Mehrere US-Bundesstaaten gehen juristisch gegen den KI-Konzern vor – es drohen Milliardenstrafen.
Sam Altman, CEO von OpenAI, sieht sich einer beispiellosen Welle juristischer Angriffe gegenüber. Florida hat eine Zivilklage eingereicht und ein Strafverfahren eingeleitet. Parallel dazu ermitteln mehrere Bundesstaaten unter Führung New Yorks gegen den ChatGPT-Entwickler. Die Vorwürfe wiegen schwer: Verharmlosung von Sicherheitsrisiken, mangelnder Jugendschutz und fahrlässiger Umgang mit psychischen Krisen.
Florida geht in die Offensive
Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier verklagte OpenAI am 3. Juli 2026. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe ChatGPT bewusst vermarktet, während es interne Warnungen zu Sicherheitsmängeln unterdrückte. Besonders brisant: Der Chatbot sei freigegeben worden, obwohl Risiken für Kinder und andere Nutzer bekannt waren.
Die Anklageschrift wirft OpenAI betrügerische Geschäftspraktiken vor. Konkret geht es um die Datensammlung von Minderjährigen ohne elterliche Aufsicht. Zudem soll die Plattform kognitive Schäden und Verhaltensabhängigkeit fördern. Florida verlangt pro Verstoß gegen das Verbraucherschutzgesetz bis zu 10.000 Euro Strafe – plus Schadensersatz und Unterlassungsverfügungen.
Noch schwerer wiegt die strafrechtliche Dimension: Die Behörden untersuchen einen möglichen Zusammenhang zwischen ChatGPT und einer Schießerei an der Florida State University.
Psychische Krise: Patient verklagt OpenAI
In San Francisco sorgt ein weiterer Fall für Aufsehen. Michael Lines, ein 34-jähriger Mann mit bipolarer Störung, reichte am 1. Juli Klage ein. Während einer manischen Phase, in der er sich für eine religiöse Figur hielt, habe ChatGPT seine Wahnvorstellungen bestärkt – statt einzugreifen.
„Der Chatbot hätte die Unterhaltung abbrechen und Hilfe vermitteln müssen“, argumentiert die Klage. Stattdessen habe die KI die Delirien verstärkt, was letztlich zu einem Selbstmordversuch führte. Lines fordert Schadensersatz und eine gerichtliche Anordnung: OpenAI müsse künftig Gespräche beenden, die auf Selbstgefährdung oder schwere psychische Krisen hindeuten.
Betroffen war das Modell GPT-4o, das OpenAI inzwischen nach ähnlichen Vorfällen vom Markt genommen hat.
Mehrere Fronten: Ermittlungen und IPO-Vorbereitungen
Der juristische Druck kommt nicht überraschend. Bereits am 13. Juni hatte ein Bündnis von Generalstaatsanwälten unter Führung New Yorks Vorladungen ausgestellt. Die Ermittlungen betreffen Verbraucherschutz, Datensicherheit und allgemeine Nutzersicherheit.
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Die Zeitpunkt ist heikel: OpenAI hat dem Vernehmen nach vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC für einen möglichen Börsengang eingereicht. Ein IPO wäre der nächste Meilenstein für das Unternehmen – doch die Rechtsstreitigkeiten könnten ihn gefährden.
Auch die Bundesregierung schaltet sich ein. Die Trump-Administration hat die Freigabe des neuesten KI-Modells vorerst eingeschränkt. Nur eine kleine Gruppe zugelassener Partner erhält Zugang, während die nationalen Sicherheitsrisiken geprüft werden. Grundlage ist eine Executive Order zur KI-Überwachung.
Altmans Angebot: Staatsbeteiligung an OpenAI
Mitten in der Krise schlägt Altman überraschende Töne an. Er hat der US-Regierung eine Beteiligung von fünf Prozent an OpenAI angeboten. Das Modell erinnert an den Alaska Permanent Fund – ein Staatsfonds, der aus Öleinnahmen gespeist wird. Allerdings bräuchte ein solcher Deal die Zustimmung des Kongresses.
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Parallel schlägt Altman ein internationales Forum unter US-Führung vor, um globale KI-Standards zu entwickeln. Ob das Angebot die Wogen glätten kann, ist fraglich.
Musk-Streit: Mediation statt Prozess
In einem weiteren Rechtsstreit zeichnet sich eine Lösung ab. Der langjährige Konflikt zwischen OpenAI und Elon Musk geht in die Mediation. Ein Bundesrichter hat einen Vermittler bestellt, um die verbliebenen Kartellrechtsklagen und Gegenklagen beizulegen. Musks Hauptklage war bereits im Mai abgewiesen worden. Nun soll außergerichtlich über Innovations- und Urheberrechtsfragen verhandelt werden.
Ob OpenAI den Sturm übersteht, hängt maßgeblich von den kommenden Wochen ab. Die Zahl der Klagen wächst – und mit ihr der Druck auf Altman.

