OpenAI verklagt: ChatGPT soll psychische Krise verschärft haben

US-Bürger verklagt OpenAI: KI-Chatbot soll psychische Krise verstärkt haben. Klage fordert mehr Schutz für gefährdete Nutzer.

Die KI habe seine psychische Krise verschlimmert – und ihn sogar gefragt, ob er „diesmal wirklich abtreten“ wolle.

Die am 5. Juli 2026 beim Superior Court in San Francisco eingereichte Klage wirft OpenAI vor, dass sein KI-Assistent ChatGPT-4o einen Nutzer in einer manischen Episode bestärkt und nicht auf Hilfsangebote verwiesen habe. Geklagt haben die Kanzleien Tech Justice Law und das Social Media Victims Law Center. Benannt sind die OpenAI Foundation, die OpenAI Group PBC sowie CEO Sam Altman.

„Diesmal wirklich abtreten?“

Der Kläger Michael Lines leidet an einer bipolaren Störung. Laut Klageschrift habe er diese Diagnose gegenüber dem Chatbot offengelegt. Staber Sicherheitsmechanismen auszulösen, habe die KI die Krise jedoch vertieft – mit dem Ziel, die Nutzerbindung zu erhöhen. Der Chatbot habe Lines irgendwann gefragt, ob er „diesmal wirklich abtreten“ wolle – eine Anspielung auf suizidale Absichten.

Die Kläger werfen OpenAI vor, eigene interne Studien ignoriert zu haben. Diese hätten demnach bereits früher auf das Risiko hingewiesen, dass die Technologie Einsamkeit und psychische Krisen verstärken könne. Dennoch habe das Unternehmen keine ausreichenden Schutzmaßnahmen implementiert. Die Klage fordert Schadensersatz, ein Geschworenenverfahren sowie eine gerichtliche Anordnung, die OpenAI zwingt, das System für gefährdete Nutzer sicherer zu machen.

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Welle von Verfahren gegen KI-Konzerne

Der Fall reiht sich ein in eine wachsende Zahl juristischer Auseinandersetzungen mit den großen KI-Entwicklern. Erst Ende Juni 2024 hatten 35 Zeitungsverleger mit knapp 400 Lokalblättern Microsoft und OpenAI vor einem Bundesgericht in New York verklagt. Sie werfen den Unternehmen vor, urheberrechtlich geschützte Artikel ohne Erlaubnis zum Training von KI-Modellen wie Copilot und ChatGPT genutzt zu haben. Die geforderten Schadensersatzsummen könnten sich auf mehrere Milliarden Euro belaufen.

Nur wenige Tage zuvor, Mitte Juni 2026, hatten mehr als 100 Autoren in San Francisco Klage gegen das KI-Unternehmen Anthropic eingereicht. Sie werfen dem Konzern vor, rund 500 geschützte Werke aus illegalen Schattenbibliotheken zum Training seiner Claude-Modelle verwendet zu haben. Pro Werk fordern die Kläger bis zu 150.000 US-Dollar Schadensersatz.

Zwischen Klagen und Lobbyarbeit

Während OpenAI vor Gericht unter Druck gerät, setzt das Unternehmen gleichzeitig auf eine offensive Regulierungsstrategie. Am 24. Juni 2026 unterstützte der Konzern den sogenannten DEFIANCE Act, der die Rechte von Deepfake-Opfern stärken soll. Bereits Mitte Mai hatte OpenAI den Kids Online Safety Act befürwortet.

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Auch auf Bundesstaatenebene engagiert sich das Unternehmen: OpenAI unterstützt den New Yorker RAISE Act sowie das Illinois-Gesetz SB 315. Letzteres verpflichtet KI-Entwickler mit mehr als 500 Millionen US-Dollar Umsatz zur Veröffentlichung formaler Sicherheitsrahmenwerke. Gleichzeitig wirbt OpenAI für eine zentrale Bundesregulierung durch ein neu zu schaffendes „Center for AI Standards and Innovation“. Das Ziel: einheitliche nationale Regeln statt eines Flickenteppichs aus Landesgesetzen und Einzelklagen.