Die angestrebte Bewertung könnte die Marke von einer Billion Euro überschreiten – ein Novum für die Tech-Branche.
Bereits am 8. Juni reichte OpenAI vertraulich den sogenannten S-1-Antrag bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Schon in dieser Woche könnten weitere Details zum Börsenprospekt folgen. Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Interesse an KI-Aktien sprunghaft steigt – aber auch die rechtlichen und wettbewerblichen Risiken zunehmen.
Milliardenverluste trotz Rekordumsätzen
OpenAI bringt beeindruckende Finanzzahlen mit an den Markt. Der Jahresumsatz liegt bei umgerechnet über 23 Milliarden Euro, die jüngste Bewertung nach über 110 Milliarden Euro an Finanzierungen bei rund 780 Milliarden Euro. Doch die Kehrseite: Die Verluste sind gewaltig. Interne Prognosen gehen von einem Nettoverlust von knapp 13 Milliarden Euro für das laufende Jahr aus, der Cash-Burn – also der laufende Mittelabfluss – beträgt sogar 25 Milliarden Euro. Die Betriebskosten für 2026 werden auf rund 7,8 Milliarden Euro geschätzt.
Die Eigentümerstruktur wird von Tech-Giganten dominiert. Microsoft hält 26,79 Prozent, gefolgt von SoftBank mit 11,66 Prozent, Amazon mit 4,66 Prozent und Nvidia mit 3,47 Prozent. Aktien aus dem Sekundärmarkt wurden zuletzt für umgerechnet rund 620 Euro gehandelt. Branchenbeobachter halten einen Aufschub des Börsengangs auf 2027 für möglich, falls die Marktbedingungen die angestrebte Billionen-Bewertung nicht hergeben.
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Apple verklagt OpenAI – 400 abgeworbene Mitarbeiter im Fokus
Ein massives rechtliches Problem überschattet die Börsenpläne: Apple verklagte OpenAI am 10. Juli vor einem Bundesgericht. Der Vorwurf wiegt schwer – systematischer Diebstahl von Hardware-Geschäftsgeheimnissen, um ein eigenes mobiles Gerät zu entwickeln. Apple behauptet, OpenAI habe mehr als 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter abgeworben. Einige Ingenieure sollen vertrauliche Dateien über Netzwerkschwachstellen heruntergeladen haben. Kandidaten seien zudem angewiesen worden, proprietäre Hardware-Komponenten zu Vorstellungsgesprächen mitzubringen.
Dieser Rechtsstreit folgt auf einen anderen, der gerade erst beigelegt wurde. Im Mai 2026 wies eine Jury die Klage von Elon Musk ab, der OpenAI den Abkehr von seiner ursprünglichen Non-Profit-Mission vorgeworfen hatte. Die Fehde zwischen Musk und OpenAI-CEO Sam Altman ist damit nicht beendet. Erst am 13. Juli lieferten sich die beiden öffentlich einen Schlagabtausch. Musk stellte Altmans Transparenz gegenüber Investoren infrage, Altman kritisierte Musks Fokus auf kapitalintensive Weltraum-Rechenzentren nach dem 70-Milliarden-Euro-Börsengang von SpaceX.
Die rasanten Entwicklungen bei OpenAI und die juristischen Auseinandersetzungen verdeutlichen, wie komplex die rechtliche Lage rund um Künstliche Intelligenz geworden ist. Damit Ihr Unternehmen bei Fristen und Pflichten des EU AI Acts den Überblick behält, bietet dieser Leitfaden eine kompakte Orientierungshilfe. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung herunterladen
Wettrennen mit Anthropic – und eigene Produktoffensive
OpenAI ist nicht allein im Rennen um die Börse. Der größte Rivale Anthropic reichte bereits am 1. Juni seine vertraulichen IPO-Unterlagen ein – und zeigt sich finanziell sogar stärker. Der annualisierte Umsatz von Anthropic erreichte im Mai 47 Milliarden Euro, die Bewertung wird auf rund 880 Milliarden Euro geschätzt. Anthropic peilt einen Börsengang im Oktober an der Nasdaq an, kämpft aber mit eigenen Hürden: Weltweite Exportkontrollen der USA beschränken den Zugang zu den Modellen Mythos 5 und Claude Fable 5.
Um die eigene Position zu stärken, hat OpenAI sein Produktportfolio massiv ausgebaut. Neben den Kern-Sprachmodellen brachte das Unternehmen kürzlich den ChatGPT Atlas Browser und ChatGPT Health auf den Markt. Das Modell GPT-5.6 Sol ist ebenfalls veröffentlicht. Parallel integriert OpenAI die Hardware-Firma io Products, die im Mai 2025 für rund sechs Milliarden Euro übernommen wurde. Das erste eigene Consumer-Hardware-Gerät steht offenbar kurz bevor. Die Massenproduktion eines KI-gestützten Smartphones wird für Anfang 2027 erwartet – vorausgesetzt, der Rechtsstreit mit Apple verzögert die Entwicklung nicht.

