Operation ASTERIX: KI-gesteuerte Phishing-Kampagne zielt auf 885.000 Nummern

Rapid7 Labs deckt auf: KI-generierte Phishing-Apps entwenden Krypto-Vermögen. Über 316.000 deutsche Telefonnummern im Visier der Angreifer.

Sicherheitsexperten von Rapid7 Labs haben eine umfangreiche und technologisch fortschrittliche Betrugskampagne identifiziert, die unter dem Namen Operation ASTERIX geführt wird.

Wie aus einem aktuellen Untersuchungsbericht hervorgeht, nutzen die Hintermänner gezielt künstliche Intelligenz, um Phishing-Angriffe zu automatisieren und Krypto-Vermögen im großen Stil zu entwenden. Im Fokus stehen dabei vor allem Nutzer bekannter Hardware-Wallets und Handelsplattformen.

Automatisierte Erstellung von Phishing-Tools durch KI

Die Analyse von Rapid7 Labs zeigt, dass die Angreifer bei der Entwicklung ihrer Schadsoftware massiv auf KI-gestützte Coding-Assistenten zurückgegriffen haben. Demnach wurden Werkzeuge wie GitHub Copilot und Claude Code eingesetzt, um gefälschte Versionen bekannter Wallet-Anwendungen zu erstellen.

Zu den imitierten Programmen gehören Trezor Suite, Ledger Live und Exodus. Das Ziel dieser manipulierten Apps ist das Abgreifen von Wiederherstellungsphrasen (Seed Phrases), mit denen die Täter die volle Kontrolle über die digitalen Vermögenswerte der Opfer erlangen können.

Interessante Einblicke liefert der Bericht in die Interaktion mit den KI-Modellen. Während Claude Code die Verschleierung (Obfuskation) von bösartigem Code verweigerte, versuchten die Akteure diesen Schutzmechanismus durch einen Wechsel zum Modell Kimi und den Einsatz von Jailbreak-Techniken zu umgehen.

Ob dieser Versuch erfolgreich war, blieb unbestätigt. Zusätzlich verbreiteten die Hintermänner einen mit Trojanern infizierten Installer für Claude Code, um weitere Entwickler oder Nutzer zu kompromittieren.

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Massive Datenbestände mit Fokus auf Deutschland

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Experten auf einen exponierten Server der Angreifer, der sensible Datensätze enthielt. Insgesamt wurden dort 885.000 Telefonnummern gefunden, wobei ein signifikanter Anteil von 316.002 Mobilnummern aus Deutschland stammte.

Diese Daten dienten offenbar als Grundlage für großflächige Vishing-Kampagnen (Voice Phishing), bei denen Claude Code eingesetzt wurde, um automatisierte Anrufe an über 100.000 Rufnummern zu tätigen.

Die Angreifer gingen bei der Auswahl ihrer Ziele systematisch vor. Rapid7 Labs dokumentierte eine Validierung von Konten der Plattform Crypto.com, bei der 43.066 Konten bestätigt wurden, was einer Trefferquote von 13,6 % entspricht.

Zudem entdeckten die Forscher ein sogenanntes Binance-Lead-Panel sowie einen Kraken-Checker, in denen bereits 5.576 validierte Ziele für weitere Angriffe hinterlegt waren. Die Exfiltration der gestohlenen Daten erfolgte laut den Erkenntnissen über den Messenger-Dienst Telegram.

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Kooperation mit Behörden und Herstellern

Angesichts der Professionalität von Operation ASTERIX haben die Sicherheitsforscher ihre Ergebnisse bereits im Vorfeld der Veröffentlichung mit nationalen Behörden und betroffenen Unternehmen geteilt. Besonders hervorgehoben wird in dem Bericht die Koordination mit der Sicherheitsabteilung von Apple (Apple Security), um die Verbreitung der schädlichen Anwendungen und die Ausnutzung der Infrastruktur einzudämmen.

Der nun veröffentlichte Detailbericht von Rapid7 Labs dient als Warnung für die Branche. Er verdeutlicht, wie generative KI die Einstiegshürden für komplexe Cyberkriminalität senkt und die Skalierung von Betrugsmaschen ermöglicht, die zuvor einen deutlich höheren manuellen Aufwand erfordert hätten.

Experten raten Nutzern von Kryptowährungen zur erhöhten Wachsamkeit bei der Installation von Wallet-Software und zur strikten Geheimhaltung von Wiederherstellungsphrasen.