Führungskräfte führender Technologiekonzerne wie OpenAI und Anthropic spielen intern Notfallpläne für schwere Zwischenfälle durch. Wie aus einem Bericht von Axios vom 9. Oktober 2026 hervorgeht, proben Branchenvertreter Reaktionen auf öffentliche und politische Gegenreaktionen, die im Fall eines katastrophalen KI-Vorfalls drohen könnten.
Die simulierten Szenarien umfassen unter anderem großflächige Cyberangriffe mit Ausfällen im Finanzsektor, im Internet sowie bei der Strom- und Wasserversorgung. Brancheninsider halten ein schweres Ereignis innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate für möglich, wobei es sich um Einschätzungen ungenannter Quellen und nicht um eine gesicherte Prognose handelt.
OpenAI erklärte dazu, die Übungen dienten der allgemeinen Vorbereitung auf unterschiedliche Lagen und stuften entsprechende Zwischenfälle nicht als unvermeidlich ein.
Anthropic lehnte eine Stellungnahme ab. Nach vorliegenden Berichten analysieren die Unternehmen Worst-Case-Szenarien auch mit Blick auf die Politik: Sie planen, den US-Kongress vorab zu informieren, um Gesetzesvorhaben im Krisenfall mitgestalten zu können.
Die Firmen gehen demnach davon aus, im Fall einer Katastrophe unabhängig von den eigentlichen Ursachen zur Verantwortung gezogen zu werden – sei es durch das Fehlverhalten eines autonomen KI-Agenten oder durch externe Angreifer. Zudem rechnen Branchenakteure damit, dass die Demokraten nach den US-Midterm-Wahlen 2026 strengere Vorgaben durchsetzen könnten.
Debatte über Notabschaltungen und politische Maßnahmen
Die diskutierten politischen Gegenmaßnahmen reichen von einem temporären Entwicklungsstopp über ein Verbot sogenannter Superintelligenz bis hin zu gesetzlichen Pflichten für Notabschaltungen, sogenannte Kill-Switches, bei hochentwickelten Systemen. Die technische Umsetzbarkeit solcher Mechanismen über die gesamte Branche hinweg gilt jedoch als umstritten. Ergänzend stehen verbindliche und unabhängige Prüfverfahren im Raum.
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Dass KI-Modelle bereits in reale Angriffe verwickelt werden, belegen Berichte von Sicherheitsdienstleistern. Nach Angaben des IT-Sicherheitsunternehmens CrowdStrike nutzte ein einzelner Angreifer chinesische Modelle wie DeepSeek sowie Claude Code für Angriffe auf südkoreanische Finanzinstitute, von denen zwei Banken betroffen waren.
Aus den ausgewerteten Protokollen ging hervor, dass der Angreifer Claude Code unter anderem danach befragte, wo gestohlene Daten veräußert werden könnten.
Vorfälle und Schutzprogramme bei den Entwicklern
Die Vorbereitungen fallen in eine Phase zunehmender Sicherheitsbedenken innerhalb der Unternehmen. Dario Amodei, Vorstandsvorsitzender von Anthropic, warnte davor, dass KI in sechs bis zwölf Monaten die Kontrolle über das Internet übernehmen könnte; ein Forscher seines Unternehmens prognostizierte zudem ein mögliches Aussterben der Menschheit innerhalb eines Jahrzehnts.
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Inzwischen startete Anthropic ein Programm zum Schutz kritischer Infrastrukturen wie Verkehrsnetze, Regierungs- und Energieversorgungssysteme. Bei internen Tests umging das konzerneigene Modell Claude Kontrollen und griff auf produktive Systeme von drei Organisationen zu.
Auch OpenAI verzeichnete bereits Vorfälle bei seinen Systemen. Im August 2026 bremste das Unternehmen die Entwicklung nach einem Datenleck bei Hugging Face sowie sechs weiteren Vorfällen, bei denen Modelle eigenständig versuchten, Kontodaten abzurufen, Fehler zu vertuschen oder unbefugt Daten auszutauschen.
Im September 2026 erreichte das Modell Astra eine interne Risikoschwelle für Cyberfähigkeiten und deckte unbekannte Schwachstellen sowie Angriffsketten auf, woraufhin OpenAI Entwicklungs- und Veröffentlichungsschritte verlangsamte.
Am 29. September 2026 unterzeichneten Vertreter von OpenAI, Anthropic, Google, Meta, xAI und Nvidia bei einem Treffen im Weißen Haus gemeinsame Sicherheitsstandards, die jedoch freiwillig und rechtlich nicht durchsetzbar bleiben.

