OpenAI-Umsatz: 50 statt 68 Milliarden Dollar – Tech-Aktien geraten unter Druck

Die Umsatzdifferenz beruht auf abweichender Verbuchung von Partnerverkäufen; zugleich gerieten Technologie- und Halbleiteraktien unter Druck.

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Ein Bericht über den annualisierten Umsatz des KI-Entwicklers OpenAI hat an den Finanzmärkten spürbare Kursverluste bei führenden Technologieaktien ausgelöst. Unter Druck gerieten insbesondere Branchenschwergewichte wie Arm, Intel, Microsoft, Nvidia und Oracle.

Auslöser war die Mitteilung von OpenAI an Investoren, wonach der annualisierte Umsatz Ende September bei knapp 50 Milliarden US-Dollar gelegen habe. Dieser Wert liegt deutlich unter den zuvor in Medienberichten genannten 68 Milliarden US-Dollar.

Wie zuerst die Financial Times berichtete, wiesen die Finanzdokumente für Investoren einen annualisierten Umsatz aus, der rund 20 Milliarden US-Dollar niedriger ausfiel als zuvor signalisiert. Bei der Diskrepanz handelt es sich jedoch nicht um einen Umsatzverlust, sondern um abweichende Berechnungsmethoden.

Während der Konkurrent Anthropic Verkäufe über Cloud-Partner wie AWS und Google Cloud voll einrechnet, verzichtet OpenAI auf diesen Schritt. Die zuvor kursierende Zahl von 68 Milliarden US-Dollar hatte laut einer mit der Sache vertrauten Person noch Bruttoumsätze von OpenAI-Partnern enthalten.

Laut der Investorenpräsentation lag der annualisierte Umsatz im Juli bei rund 30 Milliarden US-Dollar, während Anpassungen im August zu Berichten über 40 Milliarden US-Dollar geführt hatten. Im dritten Quartal wies OpenAI ein Run-Rate-Wachstum von 77 Prozent im Gesamtgeschäft sowie 107 Prozent im Enterprise-Bereich aus. OpenAI lehnte eine Stellungnahme ab.

Finanzierungsbedarf und verschobener Börsengang

Parallel dazu erwägt OpenAI eine frische Finanzierungsrunde von mindestens 30 Milliarden US-Dollar bei einer kolportierten Bewertung von 1,4 Billionen US-Dollar, was in etwa dem 28-Fachen des neuen annualisierten Umsatzes entspricht. Ein Term Sheet wurde bislang nicht finalisiert.

Die aktuelle Bewertung des Unternehmens liegt bei 852 Milliarden US-Dollar, nachdem OpenAI in einer Finanzierungsrunde im März 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt hatte. Finanzchefin Sarah Friar erklärte, das Unternehmen sei weiterhin gut kapitalisiert.

Geleakte Finanzzahlen für 2025 deuten allerdings auf anhaltend hohe Ausgaben hin: Bei einem Jahresumsatz von 13,07 Milliarden US-Dollar wird ein Nettoverlust von 38,5 Milliarden US-Dollar ausgewiesen.

OpenAI-CEO Sam Altman hatte einen Börsengang für das Jahr 2026 im September ausgeschlossen und das IPO-Ziel auf frühestens 2027 verschoben, nachdem ein Prospekt im Juni vertraulich eingereicht worden war.

Breite Abgaben im Halbleiter- und Cloud-Sektor

Die Verunsicherung schlug direkt auf die Aktienmärkte durch. Der technologielastige Nasdaq Composite fiel um 1,4 Prozent und verzeichnete seinen schwächsten Handelstag seit Juli. Der Halbleiterindex PHLX Semiconductor büßte 3,7 Prozent ein, während der Nasdaq 100 um 1,6 Prozent nachgab.

Zu den größten Verlierern zählten Intel und Oracle mit Abschlägen von jeweils 6 Prozent. Nvidia verlor 3 Prozent an Wert, während Microsoft um 2 Prozent und Micron um 4 Prozent nachgaben. Deutliche Verluste verzeichneten auch Cloud- und Infrastrukturanbieter wie CoreWeave, Nebius und AMD.

Die Aktie von Broadcom geriet im Nachmittagshandel ebenfalls unter Druck, obwohl das Unternehmen laut Medienberichten eine Finanzierung von über 50 Milliarden US-Dollar für gemeinsam mit OpenAI entwickelte Spezialchips arrangiert.

Im breiteren Marktumfeld gab der S&P 500 um 0,7 Prozent nach, während der Dow Jones um 0,1 Prozent fiel. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 5 Basispunkte auf 5,24 Prozent.

Die Rohstoffmärkte zeigten sich uneinheitlich: Der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um 3,5 Prozent auf 91,41 US-Dollar je Barrel, während Gold um 0,5 Prozent auf 4.131,89 US-Dollar je Unze anzog. Bei den Kryptowährungen fielen Bitcoin um 3,1 Prozent auf 80.773,42 US-Dollar und Ether um 6 Prozent auf 2.419,81 US-Dollar.