OpenClaw setzt auf günstige KI-Modelle aus China

Die Open-Source-Agenten-Software OpenClaw integriert kostengünstige KI-Modelle aus China, um Betriebskosten um bis zu 95 Prozent zu senken und den Massenmarkt für persönliche Assistenten zu öffnen.

Die beliebte Open-Source-Agenten-Software OpenClaw integriert KI-Modelle aus China, um die horrenden Betriebskosten für Nutzer zu senken. Dieser strategische Schwenk könnte den Massenmarkt für persönliche KI-Assistenten öffnen.

Die Kostenfalle für KI-Agenten

Der Wechsel ist eine direkte Reaktion auf ein drängendes Problem: die explodierenden Betriebskosten. Im Gegensatz zu einfachen Chatbots arbeiten autonome Agenten wie OpenClaw rund um die Uhr. Sie verwalten Dateien, führen Code aus und überwachen Workflows. Diese permanente Aktivität verbraucht enorme Mengen an Verarbeitungseinheiten (Tokens), was bei Nutzern westlicher Modelle wie Claude von Anthropic oder GPT von OpenAI zu unerwartet hohen Rechnungen führte.

Laut Branchenberichten lagen die monatlichen Kosten für Power-User teils bei über 400 Euro. In Extremfällen waren sogar 3.600 Euro fällig. Für viele Entwickler und Privatanwender wurde der Betrieb eines 24/7-Assistenten damit wirtschaftlich untragbar.

Bis zu 95 Prozent günstiger

Als Ausweg integriert OpenClaw nun die Modelle Kimi K2.5 von Moonshot AI und Angebote von MiniMax. Die Einsparungen sind gewaltig: Analysen zufolge kostet Kimi K2.5 nur etwa 0,58 Euro pro Million Input-Tokens. Das ist schätzungsweise 95 Prozent günstiger als vergleichbare westliche Spitzenmodelle.

Anzeige

Passend zum Thema KI-Integration und Compliance: Seit August 2024 gelten neue Regeln für KI-Systeme – viele Entwickler und Betreiber wissen nicht, welche Pflichten bei Risikoklassifikation, Kennzeichnung und Dokumentation bestehen. Der kostenlose Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung erklärt praxisnah, wie Sie Ihr Agenten-System (z. B. OpenClaw) korrekt einordnen, welche Nachweise nötig sind und welche Fristen Sie beachten müssen. Ideal für Entwickler, Anbieter und Betreiber in der EU. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Noch bemerkenswerter: OpenClaw bietet Kimi K2.5 auf seiner Plattform sogar als kostenfreies Premium-Modell an. Diese Entscheidung wird von Beobachtern als Wendepunkt für die Zugänglichkeit von Open-Source-KI gewertet. Die entscheidende Frage lautet: Geht dieser Preisvorteil auf Kosten der Leistung?

Überraschende Stärke im Benchmark

Erste Leistungstests geben Entwarnung. Technische Benchmarks deuten darauf hin, dass Kimi K2.5 in Bereichen wie Coding und Bildverstehen durchaus mit globalen Top-Modellen wie Google Gemini 3 Pro oder Claude Opus 4.5 mithalten kann.

Für OpenClaw, das komplexe Aufgaben wie Code-Debugging oder GitHub-Management bewältigen soll, ist diese Leistungsfähigkeit essenziell. Die Integration widerlegt damit die Annahme, dass günstigere Modelle automatisch schwächere Reasoning-Fähigkeiten besitzen. Nutzer erhalten so eine „Opus-ähnliche“ Intelligenz zu einem Bruchteil der Kosten.

Technische Feinjustierung und Datenschutz-Bedenken

Die Plattform erweitert gleichzeitig ihre Architektur. Neben Moonshot AI vertieft OpenClaw die Zusammenarbeit mit Alibaba Cloud. Nutzer können den Agenten nun auf lokaler Hardware betreiben und anspruchsvolle Reasoning-Aufgaben an die Qwen-Modelle von Alibaba auslagern. Dies optimiert den Spagat zwischen lokaler Privatsphäre und Cloud-Intelligenz.

Eine weitere Innovation sind „Semantic Snapshots“. Stellt der Agent eine Webseite dar, verarbeitet er nicht mehr datenintensive Screenshots, sondern wandelt die Seite in einen strukturierten Textbaum um. Der Datenverbrauch sinkt dadurch von Megabytes auf Kilobytes pro Interaktion.

Doch der Wechsel zu chinesischen Anbietern wirft Fragen auf. Eine Sicherheitswarnung des Unternehmens JFrog vom Montag mahnte zur Vorsicht. Die Gewährung umfangreicher Berechtigungen – etwa für E-Mails, Dateisysteme oder Messaging-Apps – bleibe ein Risiko. Nutzer müssten sich bewusst sein, wo ihre Daten verarbeitet werden, so die Warnung.

Branchenkenner wie Luo Liang vom Beratungshaus Intelligent Parameters sehen die Entwicklung dennoch pragmatisch. Für viele Anwender sei das Preis-Leistungs-Verhältnis der entscheidende Faktor. Die Möglichkeit, einen leistungsstarken Agenten ohne Unternehmenskosten zu betreiben, überwiege für einen Teil des Marktes geopolitische oder Datenschutz-Bedenken.

Trendwende für den KI-Agenten-Markt?

Die Strategie von OpenClaw könnte 2026 den gesamten Markt für autonome KI-Agenten verändern. Wenn sich diese von einer Spielerei zur produktiven Infrastruktur entwickeln, rückt die „Kosten pro Aufgabe“ in den Fokus – und könnte damit genauso wichtig werden wie die reine Modell-Intelligenz.

Experten erwarten, dass dieser Druck westliche Anbieter zwingen könnte, ihre Preismodelle für agentenbasierte Workflows zu überdenken. Der Erfolg von OpenClaws „modell-agnostischer“ Strategie könnte zudem andere Open-Source-Projekte ermutigen, nachzuziehen. Mit über 100.000 Sternen auf GitHub hat OpenClaw bereits eine enorme Entwickler-Community. Deren Fokus auf Kosteneffizienz dürfte die Verbreitung persönlicher KI-Assistenten in den kommenden Monaten deutlich beschleunigen.

Anzeige

PS: Die neue KI-Verordnung kennt keine Schonfrist – fehlerhafte Kennzeichnung oder fehlende Dokumentation können kostspielige Folgen haben. Unser Gratis-E-Book fasst die wichtigsten Handlungsschritte zusammen, zeigt typische Fallstricke bei Agenten-Workflows und liefert Vorlagen für erforderliche Nachweise. Perfekt, um schnell zu prüfen, ob Ihr OpenClaw-Setup oder Ihre KI-Integration konform ist. Sofort umsetzbare Checklisten inklusive. Kostenfreien AI-Act-Leitfaden jetzt sichern