OpenAI führt Werbung in ChatGPT ein, um Einnahmen zu stabilisieren.
Premium-Preis für Anzeigen
OpenAI setzt auf hochpreisige Werbeplätze: Anzeigen kosten rund 60 US-Dollar pro Tausend Impressionen und liegen damit deutlich über dem Branchenmittelwert. Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen an einem inventar mit stark nutzerintensiven Interaktionen festhält und Monetarisierung über zielgerichtete AI-gestützte Interaktionen bevorzugt.
Werbeformat und erste Partner
Die Werbung erscheint in einem klar gekennzeichneten Bereich unter dem Chatfenster – sie stört den Gesprächsfluss nicht, sondern wird separat ausgewiesen. Erste Werbepartner sind Ford, Target und Adobe. Das Modell basiert auf Impressionen statt direkter Platzierung in der Konversation, was Nutzererlebnis und Markenpräsenz zugleich schützen soll.
Bezahlte Privatsphäre und Abgrenzung
OpenAI hält an einem zweistufigen Modell fest: Werbefinanzierte Nutzung bleibt der breiten Masse vorbehalten, während werbefreier Zugriff für kostenpflichtige Abonnements gesichert ist. Nutzer von ChatGPT Plus, Pro, Team und Enterprise bleiben wie bisher werbefrei. Die budgetfreundliche Stufe ChatGPT Go kostet 8 US-Dollar pro Monat und bündelt das werbegestützte Erlebnis mit einem günstigeren Einstieg. Damit verfolgt OpenAI das Konzept “Pay-for-Privacy” und ergänzt es durch eine erschwingliche Alternative für den Alltagsnutzer.
Konkurrenz und Debatte im Markt
Der Rollout erfolgt vor dem Hintergrund eines anhaltenden Konkurrenzkampfs mit Anthropic. Im Super-Bowl-Werbespot attackierte Anthropic die Vorstellung von Werbung in KI mit dem Slogan „Ads are coming to AI. But not to Claude.“ OpenAI-CEO Sam Altman verteidigte derweil die Entscheidung, Werbung einzuführen, als notwendigen Schritt, um den Zugang zu fortgeschrittener KI auch unabhängig von teuren Abonnements zu ermöglichen.
Datenschutz, Kontrolle und Störungen
Nutzer können festlegen, wie Werbung die personalisierte Ansprache beeinflusst. Werbeanzeigen werden auf Basis allgemeiner Gesprächsthemen und grober Standortdaten ausgespielt; der konkrete Inhalt von Chats wird nicht direkt mit Werbetreibenden geteilt. Wer die Personalisierung abschaltet, wird zwar weniger personalisierte Anzeigen sehen, jedoch bleibt der influence des aktuellen Kontextes erhalten. Technische Probleme am vergangenen Freitag hatten zu Verwirrung geführt, OpenAI kommentierte dies als Lernphase und versprach Verbesserungen.
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Wirtschaftliche Perspektiven und Ausblick
Der Schritt in Richtung Werbung erfolgt auch vor dem Hintergrund hoher Rechenkosten und eines wachsenden Kostenposts. Der Anfangsumsatz liegt laut Analysen deutlich unter dem Wert, den OpenAI anstrebt, doch Analysten erwarten, dass das werbebasierte Geschäft die Burn-Rate senken und die Voraussetzungen für einen Börsengang in späten 2026er- bis 2027er-Jahren verbessern könnte. In den kommenden Monaten soll der Test auf weitere Regionen ausgedehnt werden. Beobachter fragen sich, ob die Nutzerbindung trotz des Premium-Preises erhalten bleibt oder ob der Datenschutzvorsprung von Anbietern wie Anthropic künftig stärker ins Gewicht fällt.





