Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI sieht sich nach einer exklusiven Veranstaltung für Social-Media-Akteure mit deutlicher Kritik konfrontiert. Am ersten Augustwochenende lud das Unternehmen rund 30 Content-Ersteller zu einem als „Summer Club“ bezeichneten Retreat in das luxuriöse Wildflower Farms Resort im Hudson Valley im Bundesstaat New York ein. Während die Teilnehmer in sozialen Netzwerken positive Berichte veröffentlichten, werfen Kritiker dem Unternehmen Greenwashing und eine mangelnde Verhältnismäßigkeit angesichts des ökologischen Fußabdrucks der Technologiebranche vor.
Exklusives Programm im Hudson Valley
Das zweitägige Event bot den geladenen Gästen ein umfangreiches Rahmenprogramm in naturnaher Umgebung. Dazu gehörten unter anderem Farm-to-Table-Abendessen sowie Aktivitäten im Bereich der Imkerei. Die Kosten für die Unterbringung in dem exklusiven Resort spiegeln den luxuriösen Charakter der Veranstaltung wider: Berichten zufolge liegen die regulären Zimmerpreise in der Anlage üblicherweise bei über 2.000 US-Dollar pro Nacht, wobei die Preisspanne für die Unterkünfte konkret zwischen 1.500 und 3.100 US-Dollar pro Nacht angegeben wird.
Seitens OpenAI wurde die Veranstaltung als bildungsorientierte Maßnahme verteidigt. Ein Sprecher des Unternehmens, Drew Pusateri, erklärte, dass das Treffen im Zusammenhang mit der Einführung von ChatGPT Work gestanden habe. Ziel sei es gewesen, die geladenen Content-Ersteller über neue Funktionen und Einsatzmöglichkeiten der Software zu informieren.
Kritik an ökologischem Fußabdruck und strategischen Deals
Die öffentliche Reaktion auf das Natur-Retreat fiel jedoch geteilt aus. Online-Kritiker bezeichneten das Ereignis als widersprüchlich und warfen OpenAI vor, durch die Wahl eines ländlichen Luxus-Resorts ein umweltfreundliches Image pflegen zu wollen, das nicht mit der Realität der Branche übereinstimme. Insbesondere wurde die Ironie hervorgehoben, ein solches Natur-Event zu veranstalten, während der Betrieb von KI-Rechenzentren mit einem massiven Energie- und Wasserverbrauch einhergeht.
In diesem Zusammenhang verwiesen Beobachter auf die weitreichenden industriellen Aktivitäten des Unternehmens. OpenAI soll Berichten zufolge einen Deal über 500 Milliarden US-Dollar für ein Rechenzentrum im US-Bundesstaat Ohio anstreben. Zudem steht ein Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium in Höhe von 200 Millionen US-Dollar im Fokus der Kritik. Das Zusammentreffen von hochgerüsteter Technologie-Infrastruktur und militärischen Kooperationen mit einem „idyllischen“ Influencer-Event wurde von Kritikern in sozialen Medien als dystopisch eingestuft.
Folgen für Teilnehmer und Branchenkontext
Die Kontroverse blieb auch für die teilnehmenden Influencer nicht ohne Folgen. Mehrere Ersteller von Inhalten sahen sich aufgrund ihrer Anwesenheit bei dem Retreat öffentlichem Druck ausgesetzt. In mindestens einem Fall führte dies dazu, dass ein Teilnehmer ein bereits veröffentlichtes Video zu der Veranstaltung wieder von seiner Plattform löschte.
Das Event markiert einen weiteren Schritt in der Marketingstrategie von OpenAI. Das Unternehmen hatte zuvor Charles Porch, der ehemals für Instagram tätig war, als Vice President of Creative Partnerships eingestellt, um die Beziehungen zu Content-Erstellern zu stärken. OpenAI ist mit diesem Ansatz nicht allein: Auch Wettbewerber wie Anthropic und Microsoft haben in der jüngeren Vergangenheit eigene Veranstaltungen für Influencer durchgeführt, um ihre Produkte in sozialen Netzwerken präsenter zu platzieren. Dennoch scheint die Kombination aus hohem Luxusfaktor und den aktuellen umweltpolitischen Debatten OpenAI in diesem Fall eine besonders heftige Gegenreaktion eingebracht zu haben.

