OpenAI startet Werbung in ChatGPT in den USA. Damit endet die rein abonnementbasierte Nutzungsphase des Tools, und die EU prüft Folgen für Datenschutz, Transparenz und KI-Nutzung. Für Deutschland könnte sich dadurch die Akzeptanz von KI-Diensten sowie der Umgang mit Nutzerdaten neu ausrichten.
OpenAI testet Werbeeinblendungen in ChatGPT
Am 9. Februar begann der begrenzte Rollout von Werbung in ChatGPT für Nutzer der kostenlosen und der Go-Preiskategorie. Die Anzeigen erscheinen am unteren Rand des Chat-Fensters oder in einer Seitenleiste und sind eindeutig als Sponsored gekennzeichnet. OpenAI erklärt, die Anzeigen seien kontextbezogen, doch personenbezogene Daten würden nicht an Dritte verkauft oder genutzt, um das Kernmodell zu trainieren. Nutzerinnen und Nutzer mit kostenpflichtigen Plänen – Plus, Pro und Enterprise – bleiben weiterhin werbefrei. Die EU-Behörden beobachten die Entwicklung aufmerksam, da sie neue Fragen zu DSGVO-Compliance und Transparenz aufwerfen könnte.
Die EU-KI-Verordnung bringt für Anbieter neue Pflichten – von Kennzeichnungspflichten über Risikoklassen bis hin zu umfangreicher Dokumentation und Übergangsfristen. Wer sich vorbereiten will, findet einen kompakten Umsetzungsleitfaden mit konkreten Handlungsschritten, Checklisten und Erklärungen zu Kennzeichnung und Risikobewertung. KI-Verordnung: Kostenlosen Umsetzungsleitfaden herunterladen
Werbebotschaften sind bewusst unaufdringlich
OpenAI betont, dass Werbung nicht in den Gesprächsfluss eingreife, sondern separat am Rand sichtbar bleibe. Die Maßnahme diene dazu, die Kosten der Berechnung der KI für kostenlose Nutzer zu decken und zugleich zukünftige Forschung finanziell zu unterstützen. Für Deutschland bedeutet dies: Welche Rolle spielen Werbeformate in KI-Diensten künftig, wenn Konsumenten auch hier kostenlose Angebote nutzen können?
Kontroverse im Verhältnis Werbung vs. Privatsphäre
Die Branche diskutiert die balance zwischen Monetarisierung und Nutzerschutz: Werbung sei kontextbezogen, heiße es aus dem Hause OpenAI. Gleichzeitig gebe es klare Bekenntnisse, dass Nutzerdaten nicht verkauft und Werbeinteraktionen nicht genutzt würden, um das Kernmodell zu trainieren. Die Debatte treibt auch politische Erwartungen in der EU hoch, wie man KI-Dienste regulieren soll, die kostenlos angeboten werden, aber Einnahmen durch Anzeigen erzeugen.
Super-Bowl-Werbeduelle und Gegenspieler
Im Zuge der Super-Bowl-LX-Woche sorgte Anthropic, OpenAIs Mitbewerberin mit Fokus auf Sicherheit, mit dem Spot „Betrayal“ für Aufsehen. Ein Nutzer bittet eine KI um Beziehungsberatung, doch das Gespräch dreht sich rasch zu einem Werbeangebot für eine Dating-Seite. Am Ende heißt es: „Ads are coming to AI. But not to Claude.“ OpenAI-CEO Sam Altman nannte den Werbespot daraufhin als „unehrlich“ und warf vor, er verzerrt das Funktionsprinzip moderner KI-Werbung. Die Kontroverse verdeutlicht die Spaltung in der Branche: Während OpenAI und Google auf Anzeigen setzen, hoffen Anthropic-Nutzer bereit zu sein, dafür zu zahlen, um Werbeeinflüsse zu vermeiden.
Google setzt auf direktes Einkaufen in der KI
Gleichzeitig treibt Google eine andere Strategie voran: Im Gemini-KI-Modus testet das Unternehmen Direct-Offer-Formate, bei denen Händler Produkte direkt in den KI-Antworten präsentieren können. Anders als OpenAI setzt Google darauf, dass die KI aktiv beim Einkauf hilft – ein Schritt Richtung „agentischem“ Handel. Vidhya Srinivasan, VP für Anzeigen und Handel bei Google, betont, man „erlöse Werbeformate neu“, statt alte Muster zu übernehmen. Retailers können Produkte direkt im KI-Dialog anbieten, ohne dass Nutzer die Anwendung verlassen müssen. Zusätzlich nutzt Google seine neuen Video-Generierungsmodelle wie Veo im Asset Studio, um Werbematerialien sofort zu erstellen. Ziel ist eine KI, die transaktionale Funktionen stärker integriert als nur Information zu liefern.
Ausblick: Vertrauen, Markt und Regulierung
Analysten sehen in der jüngsten Entwicklung einen Wendepunkt für die KI-Branche: Die süße Phase unbegrenzter, werbefreier Experimente endet. Ein neuer „Vertrauensvertrag“ zwischen Nutzern und Anbietern formt sich: Nutzer müssen entscheiden, ob sie kostenlose Hilfe mit potenzieller kommerzieller Verzerrung akzeptieren oder lieber für Privatsphäre und Unabhängigkeit bezahlen. OpenAI und Google versprechen, Werbung die Inhalte der Antworten nicht beeinflussen zu lassen; allein die Werbung selbst bleibt umstritten.
Für den Markt bedeutet dies: Microsoft verstärkt seine Unternehmensstrategie, indem Copilot am 14. Februar auch für macOS-Enterprise-Nutzer ausgerollt wurde. Gleichzeitig plant Perplexity, später im Jahr mit einem überarbeiteten Revenue-Sharing-Modell für Publisher zurückzukehren. Die Branche rechnet damit, dass sich der Wettbewerb um Werbemodelle, Privatsphäre und Leistung verschärft.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Käuferinnen und Käufer stehen vor einer klaren Wahl: Bezahlen, um Privatsphäre zu wahren, oder der Werbung in der KI-Nutzung zustimmen und dafür auf Werbebeteiligung achten. Die mittlere Lösung – Werbefreiheit durch kostenlose Nutzung – verschwindet allmählich. Wie sich Regulierung, Datenschutzstandards und Nutzerpräferenzen in Europa konkret auswirken, klärt sich in den kommenden Monaten.





