Operation Olympus Blade: BKA zerschlägt Phishing-Dienst Kratos

Support-Betrug und Phishing-Attacken nehmen drastisch zu. Das BKA zerschlägt den Dienst „Kratos“ und stellt tausende Apps sicher.

Behörden und Sicherheitsexperten warnen aktuell vor einer Zunahme von Betrugsmaschen, bei denen Kriminelle ihre Opfer zur Installation von Fernzugriffssoftware bewegen. Durch das Vortäuschen technischer Probleme oder dringender Sicherheitsupdates versuchen die Täter, die vollständige Kontrolle über die Endgeräte der Betroffenen zu erlangen. Diese Entwicklung reiht sich in eine insgesamt angespannte Bedrohungslage im Bereich der Cyberkriminalität ein.

Drastischer Anstieg bei Support-Betrug und Fernzugriff

Aktuelle Daten aus dem Gen Threat Report für das erste Halbjahr 2026 unterstreichen die Dringlichkeit der Warnungen. Demnach ist der Betrug in deutschen Online-Shops um 134 Prozent gestiegen. Besonders besorgniserregend sei die Zunahme bei Fernzugriffstrojanern, die ein Plus von 69 Prozent verzeichneten, während schädliche Fernzugriffssoftware um 37 Prozent zunahm. Weltweit konnten in diesem Zeitraum 20,3 Millionen Versuche von Support-Betrug blockiert werden. Deutschland belegt mit 2,3 Millionen Fällen in dieser Statistik den dritten Platz im globalen Vergleich.

Ein prominentes Beispiel für diese Masche liefert ein Vorfall, von dem auch Bundestagspräsidentin Klöckner betroffen ist. Hierbei nutzen die Täter klassische Support-Strategien, um in sensible Systeme einzudringen. Laut Expertenberichten setzen Kriminelle zudem verstärkt Künstliche Intelligenz ein, um Phishing-Mails perfekt zu formulieren. Mit Methoden wie dem OAuth-Device-Code-Flow gelinge es ihnen sogar, die gängige Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen.

Ermittlungserfolge gegen organisierte Phishing-Strukturen

Parallel zu den Warnungen vermelden die Sicherheitsbehörden signifikante Erfolge im Kampf gegen die Infrastruktur der Hacker. Dem Bundeskriminalamt (BKA) gelang im Rahmen der internationalen „Operation Olympus Blade“, an der auch das FBI und indonesische Behörden beteiligt waren, ein schwerer Schlag gegen organisierte Kriminelle. Dabei wurde der seit 2024 aktive Phishing-Dienst „Kratos“ zerschlagen.

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Dieser Dienst bediente rund 1.800 Kunden und war für bis zu 15.000 Kampagnen pro Monat verantwortlich. Im Zuge der Ermittlungen wurden 200 Server beschlagnahmt und insgesamt 96.000 Phishing-Apps sichergestellt, die speziell auf den Bereich Online-Banking abzielten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stuft Phishing derzeit als die größte digitale Bedrohung ein, die für rund 90 Prozent aller Cyberangriffe verantwortlich sei.

Gezielte Kampagnen gegen Bankkunden und Institutionen

Aktuell beobachten Verbraucherschützer und Sicherheitsbehörden eine Vielzahl spezifischer Kampagnen. Kunden der Sparkasse stehen im Fokus einer Phishing-Welle, bei der E-Mails mit angedrohten Kontosperren zu gefälschten chipTAN-Seiten führen oder zur Installation vermeintlich „essentieller Sicherheitsupdates“ auffordern. Auch im Namen der Deutschen Rentenversicherung werden Mails mit dem Betreff „Ihr Gerät benötigt ein aktuelles Sicherheitsupdate“ verbreitet, um Schadsoftware zu platzieren.

Weitere Betrugsversuche nutzen gefälschte Identitäten, etwa des rheinland-pfälzischen Bürgerbeauftragten Martin Haller oder die Marke der Stiftung Warentest mit einer erfundenen Masche namens „Brandschutz Deutschland 2026“. Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert auf die anhaltende Bedrohungslage im Finanzsektor und fordert von den Banken die Vorlage konkreter Aktionspläne bis Oktober 2026.

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Zusätzlich warnt die US-Sicherheitsbehörde CISA vor der russischen Hackergruppe „Laundry Bear“, die unter dem Namen Void Blizzard bekannt ist. Diese nutze eine spezifische Schwachstelle in Zimbra-Systemen (CVE-2025-66376), um Zero-Click-Angriffe durchzuführen.

Empfehlungen der Verbraucherschutzverbände

Juristen und Verbraucherschützer raten dringend zur Vorsicht bei unaufgeforderten Kontaktaufnahmen via E-Mail, WhatsApp oder Telefon. Bei verdächtigen Nachrichten im Namen von Amtsträgern oder Banken sollten keine Links geöffnet und keinesfalls auf die Schreiben geantwortet werden. Falls bereits Daten preisgegeben wurden, empfehlen Experten die sofortige Information der Bank sowie eine Änderung sämtlicher Passwörter. In Fällen von Erpressung durch Deepfake-Videos oder gefälschte Hotel-Reservierungen sollte zudem umgehend die Polizei verständigt werden.