-Updates auf vollständig neu trainierte Basisarchitekturen umgestellt. Die GPT-5-Reihe begann mit den Versionen 5.0 bis 5.4, die noch auf der gleichen Grundlage wie die Vorgängergeneration basierten. Erst mit der Veröffentlichung der GPT-5.5-Serie Ende April 2026 kam ein völlig neues Basismodell mit dem Codenamen „Spud“ zum Einsatz.

Dieser Schritt sollte langjährige Einschränkungen beheben – insbesondere bei der Fähigkeit der Modelle, in autonomen Arbeitsabläufen zu denken und zu interagieren. Branchenbeobachter sehen in dem Trainingsfehler ein Zeichen für die wachsende Komplexität solcher „Thinking“-Modelle. Bereits zuvor waren subtile Verhaltensauffälligkeiten aufgefallen: Nach dem Start von GPT-5.1 stieg die Häufigkeit bestimmter Begriffe wie „Goblin“ um 175 Prozent und „Gremlin“ um 52 Prozent – eine Kuriosität, die auf die feinen Anreize in der Belohnungsstruktur des Modells zurückgeführt wird.

FTC ermittelt – Kanada rügt Datenschutz

Die technische Panne ist nicht die einzige Baustelle. Bereits am 7. Mai 2026 stellte die US-Wettbewerbsbehörde FTC OpenAI eine zivilrechtliche Vorladung zu. Die Behörde untersucht, ob das Unternehmen den Umfang seiner Datensammlung falsch dargestellt oder unrechtmäßig Daten von Websites abgegriffen hat, die automatisierte Crawler explizit blockierten.

Die Ermittlungen erstrecken sich auf die gesamte GPT-5-Trainingspipeline, einschließlich der Nutzung synthetischer Daten. Da hochwertige, von Menschen erstellte Texte im Internet zunehmend knapper werden, greifen KI-Labore verstärkt auf Daten zurück, die von bestehenden Modellen selbst generiert wurden. Die FTC will prüfen, ob dieser synthetische Korpus unrechtmäßig anonymisierte persönliche Daten oder urheberrechtlich geschütztes Material enthält.

Parallel dazu stellte die kanadische Datenschutzbehörde am selben Tag fest, dass OpenAI bei der Entwicklung seiner früheren Systeme gegen Datenschutzgesetze verstoßen hatte. Die Untersuchung ergab, dass das Unternehmen personenbezogene Daten ohne ausreichende Einwilligung sammelte und keine robusten Mechanismen zur Korrektur von Faktenfehlern besaß. OpenAI hat inzwischen zugestimmt, neue Compliance-Maßnahmen umzusetzen und illegal erhobene Daten zu löschen.

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Strategischer Kurswechsel: Ende der Microsoft-Exklusivität

Angesichts der Herausforderungen hat OpenAI seine Geschäftsstrategie grundlegend geändert. Anfang Mai 2026 wurde die langjährige Partnerschaft mit Microsoft modifiziert – die Exklusivität der Modellverteilung endete. Künftig können OpenAI-Modelle auch über AWS Bedrock integriert werden. Zudem arbeitet das Unternehmen mit einer breiteren Palette von Chip-Herstellern an neuen Trainingsprotokollen.

Hintergrund sind die enormen Rechenanforderungen der GPT-5- und GPT-5.5-Zyklen. Die Einführung von GPT-5.5 wird als Versuch beschrieben, eine „rechengetriebene Wirtschaft“ zu schaffen, in der KI-Agenten proaktiv in Geschäftsprozesse eingreifen, statt nur passive Chat-Schnittstellen zu sein. Die spezielle Variante GPT-5.5-Cyber richtet sich an Sicherheitsexperten und ermöglicht eine freizügigere Nutzung für Schwachstellenanalyse und Reverse Engineering. Erste Tests unabhängiger Institute zeigen, dass diese Modelle mehrstufige Cyberangriffssimulationen lösen können, für die ein menschlicher Expertze rund 20 Stunden benötigt.

Die Milliarden-Frage: Vertrauen der Investoren

OpenAI-Bewertung von 157 Milliarden US-Dollar (rund 145 Milliarden Euro) steht zunehmend auf dem Prüfstand. Allein die direkten Rechenkosten für Training Runs der Spitzenmodelle übersteigen inzwischen drei Milliarden US-Dollar. Finanzsimulationen deuten darauf hin, dass ein schwerwiegender Fehler in einem Flaggschiff-Training eine Vertragskrise mit Infrastrukturpartnern auslösen könnte – mit potenziell verheerenden Folgen für die Bewertung.

Die Fähigkeit des Unternehmens, Trainingsanomalien wie den aktuellen Vorfall schnell zu erkennen und zu kommunizieren, gilt daher als entscheidend für das Vertrauen der Anleger. CEO Sam Altman hatte bereits Ende 2025 in einer Reddit-Session eingeräumt, dass der Start der GPT-5-Serie „holprig“ verlaufen sei. Ein Fehler im automatischen „Router“-System, das Anfragen verschiedenen Modellvarianten zuwies, führte zu instabilen Leistungen und zwang das Unternehmen, ältere Modelle wie GPT-4o für Plus-Abonnenten wiederherzustellen.

Ausblick: Was kommt nach GPT-5.5?

Für die zweite Jahreshälfte 2026 zeichnet sich eine strategische Neuausrichtung ab. Die Entwicklung von GPT-6 soll wieder stärker auf massiv erhöhte Rechenleistung beim Pre-Training setzen – eine Abkehr vom post-training-lastigen Ansatz der frühen GPT-5-Versionen. Diese Entwicklung wird voraussichtlich vor dem Hintergrund laufender Rechtsstreitigkeiten stattfinden, darunter der vielbeachtete Prozess zwischen Elon Musk und Sam Altman, der bereits die Veröffentlichung interner Dokumente zu Sicherheitsstandards erzwungen hat.

Für Unternehmenskunden geht es nun darum, die „agentischen“ Fähigkeiten von GPT-5.5 in spezialisierte Arbeitsabläufe zu integrieren. Neue Echtzeit-Sprachmodelle und verbesserte Personalisierungsfunktionen deuten auf eine Entwicklung hin zu Modellen mit höherer Autonomie und Persistenz hin. Ob OpenAI dieses Tempo halten kann, während es sich mit Bundesprüfern auseinandersetzt und die Komplexität synthetischer Daten bewältigt, bleibt die entscheidende Frage für das nächste Kapitel des Unternehmens.