Während CEO Sam Altman auf einen schnellen Börsengang drängt, warnen Finanzvorstände vor explodierenden Verlusten. Das Unternehmen verbrennt 2026 voraussichtlich 14 Milliarden Euro – und muss seine Unternehmensstruktur grundlegend umbauen.
Interne Zerwürfnisse um den IPO-Zeitplan
OpenAI peilt einen Börsengang im September 2026 an. Die Bewertung soll zwischen 850 Milliarden und 1,1 Billionen Euro liegen. Goldman Sachs und Morgan Stanley bereiten die Notierung vor. Doch zwischen CEO Sam Altman und CFO Sarah Friar ist ein offener Konflikt entbrannt.
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Altman drängt auf einen Markteintritt bereits im vierten Quartal 2026. Friar hingegen zweifelt an der finanziellen Reife des Unternehmens. Die Zahlen geben ihr recht: Im ersten Quartal 2026 lag die operative Verlustmarge bei erschreckenden 122 Prozent. Der Gesamtverlust für 2026 wird auf rund 13 Milliarden Euro geschätzt – fast eine Verdopplung gegenüber den 7,5 Milliarden Euro aus 2025.
Zum Vergleich: Die wiederkehrenden Einnahmen liegen bei etwa 18,5 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat zwar insgesamt rund 280 Milliarden Euro an Kapital eingesammelt, doch die Kosten explodieren schneller als die Erlöse.
Wettbewerber überholen OpenAI
Die Lage wird durch die Konkurrenz nicht einfacher. Anthropic, der Rivale aus dem KI-Sektor, hat nach einer Finanzierungsrunde über 60 Milliarden Euro eine Bewertung von 900 Milliarden Euro erreicht. Damit liegt Anthropic erstmals vor OpenAIs aktueller Bewertung von 795 Milliarden Euro.
Unternehmensumbau unter Druck
OpenAI reagiert mit einer grundlegenden Strukturreform. Die ursprünglichen Pläne, die gemeinnützige Muttergesellschaft in eine gewinnorientierte Firma umzuwandeln, wurden aufgegeben. Stattdessen wandelt das Unternehmen seine Tochter in eine Public Benefit Corporation (PBC) um. Diese Konstruktion erlaubt weiterhin Großinvestitionen – etwa durch den japanischen Mischkonzern SoftBank –, während die Non-Profit-Organisation die Kontrolle behält.
Der Umbau erfolgt unter massivem rechtlichem und regulatorischem Druck. Die Behörden in Kalifornien und Delaware, Partner wie Microsoft sowie Konkurrenten wie Meta und Elon Musk haben die Unternehmensführung kritisiert. Musk reichte bereits Anfang des Jahres eine Klage ein und startete ein Übernahmeangebot über 90 Milliarden Euro.
Neue KI-Modelle für Sicherheit und Forschung
Trotz der internen Turbulenzen treibt OpenAI die technologische Entwicklung voran. Im Mai 2026 präsentierte das Unternehmen GPT-Rosalind, ein auf Biologie spezialisiertes Modell. Es soll die Wirkstoffforschung beschleunigen und biologische Gefahren frühzeitig erkennen. Das Projekt ist Teil einer Biodefense-Strategie, die eine Zusammenarbeit mit dem Los-Alamos-Nationallabor und Investitionen von 42 Millionen Euro in die Startups Valthos und Red Queen Bio umfasst.
Im Bereich Cybersicherheit beliefert OpenAI seit Mai 2026 Japans drei größte Banken – MUFG, SMBC und Mizuho – mit dem Modell GPT-5.5-Cyber. Die Implementierung ist Teil einer gemeinsamen US-japanischen Initiative zur Sicherung kritischer Infrastrukturen in 15 Sektoren. Eine neue Arbeitsgruppe unter Vorsitz des Chief Information Security Officers der Mizuho Bank überwacht die Umsetzung.
Arbeitsmarkt: 250 Millionen Euro für Folgenforschung
Die OpenAI Foundation startete Ende Mai 2026 ein 233 Millionen Euro schweres Programm zu den Auswirkungen der Automatisierung auf den globalen Arbeitsmarkt. Die Initiative untersucht wirtschaftliche Verschiebungen, unterstützt betroffene Arbeitnehmer und prüft Steuerreformen oder Staatsfonds-Modelle nach dem Vorbild Norwegens und Alaskas.
Bemerkenswert: In öffentlichen Auftritten haben OpenAI-Führungskräfte ihre früheren Warnungen vor Massenarbeitslosigkeit relativiert. Sam Altman räumte ein, dass seine ursprüngliche Einschätzung zur Geschwindigkeit des Arbeitsplatzabbaus falsch war. Selbst bei hoher Automatisierung bleibe menschliche Produktivität für zentrale Wirtschaftsfunktionen unverzichtbar.

