OpenText und Cohere schließen strategische Partnerschaft – mit Fokus auf Datenhoheit und regulierte Märkte.
Auf der KI-Konferenz ALL IN AI im kanadischen Montreal besiegelten OpenText und Cohere am 16. September 2026 ihre neue Allianz. Gemeinsam wollen die beiden kanadischen Unternehmen sogenannte agentische KI in Behörden und stark regulierte Industrien bringen – also Systeme, die nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben planen und ausführen.
Im Mittelpunkt steht die Verbindung von OpenTexts Datenmanagement mit Coheres KI-Plattform North und den dazugehörigen Sprachmodellen. Das Ziel: komplexe Arbeitsabläufe automatisieren, ohne die Kontrolle über die Daten aus der Hand zu geben.
Zwei Schichten, ein Stack
Die Partnerschaft folgt einem Schichtenmodell. OpenText liefert die Daten- und Kontextebene und erschließt unstrukturierte, operative und transaktionale Daten aus seinem Portfolio an Informationsmanagement-Werkzeugen. Erst dieser Unterbau versorgt KI-Systeme mit dem nötigen Geschäftskontext, um in Unternehmen oder Verwaltungen sinnvoll zu agieren.
Wer sich mit dem Einsatz intelligenter Systeme in der Verwaltung befasst, muss die Balance zwischen Innovation und Rechtsstaatlichkeit wahren. Dieser kostenlose Leitfaden bietet Führungskräften im öffentlichen Dienst einen praktischen Selbsttest und wertvolle Tipps für den verantwortungsvollen Umgang mit KI. Kostenlosen Leitfaden für den öffentlichen Dienst herunterladen
Cohere steuert die Anwendungs- und Orchestrierungsebene bei. Über die Plattform North lassen sich sichere KI-Agenten aufbauen und einsetzen, angetrieben von unternehmertauglichen Sprachmodellen. So werden Automatisierungen möglich, die über die reine Informationssuche hinausgehen.
OpenText-CEO Ayman Antoun betont: Daten würden oft nur als Beiwerk gesehen, seien aber der entscheidende Faktor, der agentischer KI den Kontext für echte Handlungen gebe.
Datenhoheit als Verkaufsargument
Ein Kernpunkt der Vereinbarung ist der Fokus auf Branchen mit hohen Sicherheitsanforderungen – Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen und der öffentliche Sektor. OpenText verweist darauf, dass seine Datenschicht bereits von den zwanzig führenden Bundesregierungen der Welt genutzt wird, ebenso von großen globalen Lieferketten und Versicherern.
Die gemeinsame Lösung soll den Sprung von KI-Experimenten in den Produktivbetrieb ebnen. Cohere-Mitgründer und CEO Aidan Gomez sieht in der Partnerschaft einen sicheren Weg, agentische KI in den Alltag von Systemen und Arbeitsabläufen zu integrieren.
Weil Coheres Modelle auf souveräne KI ausgelegt sind, behalten Kunden die volle Kontrolle darüber, wo ihre Daten liegen und wie sie verwendet werden. Zur Auswahl stehen Installationen vor Ort, private Clouds sowie souveräne oder öffentliche Cloud-Umgebungen.
Der rechtssichere Einsatz von KI-Systemen erfordert in Europa die genaue Kenntnis neuer regulatorischer Vorgaben wie dem EU AI Act. Dieses kostenlose E-Book verschafft Unternehmen den nötigen Überblick über Risikoklassen, Dokumentationspflichten und wichtige Übergangsfristen. Kostenloses E-Book zum EU AI Act sichern
Start Anfang 2027
Die integrierte Lösung soll Anfang 2027 bei Unternehmenskunden verfügbar sein. Im Zuge des Rollouts will OpenText die North-Plattform und die Modelle von Cohere direkt in seine eigenen Aviator-KI-Agenten einbetten.
Hinzu kommt eine strategische Vertriebsvereinbarung über das OpenText-Programm Solution Extension (SOLEX). Sie erlaubt es OpenText, Cohere-gestützte Lösungen direkt an seine mehr als 120.000 Unternehmenskunden in 180 Ländern zu vermarkten.
Cohere wurde 2019 gegründet und hat rund 1,6 Milliarden US-Dollar von Investoren wie Oracle, Salesforce Ventures und NVIDIA eingesammelt. Beide Firmen wollen ihre Marktbearbeitung abstimmen und gemeinsam an Produkten weiterarbeiten.
Aviator wächst seit Monaten
Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von Updates der OpenText-Aviator-Produktfamilie ein. Bereits im Juli erschien Content Aviator 26.2 mit ersten Governance-Grundlagen für agentische KI, darunter prozesszentrierte Wissensgraphen.
Im August 2026 folgte eDiscovery 26.3 mit spezialisierten Aviator Agents, die mehrstufige Abläufe in juristischen Umgebungen per natürlicher Sprache automatisieren. Diese Schritte bereiteten den Boden für die nun verkündete Partnerschaft – und markieren den Wandel von generativer KI, die bloß Antworten liefert, hin zu Systemen, die Strategien über mehrere Unternehmensanwendungen hinweg planen, ausführen und anpassen können.

